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Ertragsausfall bei Zuckerrüben
Aus Schweiz aktuell vom 05.10.2020.
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Zuckerrübenernte Bauern fordern Einsatz von verbotenem Pestizid

Im Berner Seeland und der Westschweiz grassiert ein Virus, das die Zuckerrübenernte bedroht. Um grossflächige Einbussen zu verhindern, soll ein erst gerade verbotenes Pestizid wieder eingesetzt werden können. Die Kritik daran lässt nicht auf sich warten.

Markus Lüscher ist Zuckerrübenproduzent im Berner Seeland. Er rechnet in diesem Jahr mit einem erheblichen Ernterückgang und Ertragseinbussen. Pro Hektare Zuckerrüben beläuft sich der Ertrag im Durchschnitt normalerweise auf rund 4’500 Franken. Jetzt schätzen die Produzenten, dass es 2020 im Durchschnitt nur knapp 3’500 Franken sein werden, also rund 22 Prozent weniger. Mindestens 80 Prozent der Felder im Berner Seeland seien vom Virus betroffen, schätzt Lüscher, Vorstandsmitglied im Berner Bauernverband. Um den Schädling bekämpfen zu können, fordert der Verband nun eine Notfallzulassung des Pestizids, befristet auf drei Jahre.

Das Produkt namens «Gaucho», wurde noch bis 2019 als Pflanzenschutzmittel eingesetzt, dann vom Bund verboten. Auch in der EU ist es nicht mehr zugelassen, da es giftige Nicotinoide enthält.

«Höchst giftiger Stoff»

Andreas Bosshard vom Verein «Vision Landwirtschaft», hält nichts davon, das Spritzverbot aufzuheben. Der Geschäftsführer dieser «Denkwerkstatt unabhängiger Agrarfachleute» ist selber Biobauer im Aargau und kritisiert, dass die Zuckerbranche jahrelang keine Anstrengungen in Richtung von alternativem Pflanzenschutz betrieben habe. Für Bosshard wäre es ein grosser Fehler, wenn wieder auf den verbotenen Stoff zurückgegriffen werden könnte. «Wir sehen das sehr kritisch, der Stoff ist nicht umsonst verboten. Es ist eines der giftigsten Pestizide und Insektizide überhaupt.» Alternativen sieht Bosshard im biologischen Anbau oder in der integrierten Produktion (IP-Suisse), die wenige, und nur wenn zwingend, Pflanzenschutzmittel einsetzt.

Bio-Anteil verschwindend klein

Pro Jahr werden derzeit in der Schweiz auf rund 17’500 Hektaren Fläche Zuckerrüben angebaut. Nur auf ungefähr 150 Hektaren wachsen Bio-Zuckerrüben. Gegen 1’500 Hektaren werden nach IP-Suisse-Kriterien bewirtschaftet, also ohne Fungizide und Insektizide, nur noch zum Teil mit Herbiziden und Kunstdünger, wo unbedingt nötig. Der Bio-Anbau ist jedoch im Vergleich zum konventionellen Anbau sehr viel arbeitsintensiver und teils weniger rentabel. Es sei jedoch das Ziel, den Bio-Anteil jedes Jahr zu verdoppeln, erklärt Josef Meyer, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer (SVZ).

Ein Thema für die Öffentlichkeit

Für Markus Lüscher ist klar, dass es sich bei der Notfallzulassung für das Pestizid «Gaucho» um eine Übergangslösung handelt. «Wir müssen auch in Züchtungen und anderen Pflanzenschutz investieren, sodass die Produktion möglichst wenig Einfluss auf die Umwelt hat. Doch das passiert nicht von heute auf morgen». Andreas Bosshard hingegen ist der Meinung, dass dies schon lange hatte passieren müssen. Zumal die Zuckerrübenproduktion «sehr hoch subventioniert» werde und ein grossflächiger Einsatz gefährlicher Pestizide nicht den Erwartungen der Bevölkerung entspreche. Diese wird ein Wort mitreden, wenn die Pestizid- und Trinkwasserinitiativen 2021 an die Urne kommen werden.

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142 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Dombas  (mod)
    Diese Woche mussten wir einen Igel in die Auffangstation bringen, weil er anscheinend vergiftet wurde. Verdacht auf Pestizide. Wann hören wir mit diesem Mist auf? Ich gebe nicht einmal den Bauern die Schuld, sondern dem Wirtschaftssystem, dass den Einsatz solcher Mittel nicht nur nicht sanktioniert, sondern noch subventioniert.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wer als "Bauer" immer noch nicht Bescheid weiss darüber, was diese verschiedenen chemisch-pharmazeutischen Gifte (Kunstdünger, Herbizid, Fungizid, Pestizid....), Natur (Erde-Wasser/Trinkwasser - Tier und damit dem Menschen, als letztem Glied in der Nahrungskette) auf Dauer antut/vergiftet/schadet, der darf unter keinen Umständen LW betreiben! Es ist die Summe dieser GIFTE, welche Ökosystem-Umwelt und damit die Bevölkerung massiv schädigt! Was gibt es da noch zu überlegen!?
    1. Antwort von Alfred Käser  (Freka)
      Wenn Sie so gut Bescheid wissen über die Landwirtschaft, solltes Sie es diesen dummen Bauern zeigen wie man das richtig macht.Die inländische Landwirtschaft mit viel trara an die Wand zu fahren bringt der Natur auch nichts. Jeder m2 Boden,der der Produktion entzogen oder extensiviert und der Natur zurückgegeben wird, muss zwangsläufig irgendwo auf der Erde der Natur wieder genommen werden um die hierzulande nicht produzierten Lebensmittel zu kompensieren. Wie und unter welchen Umständen ist egal
  • Kommentar von Rolf Trösch  (Rolf T)
    Unsere Bauern wollen mit Recht einen fairen Lohn für ihre Arbeit. Zucker ist aber am Weltmarkt reichlich vorhanden, also ist auf CH Lohnniveau produzierter Zucker nicht wettbewerbsfähig. Nun subventioniert der Bund mit unsern Steuern, um den Anbau rentabel zu machen. Lächelnd kauft ein Grosskonzern nun den verbilligten Zucker, um mit einem überteuerten rosa Süssgetränk Millionen zu verdienen. Nun wollen Bauern ein verbotenes Gift einsetzen um den Ertrag hoch zu halten, rate wo liegt der Fehler?
    1. Antwort von Rolf Trösch  (Rolf T)
      Wie jetzt, hat niemand eine Lösung?
      ja gut okay, man sollte wohl eher irgendwelche Lobbyisten fragen ;-)