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Zum Tod von alt Bundesrat Flavio Cotti
Aus SRF 4 News aktuell vom 17.12.2020.
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Zum Tod des alt Bundesrats CVP-Kollege: «Flavio Cotti war ein Bundesrat, der viel forderte»

Alt Bundesrat Flavio Cotti ist tot. Der CVP-Politiker starb am Mittwoch im Alter von 81 Jahren an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung. Wie war Cotti als Politiker? Der Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher war während Cottis Amtszeit im Bundesrat Generalsekretär der CVP und kannte ihn gut.

Iwan Rickenbacher

Iwan Rickenbacher

CVP-Urgestein und Politbeobachter

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Rickenbacher ist studierter Pädagoge und leitete das Lehrseminar Schwyz. Er war Generalsekretär der CVP und wurde Honorarprofessor der Universität Bern im Bereich Politikwissenschaften. Er präsidiert den Stiftungsrat des Medien-Ausbildungs-Zentrums (MAZ).

SRF News: Wie war Flavio Cotti als Politiker?

Iwan Rickenbacher: Ich erinnere mich an harte Auseinandersetzungen im Departement des Innern, bei denen er auch Mitarbeitern etwas an den Karren fahren konnte – und sich nachträglich bei ihnen bedankte für ihre guten Beiträge und sich für sein harsches Vorgehen entschuldigte. Cotti war ein Mann, der die Leistung der Menschen vor seinen sonstigen Gefühlen zu schätzen wusste.

Also auch jemand, der ein harter Chef sein konnte?

Flavio Cotti war ein Bundesrat, der sehr viel gefordert hat von seinen Mitarbeitern. Aber er war auch einer, der starke Personen um sich schätzte. Mit starken Bundesamtsdirektoren wie zum Beispiel Thomas Zeltner im Bundesamt für Gesundheit schuf er dann auch seine Erfolge. Das Krankenversicherungsgesetz KVG zum Beispiel schuf er mit starken Verwaltungen.

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Flavio Cotti 1939-2020
Aus 10 vor 10 vom 16.12.2020.
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Für welche anderen grossen politischen Errungenschaften bleibt er in Erinnerung?

Der Sprachenartikel in der Bundesverfassung ist neben dem KVG eine andere Errungenschaft. Auch eine Sache, die lange hin- und hergeschoben wurde, wo es darum ging, die rätoromanische Sprache aufzuwerten, das war ihm als Lateiner natürlich sehr nahe. Wie er dann ins Departement des Äussern wechselte, war wahrscheinlich seine grosse Hoffnung, die Schweiz in die UNO zu führen. Das blieb ihm dann aber versagt.

Cotti sprach perfekt Deutsch und konnte damit auch seine Ideen, wie man die lateinische Schweiz besser positionieren könnte, in den Herzen und Köpfen der Menschen besser vertreten.

Cotti gab dem Kanton Tessin in der Deutschschweiz ein Gesicht. Was bedeutete ihm sein Heimatkanton?

Er bedeutete ihm sehr viel. Aber nicht auszublenden ist, dass er seine Gymnasialzeit im Benediktiner Gymnasium in Sarnen absolvierte. Cotti verstand die Deutschschweizer, die Mehrheit in unserem Land, sehr gut. Er sprach auch perfekt Deutsch und konnte damit auch seine Ideen, wie man die lateinische Schweiz besser positionieren könnte, in den Herzen und Köpfen der Menschen besser vertreten.

Cotti war pro Europa, war weltoffen. Er wollte den EU-Beitritt anstreben. Sind seine Werte in der heutigen CVP immer noch wichtig?

Ich denke, er hätte wahrscheinlich Mühe gehabt, die CVP umzutaufen in «Die Mitte». Aber in einer Partei zu leben, die den Ausgleich, den Kompromiss sucht, da hätte sich Cotti auch in der heutigen CVP sehr wohl gefühlt. Man darf nicht ausblenden, dass Cotti Vertreter einer sprachlichen und kulturellen Minderheit und darum auf Ausgleichslösungen angelegt war.

Das Gespräch führte Marc Allemann.

SRF 4 News, 17.12.2020, 6.11 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Louis Stucki  (Louis Stucki)
    Sicher ein guter Bundesrat, wenn er auch politisch nicht so links wie ich war (SP-Anhänger, jedoch nicht stur ideologisch). Allerdings war er kein promovierter Jurist, wie von SRF geschrieben, er hatte keinen Doktortitel sondern ein Lizenziat, Promotion bedeutet jedoch meines Wissens die Verleihung eines Doktortitels.
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  • Kommentar von Pieder caduff  (piederspellau)
    Ich wünsche den Hinterbliebenen mein herzliches Beileid.
    Mich nervt jedoch wieder der reisserische Titel. Hatte Cotti keine Vorerkrankungen? Meines Wissens musste er sich bereits im Jahr 1996 ein verengtes Herzkranzgefäss erweitern lassen.
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  • Kommentar von Martin Hess  (MH)
    Meine persönliche Erinnerung: als junger Lehrling musste ich neben dem Büro von Flavio Cotti ein Loch bohren. Kaum angefangen kamen eine handvoll Beamte angerauscht ich soll sofort die Arbeiten einstellen. Wenig später kam Herr Cotti aus dem Büro und sagte: ach was, lasst doch den Jungen seine Arbeit machen. RIP.
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