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Zu wenig Ausbildungsplätze Der Schweiz fehlt es an Physiotherapeuten

In der Schweiz werden nur rund halb so viele Physiotherapeuten ausgebildet wie benötigt. Die Politik könnte dies ändern.

Legende: Audio Physiotherapie: Grössere Nachfrage, konstantes Angebot abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
01:43 min, aus HeuteMorgen vom 28.08.2018.

Gesucht: Diplomierte Physiotherapeutin, Stellenantritt: Per sofort. Fast 200 solche Inserate gibt es aktuell in der Schweiz. Und so manches Inserat bleibt lange stehen – denn es gibt in der Schweiz einen Mangel an Physiotherapeuten. Viele Stellen bleiben monatelang unbesetzt.

Wer eine Stelle ausschreibe, brauche viel Geduld, sagt Torge-Nils Eistrup vom Verband Physioswiss: «Statistiken zeigen, dass Stellen in der Regel drei Monate lang unbesetzt bleiben.» Das gestalte sich vor allem bei kurzfristigen Ausfällen als schwierig.

Nachbehandlungen nehmen zu

In der Schweiz würden nur etwa halb so viele Physiotherapeutinnen und -therapeuten ausgebildet, wie effektiv benötigt: «Es werden zwischen 500 und 600 Physiotherapeuten im Jahr ausgebildet. Der Bedarf liegt mit zwischen 800 und 1000 aber deutlich höher.»

Dass die Nachfrage nach Physiotherapie immer weiter wächst, hat auch damit zu tun, dass die Politik das Prinzip «ambulant vor stationär» forciert – Patienten bleiben also kürzer im Spital und sind auf eine gute Betreuung ausserhalb des Spitals angewiesen.

Wichtig ist, dass Physiotherapeuten unnötige Therapien nicht fortführen.
Autor: Torge-Nils EistrupVerband Physioswiss

Natürlich müsse die Branche auch selbstkritisch sein, so Torge-Nils Eistrup. Zwar erfolge eine Physiotherapie nur auf ärztliche Verordnung. Allerdings sei es wichtig, dass sich Physiotherapeuten auch sensibilisieren und unnötige Therapien nicht fortführten.

Keine Praktika in privaten Praxen

Um den Personalmangel zu entschärfen, braucht es aus Sicht von Physioswiss jedoch vor allem mehr Ausbildungs- und Praktikumsplätze. Aktuell dürfen nur Spitäler Praktika anbieten und die Arbeit von Praktikanten auch abrechnen. Physioswiss fordert, dass auch private Praxen dies dürfen.

Doch weder Bund noch Kantone wollen diese Praktika finanzieren. Und so bleibt vorerst alles beim Alten: Die Nachfrage nach Physiotherapie steigt weiter, die Zahl der Physiotherapieabschlüsse und Praktika bleibt jedoch konstant.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die Fallpauschalen statt Kostenerstattungen motivieren die Spitaeler, die Patienten viel zu frueh noch blutig zu gossen. Schon deswegen waechst der Bedarf nach privaten Nachbehandlungen explosiv. Dazu kommen noch die Folgekosten zu frueher Gossungen mit Genesungsverlaengerungen ueber sonst gesparte Folgeoperationen bis hin zu vermeidbarem Siechtum bis zur Bahre. Das Spitalmonopol fuer Gratispraktika ist in staatlichen Spitaelern Zwangsarbeit, in privaten lupenreine Sklaverei....
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  • Kommentar von Lyn Philippe (Lynppp)
    Schön wäre es die Ausbildung machen zu können ohne Matur.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Fuer die meisten Frauenberufe nicht nur in der Sanitaet, sondern auch der Bildung und anderer Bereiche, wuerde eine Praxis als gute Mutter und eine kurze Anlehre reichen. Das Erfordernis fuer Maturen und gar Doktoraten dient nur zur lohntreibenden Angebotsverknappung....
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    2. Antwort von Gere Luder (Gere Luder)
      Physios behandeln kranke Menschen, oft mehrfach und chronisch Kranke. Sie sind alleine verantwortlich für die korrekte und erfolgreiche Therapie und müssen dabei oft Nebendiagnosen beachten (Diabetes, Bluthochdruck, Herzprobleme, Übergewicht, ...). Ich wünsche Ihnen nicht, dass Sie als Patientin mit einem Kreislaufkollaps nach einer Operation von einer "Mutter mit Anlehre" betreut werden... Was nicht gegen Mütter spricht sondern für eine qualitativ hochstehende medizinsiche Betreuung.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Die Frage müsste darauf gestellt werden: weshalb werden immer noch mehr SpezialistenInnen im gesamten "Gesundheits-Wesen" der Schweiz gebraucht?? Welches sind die effektiven "Ursachen/Verursachungen" dafür?? Es ist nicht einfach nur die massive Überbevölkerung....
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    1. Antwort von Gere Luder (Gere Luder)
      Vielleicht liegt es daran, dass immer mehr PatientInnen immer höhere Ansprüche stellen... 78-jährig mit künstlichem Knie und drei Bypass-Operationen muss das Matterhorn schon noch drinliegen...
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