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Bericht aus dem Rückkehrzentrum für Asylberwerber: «Jetzt ist es dreckig»
Aus Rendez-vous vom 12.08.2020.
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Zustände im Asylwesen «Wir haben kein stabiles Leben hier»

Die Bewohner des Rückkehrzentrums für Asylbewerber in Biel-Bözingen leiden. Sind die Zustände zumutbar?

Weisse Stahlcontainer, kleine Fenster, Zäune: Das ist das Rückkehrzentrum Biel-Bözingen. SRF zugespielte Bilder zeigen die Zustände. In den Zimmern stehen Stahlbetten, die Duschen wirken schäbig, die Küche scheint schmutzig.

Amar Salim lebt im Zentrum: «Früher war es sauber. Jetzt ist es dreckig.» Es gebe kaputte Duschen, verstopfte Lavabos und unbrauchbare Toiletten. Die Bewegungsfreiheit sei eingeschränkt, die Betreuung spärlich, die Aufsicht erniedrigend. Ständig kämen Polizeikontrollen.

Neue Funktion des Zentrums

Seit einem Monat ist Biel-Bözingen ein reines Rückkehrzentrum. Die Stimmung habe sich verschlechtert, sagt Naima Chouaf, die mit ihrem Mann und zwei Töchtern dort lebt. Sie sehe mehr Aggression, und – trotz Verbot– mehr Alkoholkonsum bei Männern. «Es ist für uns nicht angenehm hier, für die Kinder auch nicht. Wir haben kein stabiles Leben hier.»

Amar Salim und Naima Chouaf sind zwei von rund 140 Menschen im Rückkehrzentrum in Biel. 22 von ihnen sind Kinder.

Doch Biel-Bözingen sei kein Gefängnis, es sei einfach das Zuhause, welches diese Menschen haben, sagt Lutz Hahn von der Betreuungsfirma ORS, die alle Rückkehrzentren im Auftrag des Kantons Bern führt. «Aber», sagt er, «es gibt gewisse infrastrukturelle Probleme. Die Unterkunft ist ja nicht neu.» Mängel würden sie so gut es gehe beheben.

Acht Franken Nothilfe im Tag

Doch Mitleid sei nicht ihr Ansatz. Sie würden den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Hahn fügt an: «Natürlich kommt ab und zu die Polizei und holt Leute ab.» Andererseits sei auch klar, dass ein Frustpotenzial vorhanden sei, denn die Leute dürften nicht arbeiten.

Die Realität sei in reinen Rückkehrzentren härter als in anderen Kollektivunterkünften, sagt Carsten Schmidt. Er leitet die Fachstelle Migration bei der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn: «Man will ihnen mit der Art der Unterbringung auch signalisieren, dass sie gehen müssen.» Diese Leute lebten von acht Franken am Tag, hätten keine Tagesstruktur und kaum Kontakte nach aussen.

Sie würden so lange vergrämt, bis sie gehen würden. Allerdings blieben viele trotzdem. «Aber es kann doch nicht sein, dass man sagt, okay, wir lassen mehrere 100 Personen über Jahre verelenden und psychisch kaputtgehen.»

Allein im Kanton Bern haben rund 700 Menschen einen negativen Asylentscheid, etwa 360 davon sind in Rückkehrzentren untergebracht, einige schon jahrelang. Genau das sei das ungelöste Kernproblem des Asylwesens, kritisieren Schmidt und andere Vertreter von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen.

Im Kanton Bern leben rund 130 Menschen zwischen drei bis fünf Jahren in der Nothilfe, 15 schon seit über zehn Jahren.

«Leidensweg» verhindern

Diese Langzeitfälle missfallen auch Markus Aeschlimann, dem Leiter des Amtes für Bevölkerungsdienste im Kanton. Er setzt im Kanton Bern die Asylstrategie um. Er sagt: «Das Staatssekretariat für Migration hat festgestellt, dass diese Menschen zurückkehren könnten. Aber sie wollen nicht.»

Die Asylgesetzrevision habe zum Ziel gehabt, so Aeschlimann, dass im Bundeszentrum rascher entschieden werde. «Dann wird der Leidensweg, einem Kanton zugewiesen zu werden, vermieden. Dann weiss man schon im Bundeszentrum, dass man keine Chance hat.» Allerdings müsse sich diese Praxis erst einspielen.

Wer grundsätzlich gegen Rückkehrzentren und Nothilfe sei, müsse versuchen, das Asylwesen in der Schweiz politisch zu verändern.

