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BAG: Politiker stellen Glaubwürdigkeit in Frage
Aus Tagesschau vom 03.08.2020.
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Zahlen-Panne beim BAG «Wir entschuldigen uns bei den Clubs»

Wo ist das Corona-Infektionsgeschehen am grössten? In der Disco oder daheim im Familienkreis? Am letzten Freitag lieferte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eindeutige Daten: in Clubs und Bars. Am Sonntag dann die Korrektur: Der Familienkreis ist Ansteckungsort Nummer eins. Patrick Mathys vom BAG bedauert den Fehler, betont aber auch, dass die Clubs weiterhin ein Gefahrenort sind.

Patrick Mathys

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Patrick Mathys ist im Bundesamt für Gesundheit (BAG) Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit.

SRF News: Wie konnte es nicht auffallen, dass plötzlich das Nachtleben und Bars sowie Restaurants so oben ausschwingen?

Patrick Mathys: Üblicherweise prüfen wir die Zahlen wirklich, versuchen ein Vieraugenprinzip umzusetzen. Der Druck war gross und wir haben diese Zahlen geliefert. Es ist niemandem aufgefallen, dass das eigentlich in dieser Art und Weise nicht sein kann.

Was ziehen Sie für Konsequenzen daraus?

Wir überprüfen unsere Prozesse laufend. Ich denke, wir werden aus diesem Fehler lernen und ihn hoffentlich kein zweites Mal machen.

Sind die Zahlen aussagekräftig?

Wir haben lange nicht zu allen Infektionen auch die nötigen Daten, was den Ansteckungsort angeht. Das ist schade. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass man nur etwa 50 Prozent der Fälle nachverfolgen kann. Bei diesen 50 Prozent denken wir aber, dass sie repräsentativ sind.

Der Fehler vom Freitag war speziell unglücklich für die Clubbranche. Wie reagieren Sie auf die Kritik?

Das war unglücklich und dafür entschuldigen wir uns bei den Clubs. Das wäre nicht nötig gewesen. Wir möchten aber auch festhalten, dass Übertragungen in Clubs tatsächlich stattgefunden haben. Und was wichtig ist: Clubs sind ein Ort, wo plötzlich sehr viele Leute angesteckt werden können und anschliessend sehr viele unter Quarantäne gesetzt werden müssen. Das ist für die Kantone unter Umständen eine grosse Herausforderung.

Es hat Fehler gegeben. Wir haben aber daraus gelernt und ich glaube nicht, dass damit das Vertrauen ins BAG erschüttert ist.

Darum ist es auch so wichtig, an solchen Orten möglichst keine Infektionen zuzulassen und die nötigen Schutzkonzepte zu haben. Wir werden zusammen mit den Clubs nach Wegen suchen und das bereinigen. Wir hoffen, dass wir in einer positiven Zusammenarbeit vorwärtsgehen können.

Die Clubs bleiben ein Gefahrenort?

Ganz sicher. Vor allem, wenn man jetzt sieht, was in Genf geschieht, wo momentan fast 40 Prozent der Ansteckungen in Clubs passiert sind. Da wurde ja auch reagiert, der Kanton hat die Clubs geschlossen. Das ist sinnvoll, wenn es zu solchen Hotspots kommt.

Es war nicht die erste Kommunikationspanne. Die Politik kritisiert das Krisenmanagement, spricht von Überforderung. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Von Überforderung zu sprechen, wenn wir drei oder vier Mal falsche Zahlen publiziert haben oder einmal eine Aussage an einer Pressekonferenz nicht gestimmt hat, geht für mich zu weit. Wir waren transparent, wenn wir Fehler gemacht haben. Wir haben diese korrigiert und ich glaube, überall wo Menschen arbeiten, passieren unter Druck Fehler.

Jeden Tag, sieben Tage die Woche beantworten wir ein paar dutzend Medienanfragen. Wenn wir da Daten liefern müssen, muss das oft rasch passieren. Es hat Fehler gegeben. Wir haben aber daraus gelernt und ich glaube nicht, dass damit das Vertrauen ins BAG erschüttert ist.

Machen Sie sich Sorgen, dass Sie das Vertrauen der Bevölkerung verspielt haben?

Ich hoffe nicht. Solange wir transparent sind, wir zu Fehlern auch stehen können und daraus lernen, hoffe ich, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung weiter haben.

Das Gespräch führte Sandro Della Torre.

Tagesschau, 3.8.2020, 19:30 Uhr;

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Weshalb entschuldigen bei den Clubs? Wenn Ansteckung in der Familie passiert, hat ein Familienmitglierd das Virus in die Familie gebracht. Ist das Mitglied allenfalls vorher in einem Club gewesen? Von alleine kommt kein Vitus in die Familie!
    1. Antwort von Claudia Dolfi  (Claudia D.)
      Diese Überlegung habe ich mir auch gemacht, eigentlich sollten Ansteckungen im Haushalt herausgerechnet oder zumindest separat dargestellt werden, wobei 'im Familienkreis' Haushalt ist.

      Allerdings sind die Clubs/Bars offenbar gemäss der neuen Zahlen trotzdem nicht die grössten Verbreiter. Verwunderlich ist allerdings, dass Genf doch massiv höhere Zahlen in diesem Bereich meldet.
    2. Antwort von Claudia Dolfi  (Claudia D.)
      Zu beachten ist bei diesen Angaben wohl auch, dass einerseits diverse Kategorien wie Schule (= Arbeit?), Geschäfte, ÖV fehlen, anderseits auch sehr unterschiedlich gut die Infektionsquelle festgestellt werden kann. Gerade das Familienumfeld ist wohl noch am ehesten rekonstruierbar.

      Auch das Testverhalten wird unterschiedlich sein: ist einer in der Familie infiziert, werden sich wohl auch die (asymptomatischen) Angehörigen testen lassen. Bei anderen Orten ist das wohl oft nicht der Fall.
  • Kommentar von Andreas Häni  (Erdbewohner)
    Am Sonntagmorgen am Bahnhof... sehe viele Menschen die mit einer Schutzmaske auf den Bus bzw. Zug warten. Schön wie sich fast alle an diese Massnahmen halten. Bevor ich aufs Perron gehe hole ich mir einen Kaffee im Migrolino. Ich desinfiziere mir beim Eingang die Hände. Massenhaft laufen Kunden rein & raus doch von Hände desinfizieren weit & breit keine Spur. Anstatt mit Zahlen & Statistiken um sich zu werfen,würde man vielleicht besser die Menschen mehr sensibilisieren was wirklich wichtig ist.
    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Wage es: Diese ganzen Desinfizierungen überall schwächt auf Dauer unser Immunsystem. So klinisch sauber sich Mensch desinfiziert, hat es nichts mehr zu tun.
      Zudem schädigt diese ständige Desinfizierung die empfindliche Hautoberfläche & kann zu Hautausschlägen führen. Die Maske im Gesicht übrigens auch.
      Zu Hause die Hände gründlich mit normaler Seife gewaschen reicht völlig aus.
  • Kommentar von Andreas Häni  (Erdbewohner)
    Wenn jemand Personen innerhalb seiner Familie ansteckt muss derjenige sich zuvor irgendwo mit dem Virus infiziert haben...Man möchte etwas mit Zahlen & Statistiken kontrollieren bzw. im Griff haben,was für mich aber ziemlich fragwürdig erscheint. Deshalb: vergisst doch einfach diese Zahlen & Statistik hin & her schieberei.