In den letzten Wochen dominieren Diskussionen rund um die mögliche Bevorzugung von Argentinien die sozialen Medien. Auch die SRF-Community beschäftigt das Thema. Belegen oder widerlegen lässt sich dabei das Wenigste, weshalb wir zwei konkrete Beispiele herausgepickt haben. Es geht um einen abgeänderten Wikipedia-Eintrag des Schiedsrichters François Letexier und die FBI-Untersuchungen gegen den argentinischen Fussballverband AFA.
Manipulierte Wikipedia-Seite von François Letexier
Argentinien schaffte im Achtelfinal gegen Ägypten die späte Wende. Die Ägypter kritisierten diverse Schiedsrichterentscheide, Trainer Hossam Hassan sprach gar von einem «abgekarteten Spiel». Für den SRF-Experten Sascha Amhof waren die Entscheidungen von François Letexier hingegen korrekt.
Im Nachgang zum Spiel tauchte auf Letexiers Wikipedia-Seite der Hinweis auf, er sei in einer jüdisch-orthodoxen Familie aufgewachsen. Diese Falschinformation sorgte für Spekulationen und Verschwörungstheorien, wonach entweder Israel das Resultat beeinflusst oder die Fifa für das Weiterkommen Argentiniens gesorgt habe.
X-Post zum abgeänderten Wikipedia-Eintrag von Letexier
Der Eintrag wurde manipuliert. Der referenzierte «Le Point»-Artikel von 2017 erwähnt keine solche Information und es gibt keine weiteren Hinweise, die das bestätigen würden. Tatsächlich zeigt die Bearbeitungsgeschichte der Wikipedia-Seite, dass in den Stunden unmittelbar nach dem Spiel ungewöhnlich viele Änderungen eingefügt und wieder gelöscht wurden. Weitere Infos dazu gibt es im Faktencheck von Euronews.
Hier ist also eindeutig: Die temporären Ergänzungen des Wikipedia-Eintrags von Schiedsrichter François Letexier hatten keine faktische Grundlage.
FBI-Untersuchung gegen den argentinischen Fussballverband AFA
Ein SRF-User hat uns eine Meldung zu Ermittlungen gegen den argentinischen Fussballverband AFA zur Überprüfung geschickt.
Tatsächlich hat die US-Bundespolizei FBI Ermittlungen gegen den argentinischen Fussballverband AFA aufgenommen. Dieser unterhält seit 2024 einen Sitz in Miami, wo auch Lionel Messis Verein Inter Miami beheimatet ist. Bei der Untersuchung geht es um möglichen Betrug und Geldwäsche im Zusammenhang mit den Einnahmen der AFA in Florida. Konkret erhielt ein Netzwerk von Firmen in Miami Millionen von US-Dollar ohne Angabe eines konkreten Zwecks. Die mutmasslichen Briefkastenfirmen könnten das Geld letztlich an AFA-Funktionäre oder andere Begünstigte weitergeleitet haben, so der Verdacht. Das Miami Herald hat hierzu ausführlich berichtet.
Gegen AFA-Präsident Claudio Tapia und Schatzmeister Pablo Toviggino läuft bereits ein Verfahren in Argentinien wegen Zweckentfremdung von Sozialversicherungsbeiträgen des Verbands.
Es trifft also zu, dass Ermittlungen gegen den argentinischen Fussballverband laufen. Sowohl im Fall der Geldtransfers in Florida als auch in der Untersuchung gegen die Spitzenfunktionäre in Argentinien handelt es sich allerdings um laufende Verfahren ohne Urteil.
Fazit: Das erste Beispiel ist eine klare Desinformation, das zweite eine faktisch korrekte News-Meldung. Es bleibt zu hoffen, dass am Finaltag der Sport selbst das dominierende Thema sein wird.