Wie die meisten Ereignisse, die in den sozialen Medien für viel Aufmerksamkeit sorgen, bietet auch die laufende WM den perfekten Nährboden für die Verbreitung von KI-Inhalten und falschen Informationen. Die Faktenchecker der EBU zeigen dabei einmal mehr, wie wichtig es ist, Inhalte kritisch zu hinterfragen und ihre Herkunft zu prüfen.
Hitler-Doppelgänger im Stadion?
Nein, am Spiel Deutschland gegen Curaçao stand kein Hitler-Doppelgänger auf den Stadionrängen. Angebliche Bilder der Live-Übertragung des Spiels zeigten einen Fan im Deutschland-Trikot, der eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem ehemaligen Diktator aufwies.
Da es sich bei dem Bild um einen Ausschnitt aus einer Fernsehübertragung handelt, lässt sich dessen Echtheit relativ einfach überprüfen. Ein erster Hinweis ergibt sich aus der Spieluhr oben links im Bild: Sie zeigt 50 Minuten plus vier Minuten Nachspielzeit an. Konventionell stoppt die reguläre Anzeige zur Halbzeit üblicherweise bei 45 Minuten.
Bei erneutem Ansehen des Videomaterials wird klar: Das Bild ist nicht echt. Die Aufnahme der Zuschauermenge, die als Grundlage für das Bild diente, entstand zwar tatsächlich gegen Ende der ersten Halbzeit, zeigte aber einen Mann, der Hitler keineswegs ähnelt.
Es gibt wenige Möglichkeiten, KI-Bildbearbeitung definitiv zu überprüfen. Einige KI-Unternehmen haben jedoch Tools eingeführt, um Inhalte zu erkennen, die von ihren Systemen generiert wurden. «ZDFheute» hat das Bild durch diese Detektoren laufen lassen und festgestellt, dass es tatsächlich ein Wasserzeichen für OpenAI trägt.
KI-generierte «Honey Shots» gehen viral
Online erregen vermehrt Videoausschnitte von weiblichen Fans bei WM-Partien Aufmerksamkeit aufgrund ihrer fast unmenschlichen Schönheit. Und unmenschlich sind sie tatsächlich: Die Frauen sind KI-generiert.
Eines der meistverbreiteten Videos dieser Art zeigt eine brasilianische Unterstützerin neben einem männlichen Fan, der seinen Blick auffällig auf ihr Dekolleté richtet. Der Clip wurde bereits tausendfach geteilt.
«Eurovision News Spotlight» fand das Originalvideo auf Instagram, gepostet von einer Nutzerin namens «Chiara Cleo». Mehr als 340’000 Menschen folgen dem Profil, und den Kommentaren unter ihren Videos zu urteilen, halten sie viele für eine echte Person. «RTBF» verfolgte den digitalen Fussabdruck der KI-Influencerin weiter und stellte fest, dass ihr Profil auf eine Plattform verlinkte, auf der gegen Bezahlung erotische Inhalte angeboten werden – ähnlich wie bei OnlyFans.
Kap Verdes Goalie ist kein Elektriker
Nach Spaniens überraschendem Unentschieden gegen den Aussenseiter Kap Verde begannen im Internet Legenden über die bescheidene Herkunft des Teams zu kursieren. Ziel der Geschichten war es, hervorzuheben, wie stark die kapverdischen Spieler den Favoriten Spanien in Schach halten konnten – doch viele Details stimmten nicht.
Held des Spiels war Torhüter Vozinha, der mit vierzig Jahren sein Debüt bei einer WM gab. In zahlreichen Beiträgen in den sozialen Medien wurde er als Elektriker oder Busfahrer bezeichnet, wodurch der Eindruck entstand, er sei nur nebenbei Fussballer.
Tatsächlich spielt Vozinha jedoch professionell in der zweiten Liga Portugals und kann auf eine beinahe zwanzigjährige Karriere im Profifussball zurückblicken, die ihn unter anderem nach Angola, Moldau, die Slowakei und Zypern führte.