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Faktencheck Artemis-2: KI und die neue Generation von Fehlinformationen

Mondmissionen liefern seit jeher Stoff für Verschwörungstheorien – nun verstärkt KI die Verbreitung von Falschmeldungen.

Der Mond ist in der Welt der modernen Falschinformationen nach wie vor ein beliebtes Thema. Die Nasa hat zahlreiche Inhalte über die Expedition Artemis-2 veröffentlicht. Aufgrund von Unterbrechungen der Internetverbindung gab es während der Mission Momente, in denen kaum neues Bildmaterial verfügbar war – ein idealer Nährboden für das Auftauchen von Falschmeldungen.

Raumkapsel auf dem Heimweg

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Die Crew der Artemis‑2‑Mission ist derzeit auf dem Rückweg zur Erde. Die Wasserung der Orion‑Raumkapsel im Pazifik wird heute Nacht erwartet. Ab 00:30 Uhr Schweizer Zeit überträgt SRF die Ankunft live in der App und auf srf.ch/news.

Video soll Inszenierung der Mission zeigen

Ein Video behauptete, den Beweis zu erbringen, dass die Mission vollständig inszeniert war. Es zeigte die Astronauten, wie sie an Drähten schwebten und vor einem Greenscreen in einer Kapsel sassen.

Einer der Beiträge, der dieses Video enthielt und mehr als eine Million Aufrufe verzeichnete, trug die Überschrift: «Hört auf, diesen Betrügern zu glauben.» Das Filmmaterial wurde mithilfe eines KI-Tools von Google erstellt, wie ein Prüftool des Unternehmens bestätigte.

Bildschirm zeigt AI-generiertes Video in Laborumgebung.
Legende: Das Filmmaterial wurde mithilfe von Googles KI-Tools erstellt, wie das Wasserzeichen-Prüftool «SynthID» des Unternehmens bestätigte. EBU

Auch plausible KI-Fakes im Umlauf

Abgesehen von der Welt der Verschwörungstheorien haben KI-erzeugte Materialien auch die Fotografie beeinflusst. Der Astrofotograf Damian Peach schrieb in einem Beitrag auf X, er sei auf unzählige gefälschte Bilder gestossen, die angeblich von der Artemis-2-Mission stammten.

Er schrieb, dass sich soziale Medien rasch zu einer Plattform entwickeln würden, auf der betrügerische Inhalte ungehindert geteilt werden dürften. Dazu käme, dass viele dieser Beiträge höhere Interaktionszahlen erzielen als die tatsächlichen, echten Bilder der Mission, was traurig sei.

Ehemaliger britischer Politiker verbreitete Fake-Bilder

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Der ehemalige britische Abgeordnete Andrew Bridgen verbreitete auf X Bilder, die angeblich aus der Apollo‑8‑Mission von 1968 und der Artemis‑2‑Mission von 2026 stammen sollen und nahezu identisch aussehen. Damit stellte er die Echtheit der Aufnahmen infrage. Tatsächlich stammt das Bild jedoch von der Apollo‑11‑Mission von 1969 und wurde nachträglich bearbeitet. Das zweite Bild ist dieselbe Aufnahme, zusätzlich gezoomt und mithilfe von KI verändert. Mit Artemis-2 hatten die Bilder nichts zu tun.

KI-Videos basieren auf echten Aufnahmen

Ein virales Video zeigte die vier Besatzungsmitglieder der Artemis-2-Mission, wie sie jubelten und in die Kamera winkten, bevor die Kamera zum Fenster schwenkte, wo in der Ferne die Erde zu sehen war. Ein Beitrag auf X warf die Frage auf: «Wenn sich vier Astronauten auf der Artemis-2-Mission befanden, wer hat dann gefilmt?».

Der X-Nutzer wirft eine berechtigte Frage auf, obwohl das Filmmaterial sehr professionell wirkt und auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches zu erkennen ist.

Die Wahrheit offenbart einen weitaus ausgefeilteren Ansatz bei KI-manipulierten Inhalten. Analyst Tal Hagin, der regelmässig Analysen von Online-Inhalten auf seinem Social-Media-Account veröffentlicht, teilte mit, dass es sich bei dem Video um eine mit KI bearbeitete Montage handelt. Es wird künstliche Intelligenz eingesetzt, um verschiedene Videos zu einer Sequenz zusammenzufügen.

Astronauten im Raumschiff, Erde durch Fenster sichtbar.
Legende: Hier sind die beiden Originalaufnahmen zu sehen. Beide Aufnahmen sind echt und wurden im Nachhinein mithilfe von KI miteinander verbunden. EBU

In diesem Fall stammt der erste Abschnitt aus einem echten Video, während die zweite Szene, die die Erde von aussen zeigt, ursprünglich aus einem Standbild stammt. Die Beweise deuten darauf hin, dass KI verwendet wurde, um die beiden Aufnahmen miteinander zu verbinden.

Theorien kursieren schon Jahrzehnte

Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung kursieren seit der ersten bemannten Landung im Rahmen von Apollo 11 im Jahr 1969. Skeptiker bezweifeln bis heute, dass Menschen den Mond tatsächlich betreten haben.

Diese Behauptungen wurden wissenschaftlich vielfach widerlegt – sie beruhen meist auf Missverständnissen über Lichtverhältnisse, Kameratechnik und die Bedingungen auf dem Mond. Trotzdem tauchen die Theorien bei jeder neuen Mondmission erneut auf und werden heute zusätzlich durch KI‑generierte Inhalte befeuert.

10vor10, 07.04.26, 21:50 Uhr; noes

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