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13 Millionen für CS-CEO Thiam Bankenchefs kassieren – Anleger verlieren

Sinkende Aktienkurse und schleichender Bedeutungsverlust hiesiger Banken kontrastieren mit den Salären der Topkader.

Legende: Video Aus dem Archiv: CEO-Löhne der SMI-Firmen steigen abspielen. Laufzeit 14:16 Minuten.
Aus ECO vom 11.03.2019.

Tidjane Thiam, der Chef der Credit Suisse, soll 12,7 Millionen Franken für das vergangene Jahr verdienen. Die Gesamtvergütung fällt rund 30 Prozent üppiger aus als im Vorjahr. Das zeigt der heute veröffentlichte Vergütungsbericht 2018.

Das Jahr zuvor hatte Thiam freiwillig auf den Bonus verzichtet. Dies nachdem Grossaktionäre ihren Unmut über die Vergütungen geäussert hatten: Nur 58 Prozent der Aktionäre winkten an der vorletzten Generalversammlung den Vergütungsbericht durch und verpassten der CS-Spitze so ein schallende Ohrfeige.

Topverdiener europaweit

Nun gehört der CS-Chef wieder zu den bestbezahlten Managern der Schweiz. Hinter UBS-Chef Sergio Ermotti, der gut 14 Millionen Franken erhält. Diese Vergütungen sind auch unter den Bankchefs Europas Spitzenwerte.

Lohnerhöhung auch für Reorganisation und Teamwork

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Lohnerhöhung auch für Reorganisation und Teamwork

Gemäss dem CS-Vergütungsbericht wurde für den Lohn im vergangenen Jahr nicht nur die operative Leistung 2018 beurteilt, sondern auch die Ergebnisse der vor drei Jahren angekündigten Restrukturierung, die letztes Jahr offiziell abgeschlossen wurde, unter die Lupe genommen.
Dabei wurden etwa die Entwicklung des Vorsteuergewinns, aber auch die Kostenbasis oder die Kapitalisierung überprüft, wobei bei allen Kriterien deutliche Verbesserungen über die Periode verzeichnet worden seien. Der bereinigte Vorsteuergewinn etwa stieg von 2.1 Milliarden 2015 auf 4.2 Milliarden Franken im vergangenen Jahr, die Kostenbasis wurde um 4.6 Milliarden auf 16.5 Milliarden Franken gesenkt und die Quote des harten Kernkapitals um 120 Basispunkte auf 12.6 Prozent verbessert.

Lohnerhöhung für Teamwork und Spirit

Weiter habe es auch eine «nicht finanzielle Beurteilung» von Thiam gegeben, wobei u.a. Faktoren wie Talentmanagement, Verhalten und Ethik oder auch Teamwork und Leadership untersucht wurden. Dazu heisst es etwa: «Thiam ist mit gutem Beispiel vorangegangen, was das persönliche Engagement für die Verhaltens- und Ethikstandards der Gruppe betrifft.» Der CEO habe «unter den Geschäftsleitungsmitgliedern einen Teamgeist und eine Zusammenarbeit gefördert, die sich in der ganzen Organisation verbreitet haben.»

Die Credit Suisse begründet den Lohn ihres Chefs mit der guten Leistung, die er erbracht habe. Mit über zwei Milliarden Franken schrieb die Bank erstmals seit vier Jahren wieder einen Gewinn. Im Gegensatz zur Bankführung spüren die Eigner der Bank diese Entwicklung allerdings kaum. Der Aktienkurs der Credit Suisse brach im Jahresverlauf um 38 Prozent ein, derjenige der UBS um 32 Prozent.

Banken verlieren an Bedeutung

An den millionenschweren Vergütungspaketen halten die Grossbanken trotzdem fest. Sie orientieren sich an den Löhnen der im Bankgeschäft führenden amerikanischen Konkurrenten. Nur so könnten die besten Spitzenkräfte gehalten werden, argumentieren die Vergütungsausschüsse.

US-Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs sind aber ein Mehrfaches grösser, schwieriger zu führen und verdienen im Quartal mehr als die Schweizer Grossbanken in Jahresfrist. Der Vergleich mit den Salärpaketen der amerikanischen Bankmanager hinkt.

Spitzensaläre trotz sinkender Aktienkurse

Unverständnis lösen die hohen Saläre bei der Bevölkerung aus. Ein Blick auf die Wertschöpfung der Banken zeigt: Gemessen am Bruttoinlandprodukt haben sie deutlich an Bedeutung verloren. Ihr Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren fast halbiert.

Geringeres Geschäftsrisiko, sinkende Aktienkurse, schleichender Bedeutungsverlust – diese Entwicklung kontrastiert mit den Spitzensalären. An den bevorstehenden Generalversammlungen wird sich zeigen, ob die Aktionäre damit einverstanden sind.

Wie stark die Gesamtvergütungen bei anderen SMI-Firmen zugenommen haben:

SRF 4 News, 07:30 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle (Eva Werle)
    Tidjane Thiam hat ja offenbar einen guten Job gemacht und dafür sicher einen guten Lohn verdient. Andere fahren für mehr Geld ihre Firmen gegen die Wand. Aber in jedem Fall sind solche exorbitanten Löhne durch nichts zu rechfertigen. Kein Mensch kann in einer Stunde soviel leisten, dass es 20.000 Franken wert ist. Ein Mindeststundenlohn sollte bei 40 Franken, ein Höchststundenlohn bei 320 Franken liegen. Wer dann 60-80 Stunden arbeitet, hat sich seinen guten Lohn verdient.
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  • Kommentar von Arthur Pünter (puenti)
    Eigentlich wird nie erwähnt, wer genau für diese Abzocker die Saläre bestimmt. Klar ist jedenfalls, dass die GV's zu Alibiübungen verkommmen sind. Dabei lassen sich jeweils Kleinaktionäre nicht davon abhalten, sich für wirkungslose Reden vorführen zu lassen. Es ist eine Schande, wenn sich ein Herr Ermotti mit 14 Mio. bereichern lässt, im Wissen darum, dass in Frankreich wegen Steuerhinterziehung (!) eine Mia.-Klage droht. Ein Hohn, mit diesen Salären (solche) "Spitzenleute" halten zu können.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Genau dies brauchen wir am allerwenigsten: Jede Unternehmung hat für den Bereich "Löhne und Gehälter" einen genau bemessenen Betrag bereit gestellt. Wenn nun die obersten Chefs, mit der Zustimmung des CEO, sich selber einen überrissenen Anteil abschöpfen, fehlt dieses Geld dann, um den Mitarbeitenden im operativen Bereich der Unternehmung ein anständigen Lohn zu zahlen. Diese Auswüchse haben nichts mit dem Marktwert des CEO zu tun, sondern mit Anstand und Persönlichkeit der Verantwortlichen.
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