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EU und Schweiz wollen Tiermehl teilweise wieder zulassen
Aus Tagesschau vom 03.09.2021.
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Zermahlene Schlachtreste Kommt das Tiermehl auch in der Schweiz zurück?

Ab 7. September ist Tiermehl nun in der Futterproduktion für Schweine und Geflügel wieder zulässig. Trotz positiver Reaktion von den Bauern und dem Konsumentenschutz dürfte die Rückkehr des Tiermehls in der Schweiz nicht ganz einfach werden.

    Wenn nach dem Schlachten von Tieren etwas übrigbleibt wie Knochen oder Gedärme, wird dies zu Tiermehl weiterverarbeitet. In den 90er Jahren hat man dieses Tiermehl dem Futter der Nutztiere beigemischt, auch den Kühen und Rindern. Verseuchtes Tiermehl hat dann bei den Tieren eine schwere Krankheit ausgelöst und führte zur BSE-Krise. Und auch Menschen, die verseuchtes Fleisch gegessen hatten, konnten tödlich erkranken.

Klar ist deshalb für die EU und für die CH: Wiederkäuer wie Rinder dürfen auch weiterhin kein Tiermehl essen, schliesslich sind sie Pflanzenfresser. Die EU erlaubt nun aber, dass Schweine Tiermehl aus Geflügelresten fressen dürfen und dem Futter des Geflügels, Schweine-Tiermehl beigemischt werden darf.

Gute ökologische Alternative

Aufgrund der bilateralen Verträge müsse die Schweiz dies nun auch umsetzen, heisst es beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Der Direktor des Schweizer Bauernverbandes, Martin Rufer, würde eine teilweise Legalisierung in der Schweiz begrüssen: «Eine Verfütterung dieser tierischen Nebenprodukte könnte aus ökologischer Sicht sinnvoll sein. Wir können dadurch teilweise den Import von Futtermittel wie Soja ersetzen», erklärt er. Dass Schweine und Geflügel Eiweisse von anderen Tieren essen, sei völlig natürlich, sie seien Allesfresser.

Legende: Hühner sind Allesfresser, ihnen darf Tiermehl wieder verfüttert werden. Keystone

Auch Sara Stalder, die Geschäftsleiterin des schweizerischen Konsumentenschutzes, begrüsst es, wenn diese Schlachtreste wiederverwertet werden können. «Wichtig ist, dass die Kontrollen funktionieren und es richtig gemacht wird. Dass gar nichts Falsches passiert», stellt Stalder aber klar.

Schwierige Umsetzung

Schwierig dürfte sich jedoch die praktische Umsetzung der Idee zeigen. Es bräuchte für Schweine-, Geflügel- und Wiederkäuer-Mischfutter jeweils vollständig getrennte Produktionswege. In der kleinen Schweiz lohne sich dies für die Futtermittelfabrikanten jedoch kaum, sagt der Geschäftsführer der nationalen Vereinigung, Christian Oesch: «Die meisten Fabrikanten haben keine getrennten Anlagen und können diese tierischen Proteine deshalb nicht verwenden.»

Eine teilweise Legalisierung analog der EU könnte in der Schweiz also nicht automatisch dazu führen, dass Tiermehl in der Futtermittelfabrikation auch tatsächlich wieder eingesetzt wird. Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen heisst es auf Anfrage, dass man das Thema nun mit den Beteiligten besprechen will. Es könne aber gut noch ein Jahr gehen, bis dann auch in der Schweiz alle Einzelheiten geklärt sind und es eine gesetzliche Grundlage gibt, das Tiermehl teilweise verwenden zu dürfen. Ob dies dann auch gemacht wird, wird sich erst dann zeigen.

Tagesschau, 03.09.2021, 19:30 Uhr

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73 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Eines ist weiterhin gewiss: der Mensch ist das letzte Glied in der Nahrungskette....."bon appétit la suisse"!!
  • Kommentar von Markus Kotthaus  (Alcheringa)
    Der BSE Skandal liegt wohl inzwischen zu lange zurück. Hat man den nicht gelernt? Auch Schweine essen normal in der Natur keine Tierkadaver!!!
    Das kann man doch als Verbraucher nicht akzeptieren.
    Ich denke noch mal ernster darüber doch nur noch Vegan zu essen....
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Ein Kadaver befindet sich bereits im Status der Verwesung. Bei Tiermehl ist dies zu keinen Zeitpunkt der Fall. Heute glänzen die Forenteilnehmenden mal wieder mit Halbwissen oder Glauben.
    2. Antwort von Verena Schär  (DOREMIFASOLATIDO)
      @ Mirca Hier geht es doch nicht um Wissen oder Halbwissen.
      Es geht es darum, dass wir die Welt langsam kennen, keiner weiss wie der Zeitraum vom Tod der Tiere bis zur Verarbeitung zu Tiermehl dauert.
      Wenn dies lange dauert wird die Tierleiche Aas/Kadaver toxisch. Da bilden sich Giftstoffe, die keinem Huhn, keiner Sau zum Wohle kommt.
      Also ist es sinnvoller weniger Tiere als quasi Abfall zu produzieren (Legehennen) und Knochenmehl als Langzeitdünger (wenn schon denn schon) zu verwenden.
  • Kommentar von Kurt Scherrer  (kurtskommentar)
    Manche lernen es wohl nie. Oder sie vergessen einfach zu schnell......