Am Sonntagabend hat Spanien Argentinien im WM-Final mit 1:0 besiegt. Es war der Höhepunkt eines sechswöchigen Wettbewerbs, der online von zahlreichen Kommentaren, Behauptungen und politischen Diskussionen begleitet wurde.
Mit Beginn des Turniers richtete sich der Fokus wieder weitgehend auf den Fussball. Doch bis zum Schluss kursierten geopolitische Narrative, während sich gefälschte, KI-generierte Inhalte weiter verbreiteten. Wir haben diese Erzählungen und Fakes geprüft – während und vor der WM.
1. Verschwörungstheorien über Fifa-Vertreter und Schiedsrichter
Meinungsverschiedenheiten mit Schiedsrichtern sind in der Welt des Fussballs nichts Neues. Doch bei diesem Turnier gab es eine besonders grosse Menge an KI-generierten und manipulierten digitalen Inhalten, die diesen Theorien mehr Gewicht verliehen als je zuvor.
Nach Spaniens WM-Triumph machte ein Foto von Lamine Yamal zusammen mit Final-Schiedsrichter Slavko Vinčić in den sozialen Medien die Runde. In mehreren Beiträgen wurde behauptet, das Spiel sei manipuliert worden und der slowenische Schiedsrichter sei ein Anhänger der spanischen Mannschaft.
Doch das spanische Online-Portal RTVE stellte fest, dass das Bild gefälscht und mit KI erstellt worden war. Eine Reihe von KI-Erkennungswerkzeugen deutete auf eine hohe Wahrscheinlichkeit hin, dass das Bild KI-generiert war. Der eigene Detektor von OpenAI entdeckte ein Wasserzeichen, das bestätigte, dass es zumindest mit OpenAI-Software bearbeitet worden war.
Ein in den sozialen Medien kursierendes Video zeigt Fifa-Präsident Gianni Infantino, wie er kühl auf ein Tor reagiert. Es soll sich – so die Behauptung – um Infantinos Reaktion auf das spanische Siegtor im WM-Finale gegen Argentinien handeln. RTVE ging der Sache auf den Grund und kam zum Schluss: der nächste Fake. Das Video selbst ist echt, stammt jedoch nicht aus dem WM-Finale.
2. Gefälschte Bilder und Aussagen von Spielern
Während der WM gab es auch zahlreiche manipulierte Inhalte und falsche Behauptungen rund um Spieler und Trainer. Ein Grossteil der Behauptungen, wonach der Wettbewerb manipuliert worden sei, drehte sich um Argentinien. Der Tenor: Die Fifa wolle, dass die Fussballlegende Lionel Messi den Pokal bei seinem wohl letzten WM-Spiel in die Höhe stemmen soll.
Ein Beitrag auf X schrieb dem spanischen Nationaltrainer Luis de la Fuente ein Zitat zu, in dem er angeblich die Schiedsrichterleistung im Finale kritisiert:
Ich bin so glücklich, dass wir gewonnen haben (...) Aber wir müssen über den VAR und den Schiedsrichter sprechen. Ich habe noch nie einen grösseren Raubüberfall gesehen als diesen. Es schien, als wollten sie um jeden Preis, dass Argentinien und Lionel Messi erneut gewinnen.
RTVE ging auch dieser Behauptung nach. Ergebnis: Fake.
Nach dem Sieg Spaniens tauchten auf X und Instagram auch Beiträge auf, in denen behauptet wurde, Pedro Porro und Lamine Yamal hätten während der Feierlichkeiten mit palästinensischen Flaggen auf dem Spielfeld gestanden. Beides war falsch, wie France 24 und VRT berichteten.
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Bild 1 von 2. Auf Fotos ist zu sehen, wie Porro während der Feierlichkeiten nach dem WM-Sieg eine Flagge mit grünen, weissen und schwarzen Querstreifen trägt. Doch es handelte sich nicht um die palästinensische Flagge – es war die Flagge von Extremadura, der autonomen Region im Westen Spaniens, in der er geboren und aufgewachsen ist. Bildquelle: Screenshot www.gbnews.com.
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Bild 2 von 2. Lamine Yamal ist ein lautstarker Verfechter der palästinensischen Sache und wurde bereits dabei fotografiert, wie er die palästinensische Flagge schwenkte, was das Gerücht über ihn glaubwürdiger erscheinen lässt. Das Bild von ihm auf dem Spielfeld wurde jedoch mithilfe von KI generiert, wie der Detektor von OpenAI selbst bestätigte. Bildquelle: Screenshot Eurovision News/Spotlight.
3. Echte Bilder, falsche Story
Einige Bilder waren echt, wurden jedoch mit falschen Bildunterschriften versehen. Im Netz kursierten mehrere Beiträge, in denen behauptet wurde, US-Präsident Donald Trump sei aus einem Foto herausretuschiert worden, das der spanische Fussballverband auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlicht hatte. Diese Behauptung war jedoch falsch. Das Bild war weder KI-generiert noch bearbeitet, wie die DW berichtet.
Unterdessen kursierten auch ein Video des spanischen Spielers Marc Cucurella, der den WM-Pokal in einem Plastiksack herumträgt. Auch hier gilt: Echtes Bild, falsche Story.