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SR-Technics hofft auf Verlängerung der Kurzarbeit
Aus Rendez-vous vom 09.04.2021.
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24 statt 18 Monate SR Technics fordert Verlängerung der Kurzarbeit

Die maximal mögliche Dauer für Kurzarbeitsentschädigung läuft bald aus. Wird sie nicht verlängert, drohen Entlassungen.

In vielen Unternehmen bahnt sich ein Problem an: Die Maximaldauer, um Kurzarbeitsentschädigung zu beziehen, ist schon bald rum. Dann droht doch noch eine Entlassungswelle. Um dies zu verhindern, fordert der Industrieverband Swissmem, dass die Dauer um weitere sechs Monate ausgedehnt wird. Darauf hofft auch die Flugzeugwartungsfirma SR Technics.

SR Technics: Schrumpfkur mitten in der Krise

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Arbeiten in einem Flugzeugrumpf
Legende: Keystone/Symbolbild

Zu ihren besten Zeiten, als es die Swissair noch gab, beschäftigte das Wartungsunternehmen SR Technics weltweit über 3000 Angestellte. Heute sind es noch 2200, die Hälfte davon in der Schweiz, die meisten am Flughafen Zürich.

Gleich zu Beginn der Coronakrise, die zu einem massiven Einbruch der Aufträge für SR Technics führte, zog das Management die Notbremse. Das Unternehmen trennte sich von einzelnen Geschäftsteilen und fokussierte auf Triebwerk-Wartungen und die sogenannte Line-Maintenance, die Überprüfung von Flugzeugen vor dem nächsten Start. Aufwändigere Unterhaltsarbeiten wurden schon vor längerem an günstigere Standorte verlagert, etwa nach Malta.

Die Coronakrise hat den beiden verbliebenen Geschäftsbereichen zwar auch zugesetzt. Aber vor der Krise waren sie profitabel gewachsen. Das dürfte nach der Krise ebenfalls wieder rasch anziehen.

Das ist mit ein Grund, weshalb SR Technics das Instrument der Kurzarbeit schätzt: Sobald es wieder mehr zu tun gibt, kann das Personal rasch wieder voll eingesetzt werden. Müsste SR Technics hingegen jetzt in der Krise Leute entlassen, könnte das Unternehmen die Kapazitäten nicht kurzfristig ausbauen – mit der Folge, dass wohl Aufträge an die Konkurrenz gingen.

Die Pandemie hat SR Technics arg zugesetzt. Die Aufträge zur Wartung von Flugzeugen und Triebwerken brachen ein. Der Auftragseingang sei innert einer Woche um bis zu 90 Prozent eingebrochen, so Finanzchef Matthias Düllmann gegenüber SRF. Deshalb seien praktisch alle der 1100 Angestellten in der Schweiz in Kurzarbeit. Mal mehr, mal weniger – je nach Auftragslage.

Keine Erholung vor Ende der Kurzarbeit

Die Aussichten für die Luftfahrt verbessern sich zwar, vor allem dank der weltweit laufenden Impfkampagnen. Aber an einen kräftigen Aufschwung zurück auf das Niveau von vor der Krise ist vorerst nicht zu denken.

«Die Krise ist im August noch nicht vorüber», sagt Düllmann. Doch im August läuft bei SR Technics die Kurzarbeit aus. Die maximale Dauer von 18 Monaten ist dann ausgeschöpft. «Wir werden versuchen, mit flexiblen Arbeitszeitmodellen das Personal zu halten. Aber wenn sich die Lage nicht ändert, können wir Entlassungen nicht ausschliessen.» Dann hätte das Instrument der Kurzarbeit, das solche Entlassungen verhindern soll, den Zweck verfehlt – bloss, weil die Durststrecke länger dauert als erwartet.

Entlassungen gilt es zu verhindern

Das sind düstere Aussichten. Nicht nur für SR Technics, auch für viele andere Unternehmen. «Viele Industriefirmen litten im Jahr 2019 unter einem konjunkturellen Tief und führten bereits vor der Pandemie Kurzarbeit ein», erklärt Martin Hirzel, Präsident des Verbands der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem). In all diesen Firmen läuft die maximale Bezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung im Sommer aus.

Haupteigentümer von SR Technics ist zahlungsunfähig

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Nicht nur die Coronakrise bedroht das Flugzeugwartungs-Unternehmen SR Technics. Für Unsicherheit sorgt auch, dass der Hauptaktionär, die chinesische HNA Group, für zahlungsunfähig erklärt worden ist. Nun wird erwartet, dass neue Eigentümer SR Technics übernehmen werden. Finanzchef Matthias Düllmann lässt sich deswegen aber nicht aus der Ruhe bringen. Man arbeite «sehr unabhängig» innerhalb der HNA-Gruppe, sagte er im Gespräch mit SRF. HNA sei auch kein wichtiger Kunde für SR Technics. Darüber hinaus garantierten Verträge, dass kein Geld nach China abfliessen könne. Das sei mit ein Grund gewesen, weshalb der Bund und die Banken SR Technics in der Coronakrise finanziell unter die Arme gegriffen haben. Der Bund hatte flugnahen Dienstleistern – neben SR Technics sind das Swissport und Gategroup – Hilfe in Höhe von 600 Millonen Franken zugesagt, um die Schweizer Luftfahrt zu stabilisieren.

