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Tote auf Kreuzfahrtschiff Was Sie jetzt über das Hantavirus wissen müssen

Auf einem Kreuzfahrtschiff sind drei Menschen mutmasslich am Hantavirus gestorben. Wie man sich schützen kann, erklärt ein Infektiologe.

Was ist das Hantavirus und wo kommt es vor? Hantaviren gehören zur Gruppe der Bunyaviren. Ihre genetische Information besteht aus RNA. Hantaviren sind weltweit verbreitet. «Man unterteilt sie in Viren der sogenannten Alten Welt, also Viren aus Europa, Asien und Südostasien, und Viren aus der Neuen Welt, also solche aus Nord- und Südamerika», sagt Prof. Dr. Robert Krause. Er ist Leiter der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Medizinischen Universität Graz in Österreich. Die Hantaviren aus Nord- und Südamerika seien besonders gefährlich, sie würden eine sehr hohe Todesrate aufweisen, so Krause.

Wie kommt es zu einer Infektion? Hantaviren kommen in Nagetieren vor. Diese scheiden die Viren über Kot, Urin oder Speichel aus. Wenn Menschen mit solchen Ausscheidungen in Kontakt kommen, kann es zu einer Ansteckung kommen – etwa beim Reinigen eines Kellers, wenn Staub aufgewirbelt und eingeatmet wird. Auch ein Biss eines infizierten Nagetiers oder sonstiger direkter Kontakt mit infizierten Nagern kann zu einer Übertragung führen, so das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Es ist nicht so, dass diese Virusinfektion die Menschheit grossartig bedroht.
Autor: Prof. Dr. Robert Krause Infektiologe

Wie verläuft eine Erkrankung? Die Erkrankung verlaufe ähnlich wie eine Grippe, sagt Infektiologe Krause. Man habe Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Kopfschmerzen. Speziell bei der Infektion mit dem Hantavirus sei laut Krause eine Beteiligung der Augen: «Es kann sein, dass man für einige Tage schlecht sieht.» Dabei handle es sich laut Krause um eine temporäre Kurzsichtigkeit. Diese verschwinde wieder und verursache keinen dauerhaften Schaden am Auge.

Wie gefährlich ist das Hantavirus? «In schweren Fällen kann es bei dieser Erkrankung zu einem Nierenversagen kommen, sodass eine Dialyse notwendig wird. Oder es kann ein Lungenversagen auftreten, was eine künstliche Beatmung erforderlich macht», sagt Krause.

Gibt es eine Behandlung? Derzeit gibt es keine direkte Behandlung gegen Hantavirus-Infektionen. Das bedeute, dass man nur symptomatisch therapieren könne, so Krause – also die Beschwerden lindern oder versuchen, das kaputte Organ zu ersetzen. Ein spezifisches Medikament gegen das Virus selbst gibt es derzeit nicht.

Wie kann man sich schützen? Schützen kann man sich, indem man bei Tätigkeiten, bei denen Nagetiere Kot oder Urin hinterlassen haben könnten, vorsichtig vorgeht. Krauses Empfehlung: «Betroffene Flächen können mit einer Flüssigkeit besprüht werden, damit möglichst wenig Staub aufgewirbelt wird. Zudem empfiehlt es sich, eine Maske zu tragen – etwa eine FFP2-Maske, wie man sie noch aus der Covid-Zeit kennt.» Auch das Aufsprühen einer chlorhaltigen Lösung könne helfen: Entsprechende Reinigungsmittel würden die Viren zerstören, sagt Krause. «Wichtig ist ausserdem, gut zu lüften und sich nach solchen Arbeiten gründlich die Hände zu waschen, insbesondere wenn man in geschlossenen Räumen wie Kellern oder Gartenhäusern arbeitet.»

Muss man sich jetzt fürchten? «Nein, das muss man nicht», sagt Krause. Diese Virusinfektionen gehörten zu den sogenannten «Emerging Infections». Das bedeute, dass sie in Europa und weltweit zwar zunehmen würden, «aber es ist nicht so, dass diese Virusinfektion die Menschheit jetzt grossartig bedroht», sagt Krause und relativiert: Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei selten, man müsse sich also nicht fürchten.

SRF 4 News, 4.5.2026, 16:32 Uhr ; 

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