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Community-Fragen Was tun bei einem Brand? Das sagen die Experten

Jean-François Steiert, Präsident der Baudirektorenkonferenz, und Gastrounternehmer Erik Hämmerli haben die Fragen der Community zu Brandschutz und Sicherheitsvorschriften beantwortet. Die wichtigsten Erkenntnisse.

Wo entstehen die grössten politischen Widerstände?

Laut Jean‑François Steiert oft bei Eigentümerinnen und Betreibern – also dort, wo zusätzliche Auflagen direkt Kosten verursachen. Gleichzeitig seien Behörden gefordert, Verhältnismässigkeit zu wahren: hohe Standards dort, wo die Personensicherheit betroffen ist; situationsabhängige, tiefere Standards bei reinen Sachschäden.

Steiert verweist zudem auf einen zweiten Konflikt: Versicherer können aus Sicht der Behörden mitunter überhöhte Anforderungen stellen – mit hohen Zusatzkosten und marginalem Nutzen. Die politische Aufgabe bleibe, «ein vernünftiges, aber immer teilweise auch subjektives Lot zwischen Schutz- und Nutzeninteressen zu finden». 

Regeln, Kontrollen oder Bewusstsein: Wo hakt es im Alltag?

«Die Schweiz hat im internationalen Vergleich sehr solide Brandschutzregeln», sagt Steiert. Die Unterschiede zeigten sich beim Vollzug. «Ein weniger strenges kantonales Gesetz, das streng umgesetzt wird, kann effizienter sein, als ein strenges Gesetz, das lasch umgesetzt wird.»

Bei den Kontrollen gehe es einerseits um die Frequenz, die bei hohem Risiko höher sein sollte, so der Staatsrat. Andererseits gehe es um die Qualität der Ausbildung der Kontrollierenden sowie um klare Vorgaben dazu, was kontrolliert werden müsse.

So schnell wie möglich raus oder die Feuerwehr alarmieren.
Autor: Erik Hämmerli Gastrounternehmer

Zum Bewusstsein in der Bevölkerung betont Steiert die Bedeutung niederschwelliger Prävention: Informationsangebote für Gäste und Kundschaft, Grundschulungen für Personal sowie simple Routinen wie das Merken von Fluchtwegen in Hotels oder Clubs.

Was tun bei einem Brand?

Erik Hämmerli erklärt, wie man sich bei Feuergefahr verhalten sollte: «So schnell wie möglich raus oder die Feuerwehr alarmieren» und exakten Standort durchgeben.

Hämmerli ergänzt mit Tipps für den Alltag: Wichtig sei, nicht zu vergessen, «auch bei repetitiven Handlungen immer aufmerksam und konzentriert zu bleiben». Kerzen sollte man nie unbeaufsichtigt lassen.

Feuerwehrmänner im Einsatz
Legende: Bei einem Feuer sollte so rasch wie möglich die Feuerwehr aufgeboten werden. Keystone / Samuel Golay

Wenn man die erste Person sei, die etwas bemerkt, gelte: «Sofort die Feuerwehr rufen, dann die Leute warnen; wenn möglich, jemanden auf die Strasse schicken, um die Feuerwehr einzuweisen.»

Ist Brandschutz politisch zu wenig «sichtbar»?

Die politische Sichtbarkeit des Brandschutzes hänge von Sensibilität und lokalen Begebenheiten ab, so Steiert. In Kantonen mit öffentlichen Gebäudeversicherungen werde das Thema regelmässig im Parlament diskutiert. Systematische Vergleiche zwischen Kantonen könnten zusätzlich zur Sensibilisierung beitragen.

Sparen auf Kosten der Sicherheit?

Führt der Kostendruck im Bau zu systematischen Einsparungen beim Brandschutz? «Bauherren neigen oft dazu, auf Kosten der Sicherheit (und anderer gesetzlicher Verpflichtungen) zu sparen», was bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar sei, so Steiert. Aufgabe der Kantone und Gemeinden sei es, die gesetzlichen Verpflichtungen durchzusetzen. Bei historischen Gebäuden brauche es oft individuelle Lösungen, um Sicherheit und Denkmalschutz in Einklang zu bringen.

SRF Club, 6.1.2026, 22:25 Uhr ; 

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