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Schweiz Zu viele kalte Betten in Schweizer Jugendgefängnissen

Haftanstalten für Jugendliche sind zunehmend unterbesetzt. Denn die Zahl der Delikte ging um 40 Prozent zurück. Die erfreuliche Nachricht schafft auch Probleme – in einer brandneuen Einrichtung im Waadt denkt man über eine «Umnutzung» nach.

Ein Freizeitraum im Jugendgefängnis in Palézieux
Legende: Gähnende Leere in Palézieux: 2014 für Jugendliche eröffnet, könnten jetzt erwachsene Straftäter in die Anstalt kommen. Keystone

2014 eröffnete die Waadt in Palézieux ein Jugendgefängnis. Ein Haus für die wirklich schweren Fälle, gesichert wie ein richtiges Gefängnis: mit Gitterfenstern und hohen Zäunen, im Innern eine engmaschige Betreuung. Ein Gefängnis für minderjährige Häftlinge – aus der ganzen Romandie.

Allein, es fehlt an Häftlingen. Sicherheitsdirektorin Béatrice Métraux lud deshalb heute die Medien ins Gefängnis ein und verteidigte sich: Politik mache man nicht mit der Kristallkugel; wirklich niemand habe die drastische Senkung der Jugendkriminalität voraussehen können.

Lieber Computerspielen als Abhängen

Erklärungen für die Entwicklung freilich hat Métraux: «Erstens: Die Jugendlichen sitzen heute vermehrt vor Computerspielen, statt auf den Dorfplätzen abzuhängen.
Zweitens: die Präventionsprogramme zeigen Wirkung.»

Die Entwicklung zeigt sich auch andernorts. Der Kanton Bern entschied Ende Januar, sein Jugendgefängnis in Prêles ganz zu schliessen. Und auch Institutionen in der Ostschweiz und in Basel haben weniger Zuweisungen. Ein halbleeres Gefängnis ist an sich positiv, allerdings kommt es die Romandie teuer zu stehen.

Wie hoch die Rechnung ist und wer sie bezahlt, darüber verhandeln die Kantone gerade hinter verschlossenen Türen. Was also tun – das Gefängnis schliessen?
Das wäre falsch, sagt die Chefin der Waadtländer Gefängnisse, Sylvie Bula: «Die 18- bis 25-Jährigen werden am häufigsten rückfällig und jeder Rückfall bedeutet wieder ein Opfer.» Hier zu sparen kommt für Bula deshalb nicht in Frage.

Eine leerstehende Zelle in der Haftanstallt in Palézieux
Legende: Ein Luxusproblem? Die Kantone stellt die sinkende Jugendkriminalität vor eine neue Herausforderung. Keystone

Kantone müssen kreativ werden

Trotzdem steht für die Politik fest, dass das Haus intensiver genutzt werden muss. Die Bevölkerung verlange zu Recht Rechenschaft, wenn ein Gefängnis halbleer stehe, sagt Béatrice Métraux. Weil zugleich die Gefängnisse für Erwachsene in der Romandie noch immer überbelegt sind, soll ein Ausgleich geschaffen werden.

Die leeren Plätze im Jugendgefängnis werden mit jungen Erwachsenen belegt. Wobei Métraux unterstreicht: «In Frage kommen nur Täter, die einfache Delikte aber keine Verbrechen begangen haben.» Eine Vermischung von Minderjährigen mit Schwerverbrechern kommt nicht in Frage. Aber landauf, landab, müssen derzeit neue Nutzungen für die überdimensionierten Jugendanstalten gefunden werden.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Aber jetzt habe Ich doch der SVP geglaubt es werde immer Krimineller im Land. Ach, ist das jetzt doof =)
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Seien wir doch froh. Für jedes leere Bett sparen wir tausende von Franken, die wir sonst für Delinquenten ausgeben müssten. Oder warum nicht diese Betten mit erwachsenen Straftätern belegen, damit in den andern Gefängnissen mehr Platz vorhanden wäre. Dies wäre doch eine willkommene, von Frau Sommaruga bejahende Alternative zu ihrem Unwillen, die Straftäter auszuschaffen.
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    1. Antwort von Edwin Habegger (vonwegen)
      EXGÜSÉ ! Frau Zeiger, wie können Sie denken Frau Sommaruga weigere sich Straftäter auszuschaffen. Erstens kann sollte / man wohl kaum 'ausschaffen' ohne dass Straftäter ihre Strafe abgesessen haben. Zweites sind darunter, wie wir heute wissen, viele Kriminaltouristen, bei denen man kaum verhindern kann, dass sie (event. immer wieder) zurückkommen. Schön, dass der jugendlichen Straftäter weniger geworden sind. Vielleicht könnte man dafür dem Departement Sommaruga einen Bonuspunkt gutschreiben ?
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