«Wir müssen nun verhindern, dass diese Firmen mit der Planung von Entlassungen beginnen», fordert Hirzel. Er appelliert an den Bundesrat, rasch eine Verlängerung zu beschliessen. Das Parlament hat dem Bundesrat diese Möglichkeit in der Frühjahrssession gegeben. Die Forderung sei unbestritten, sowohl bei den Arbeitgebern als auch bei Gewerkschaftern, so Hirzel.

Hoffen auf Verlängerung um sechs Monate

Er sei daher zuversichtlich, dass der Bundesrat diesen Entscheid in den nächsten Wochen fällen werde. Doch die Zeit dränge. Die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit, sagt Düllmann von SR Technics.

Sonst müssten möglicherweise Angestellte entlassen werden, die dann ein paar Monate später fehlten, wenn der Flugverkehr wieder anziehe. Dann könnte ein Unternehmen wie SR Technics die Kapazitäten nicht rasch wieder herauffahren und Aufträge auch nicht in der gewohnten Qualität erledigen.

Milliardenausgaben für die Kurzarbeit

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Boris Zürcher
Legende: Boris Zürcher, Leiter der Sektion Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Keystone

Seit Beginn der Coronakrise zahlt die Schweiz Monat für Monat durchschnittlich eine Milliarde Franken an Kurzarbeitsentschädigungen. Das sagte Boris Zürcher vom Seco. Die monatlichen Schwankungen sind aber beträchtlich.

Auf dem Höhepunkt im vergangenen April, als fast ein Viertel alle Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen war, rund 1.3 Millionen Personen, beliefen sich die Ausgaben auf 2.8 Milliarden. Danach ging die Kurzarbeit kontinuierlich zurück, und parallel dazu sanken auch die Entschädigungen.

Im Januar – aktuellere Zahlen liegen dem Seco noch nicht vor – wurde wieder deutlich mehr Kurzarbeit geleistet. Der neuerliche Anstieg ist eine direkte Folge des zweiten Shutdowns. Unterdessen sind wieder knapp 400'000 Angestellte von Kurzarbeit betroffen. Das sind rund acht Prozent aller Beschäftigen in der Schweiz.

Boris Zürcher erwartet einen weiteren Anstieg der Kurzarbeit im Februar. Darauf deuteten die Voranmeldungen der Unternehmen hin. In den letzten Wochen und Tagen habe sich die Lage stabilisiert; es habe keinen weiteren Anstieg bei den Voranmeldungen gegeben.

Die Folge: Aufträge gingen dann an Konkurrenzfirmen und der Aufschwung, der sicher komme, würde an SR Technics vorbeigehen. Darum appelliert auch Düllmann an den Bundesrat, die Dauer der Kurzarbeit zu verlängern.

Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist sich der Dringlichkeit bewusst. Er geht davon aus, dass der Bundesrat einer Verlängerung zustimmen wird. Das habe das Wirtschaftsdepartement beantragt. Aber wann? Ein Entscheid dürfte in den kommenden Monaten fallen, sagt er. Firmen müssen sich also noch gedulden, bis sie Klarheit haben.

Rendez-vous, 09.04.2021, 12:30 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Hofer  (MartinSurfeu)
    SR Technics (wie auch Swissport und Gategroup) sind seit Jahren keine Schweizer Firmen. Sie wurden mehrheitlich von der chinesischen HNA Group übernommen, die ja im Januar 2021 Insolvenz anmeldete. Wieso soll jetzt die Schweiz für diese Misswirtschaft aus dem Ausland aufkommen ? Logisch, der Zusammenbruch der Flugindustrie wegen Covid war vor 2020 nicht vorauszusehen.
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Die Arbeitnehmer in der Schweiz zahlen allerdings hier Steuern, sind nicht verantwortlich für die Misswirtschaft der Mutterfirma, und verlieren ihre Stelle auch nicht deswegen, sondern wegen der Pandemie und den Massnahmen zu deren Bekämpfung. Es geht nicht darum, die HNA Group zu retten, sonder die Arbeitsplätze der Techniker.
  • Kommentar von Willi Fetzer  ((:-))
    Es darf nicht sein, und die Politiker, die ja eigentlich im Interesse der Bevölkerung Politik machen sollten, nein MÜSSEN, haben die Unterstützung so auszugestalten und zu formulieren, dass keine Bonis fliessen dürfen und keine Gewinne erzielt werden dürfen! Ansonsten die Gelder zurückgeben werden müssen!
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Steuerzahler finanzieren Grossverlage. Der BR unterstützte Schweizer Grossverlage im Corona Jahr 2020 mit Steuermillionen. Jetzt zeigt sich: Die Verleger machten trotz Pandemie satte Gewinne. Ein unglaubliches Tun. Diese Steuermillionen müssen zurückbezahlt werden an den Staat, die Steuerzahler sollen nicht die Dummen sein, die schamlos ausgenutzt werden. Ueli Maurer sollte sich um die Rückzahlungen bemühen.