Rendez-vous, 12.08.2020, 12:30 Uhr

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Scheinbar geht es diesen Bewohnern im Rückkehrzentrum zugut, sonst währen sie freiwillig heim gereist.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Die Umsetzung der Willkommenskultur stösst an ihre Grenzen. Die Vermittlung, dass Milch und Honig fliessen, wenn man auf den staatlichen Hilfeknopf drückt, fährt in Biel-Bözingen in die Wand, beziehungsweise besteht den Realitätstest nicht. Kein Wunder kommen denn ja auch nicht Ärzte, Akademiker und Gründer zu uns, sondern eher das Mittelmass aus Ländern in denen Bildungsferne normal und Konservativismus verinnerlicht ist. Bei Ablehnung zerbricht nicht nur der Traum, sondern das Weltbild!
  • Kommentar von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
    Danke den Vernunftsstimmen UvK, Haller & Camenisch. Ausländer in der CH sind eine tragende Gesellschaftstütze mit viel zuwenig politischem Einfluss gemessen am Bevölkerungsanteil und Arbeitsvolumen. Die Behandlung der Ärmeren sagt am meisten über den Zustand eines Landes aus, dazu gehört der Umgang mit abgewiesenen Asylanten. Ab der pauschalen Abweisungs- und Verurteilungskultur gegnüber Ausländern und Migranten aus der warmen Stube kann ich nur den Kopf schütteln.
    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Pascal Odermatt, dann kann ich nur hoffen, dass sie Ihr Haus oder ihre Wohnung diesen armen Leuten zur Verfügung stellen, und auch für die Unterhaltskosten gerade stehen. Ansonsten ist ihr Beitrag doch nur provokatives Geschwätz.
    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Man soll nicht kritisieren und verurteilen wer sich keine warme Stube leisten kann von derselbigen, sondern als Gesellschaft dazu beitragen und Rahmenbedingungen schaffen, dass jeder seine eigene warme Stube hat.
    3. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Ob gerade Migranten mit ablehnendem Asylurteil die Stütze unserer Gesellschaft sind? Wie kommen sie darauf? Was leisten diese Menschen für die Schweiz, für uns? Ich denke eher sie sind eine erhbliche finanzielle Belastung für alle Steuerzahler.
    4. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Die vollkommensten Ausländerfeinde sind zu oft diejenigen, welche ihre eigene warme Stube ein Leben lang nie verlassen und von der Selbstverständlickeit des Komforts heraus denken, sie hätten sich das alles hart erarbeitet, und dann der Meinung sind jeder andere kann das ja auch. Viele haben aber keine warme Stube als Startguthaben.
    5. Antwort von Stephan Mueller  (Shi Mile)
      Herr Odermatt triffts auf den Punkt: die Gesellschaft soll es richten! Und weil die Gesellschaft aus vielen, vielen Menschen besteht, brauchts mich ja dann nicht mehr. Und die Reichen sollens bezahlen. Und reich ist, wer mehr hat als ich. Probleme gelöst. Aus der warmen Stube heraus. Schöne einfache Welt.
    6. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      ja klar solls die Gesellschaft richten, was ist denn falsch daran? Dazu zähle ich mich auch, ihr zentraler Kritikpunkt verstehe ich nicht. Was kritisieren Sie genau Herr Mueller? Dass materielle Güter ungleich verteilt sind und wer mehr hat mehr beitragen sollte? Komische Kritik.
    7. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Vlt werde ich ja mal reich, und wenn ich reich würde, würde ich reich, aufgrund der Ausbildung die ich machen konnte und den Leuten mit denen ich zusammenarbeiten konnte. Von meinen Mentoren und Kollegem welche mich ausgebildet haben, ist praktisch niemand auf Universitätslevel Schweizer/in und ich bin dankbar dafür, dass Sie in der CH ihre Expertiese weitergeben. Auch wenn ich reich wäre würde ich jede gesellschaftliche Änderung um Chancengleicheit zu schaffen unterstützen, zum Wohle aller.
    8. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      P.O. vielleicht zeigt Ihre Vernunft ein anderes Bild auf, gegenüber der hier Lebenden durchmischten Bevölkerung, verlangen Sie nun gleich zu denken wie Sie. Was halten Sie den für vernünftig? Nicht Ausländer und Migranten tragen die Schuld, sondern die Menschen die vielleicht keine Grenzen der Gutmütigkeit mehr sehen. Es gibt unterschiedliche Schweizer, wie auch Ausländer. Ja man kann nach aussen Gutmütigkeit zeigen und dabei die eigene Bevölkerung verarmen lassen, da überall das Geld fehlt.
    9. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Frau Artho, wenn Geld fehlt und die CHer Bevölkerung verarmt wegen den wenigen Asylsuchenden welche den ganzen CHer Reichtum ja demzufolge für sich beanspruchen aus den Händen der CHer, wieso werden dann trotzdem Milliardenstaatshilfen an CHer/in ausgegeben um der aktuellen Coronakrise beizukommen? Kommt das Geld von den Asylsuchenden? Ich glaube nicht. Welcher Asylsuchende wutde schon reich weil er dem CHer das Geld genommen hat? Nennen Sie mir einen einzigen dann galub ichs.
    10. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ausländer machen die CH reicher, nicht ärmer.