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Schweiz Zwei Männer, eine Leihmutter: «Ein juristisch heikler Fall»

Das Bundesgericht entscheidet heute, ob zwei Männer als Eltern eines Kindes eingetragen werden können, das von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde. Die Bundesverfassung verbietet es. Trotzdem könnten die Männer recht bekommen, sagt SRF-Korrespondent Sascha Buchbinder.

Zwei Männer küssen ein Kleinkind auf ihren Armen.
Legende: Dürfen zwei Männer ein Kind aus Leihmutterschwangerschaft adoptieren? Das Bundesgericht entscheidet (Symbolbild). Keystone

Das St. Galler Verwaltungsgericht hatte die Frage, ob das homosexuelle Paar das Kind, das einer Leihmutterschwangerschaft entspringt, adoptieren darf, in seinem Urteil vom August 2014 bejaht. Es begründete den Entscheid mit dem Kindeswohl und der Notwendigkeit einer einheitlichen und klaren Rechtslage bezüglich des Kindesverhältnisses zu den beiden Männern. «Nun rekurriert das Bundesamt für Justiz aber gegen diesen Entscheid», sagt Sascha Buchbinder, SRF-Westschweiz-Korrespondent. Heute Donnerstag entscheidet das Bundesgericht über den Fall.

In den USA als Väter anerkannt

In der kalifornischen Geburtsurkunde sind beide Männer als Eltern des Kindes aufgeführt. «Die beiden haben in den USA ein Gerichtsurteil erkämpft, das sie beide als Väter anerkennt», weiss Buchbinder.

Das Kind wurde mittels künstlicher Befruchtung der Eizelle einer anonymen Spenderin mit dem Sperma eines der beiden Männer gezeugt und von einer Leihmutter ausgetragen. Die beiden Männer leben in eingetragener Partnerschaft in der Schweiz und sind im Kanton St. Gallen heimatberechtigt.

Richter wollen das Beste für das Kind

«Der Fall ist juristisch kompliziert», sagt Buchbinder. In den USA sei die Zeugung des Jungen legal gewesen, in der Schweiz ist sie dagegen verboten.

In der Schweiz sind Eizellenspenden und Leihmutterschaft verboten. Auch können homosexuelle Paare hierzulande nicht gemeinsam ein Kind adoptieren. So steht es in der Bundesverfassung. «Was allerdings nicht drin steht, ist, was mit dem Jungen zu tun ist, der mittlerweile seit vier Jahren in der Schweiz lebt», sagt Buchbinder.

Das Bundesgericht könnte dem Paar trotzdem recht geben. Denn «die Richter interessiert, was für das Kind das Beste ist.» Niemand wolle das Kind den Vätern wegnehmen und der leiblichen Mutter zurückgeben, zumal sie auf alle Rechte verzichte und die zwei Väter sich liebevoll um das Kind kümmerten.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Christina Kläfiger, Kerzers
    Nach meiner Meinung sollte das Kind bei seinen beiden Vätern bleiben dürfen. Das Kindeswohl steht doch an erster Stelle! zudem ist der eine Mann der leibliche Vater des Jungen. Darum sollte er auch als Vater eingetragen sein. Hier findet ja kein Kinderhandel statt.
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Kein Kinderhandel? Da wurde ein Kind regelrecht gekauft.
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    2. Antwort von Bernd B., Basel
      Auch bei einer Adoption "kaufst" du ein Kind... gemäss deiner Logik. Meiner nach bei keinem der beiden Fälle.
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    3. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Ja lieber Bernd, kaufen ist ein Tauschgeschäft. Hier Geld, da Ware, kapiert? Also meine Kinder kamen nicht unter diesem Gesichtspunkt zur Welt.
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  • Kommentar von Ph. Bader, Oensingen
    Ich denke dabei nicht nur an das Wohl des Kindes, sondern an das Wohl von allen beteiligten Personen - das heisst, auch an das Wohl der Leihmutter. Ist es nicht Ausnutzung, wenn eine Frau ein Kind austragen soll, das nicht ihr genetischer Nachkomme (Eizelle und Sperma von Fremden) ist? Die hat das wohl nur deswegen gemacht, weil sie das Geld gebraucht hat. Man sollte weniger wohlhabende Frauen davor schützen, dass sie ihre Körper verkaufen müssen (sei es als Leihmutter oder sonst wie).
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    1. Antwort von M. Fischer, Buchs
      Was machen sie nur wen die Leihmutter zum Beruf wird?
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    2. Antwort von Regula Koerner, New Fairfield, CT, USA
      Haben Sie eine Ahnung davon, wie Leihmutterschaft in den USA abläuft? Ich bin die Mutter des Jungen vom Blickartikel vom Juni 14 Wir hatten 2mal eine Leihmutter in den USA. Beide Frauen haben abgeschlossene Studien und arbeiten in führenden Positionen, eine ist die Finanzdirektorin einer der grössten US Universitäten. Sie wollten beide helfen, weil sie selber wissen, welche Freude es ist Kinder zu haben. Und ich kenne mindestens 10 weitere Fälle aus den USA, wo es sich ebenso abgespielt hat.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Wie wenn es nicht schon genug Kinder auf der Welt gäbe. Müssen sich nun alle Homosexuellen noch künstlich Kinder herstellen lassen? Perverser geht gar nicht. Wer auf normalem Weg keine Kinder kriegen kann soll es bleiben lassen (gilt auch für Heterosexuelle). Seit Jahrmillionen werden Kinder von Mann und Frau gezeugt und aufgezogen. Ist sogar im Urwald bei den Affen so. Nur unsere egomanen Homos wollen sich auf dem Gerichtsweg den Status einer normalen Familie erstreiten. Kindeswohl wo denn?
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