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Legende: Audio Yuan-Abwertung als Wirtschaftswaffe abspielen. Laufzeit 05:13 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 06.08.2019.
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Abwertung des Yuan Ist die Schweiz jetzt mittendrin im Handelsstreit?

China wertet den Yuan ab – ein globaler «Abwertungswettlauf» könnte folgen, sagt ein Ökonom. Mit Folgen für die Schweiz.

Kriege kann man mit Waffen, Panzern, Raketen und Bomben führen. Kriege kann man aber auch mit Zöllen führen – und mit Währungen.

Was derzeit zwischen den USA und China passiert, ist zwar noch kein ausgewachsener Handelskrieg, aber ein veritabler Handelsstreit. Der hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht: China hat den Wert seiner Landeswährung erstmals seit elf Jahren unter die Marke von sieben Yuan je Dollar fallen lassen – diese Marke galt unter Fachleuten lange als «rote Linie», die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde.

Der Schritt weckt Vermutungen, Peking könnte die Abwertung als Waffe im Handelsstreit mit den USA einsetzen. Quasi als Reaktion auf Trumps Zölle auf chinesische Produkte – was China allerdings dementiert.

Währungsabwertung als Waffe

Der Volkswirtschaftsprofessor Aymo Brunetti von der Universität Bern hält eine gezielte Abwertung des Yuan für «nicht unplausibel». In der Geschichte sei es häufig vorgekommen, dass man eine Abwertung der Währung als Waffe eingesetzt habe. Kurzfristig könne das zwar die inländischen Firmen und ihre Exporte stärken. Wenn aber alle abwerten, verpufft der Effekt: Es folge eine extreme Überhitzung der Wirtschaft, so der Ökonom.

Chinesische Börsenkurse
Legende: Brunetti warnt vor einem globalen Abwertungswettlauf: «Es vergiftet das Klima sehr stark: Jeder versucht auf Kosten des anderen, seine eigene Wirtschaft zu stärken.» Reuters

Brunetti warnt davor, dass ein regelrechter «Abwertungswettlauf» einsetzen könnte. Das schlimmste derartige Ereignis sei die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre gewesen.

Erste Auswirkungen auf den Franken

Die Abwertung des Yuan macht chinesische Exportprodukte nun billiger. Wenn grosse Länder wie China oder auch die USA ihre Währung abwerteten, müssten es ihnen die anderen «zu einem gewissen Grad» gleich tun, erklärt Brunetti: «Sonst erleben sie eine starke Aufwertung ihrer eigenen Währung und eine Schwächung ihrer Wirtschaft.»

SNB-Gebäude in Bern
Legende: Die SNB lässt sich nicht in die Karten blicken, ob sie intervenieren wird oder dies bereits tut. Falls sich die Situation verschärfen sollte, hält Ökonom Brunetti dies aber für plausibel. Keystone

Der Schweizer Franken ist ohnehin stark. Droht er durch einen allfälligen Abwertungswettlauf durch die Decke zu schiessen? Die Schweiz sei in einer speziellen Situation, sagt der Ökonom: «Als Weltwährung in einem kleinen Land ist der Franken sehr attraktiv, wenn es Turbulenzen gibt.» Deswegen seien die Schweizer Währungshüter nicht vorderhand versucht, eine «kompetitive Abwertung» zu erreichen: «Man versucht zu verhindern, dass es eine übermässige Aufwertung gibt.» Schon jetzt seien solche Effekte auf den Franken spürbar, so der Ökonom.

Gefahr für die Schweizer Exportindustrie

Doch was, wenn die Schweizer Nationalbank nicht intervenieren würde? Ein starker Zufluss an Geldern in die Schweiz würde dann «eine gewaltige Aufwertung des Frankens» zur Folge haben, sagt Brunetti: «Das würde die Schweizer Exportindustrie mehr oder weniger ruinieren.»

Einer solchen Gefahr seien ungleich grössere Volkswirtschaften wie China oder USA nicht ausgesetzt: «Insofern wäre eine Intervention mehr eine Abwehrreaktion, als dass wir versuchen, bewusst unsere Exporte zu stärken.» Sollte sich die Situation verschärfen, hält es Brunetti für «ziemlich plausibel», dass die Schweizer Nationalbank wie schon in der Vergangenheit intervenieren wird.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Flury  (Simplizissimus)
    Jeden zweiten Franken verdient die Schweiz im Ausland. Von jedem Franken AHV-Rente werden 50 Rappen im Ausland verdient. Wenn unsere Exportindustrie, u.a. rund ein Drittel nach Deutschland und Frankreich und ein weitere Fünftel in die USA, eingeht, woher soll dann das Geld für die AHV kommen?
    Investitionen im Inland, sei dies die AHV oder Infrastruktur, würden den Franken nur noch mehr stärken, da die anderen Länder ihre Infrastruktur verlottern lassen.
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    1. Antwort von Markus Guggisberg  (gugmar)
      @Kurt Flury: a) jeder im Ausland "verdiente" Franken der seinen Wert um 3/4 verliert ist ein verlorener Franken b) jeder im Ausland "verdiente" Franken produziert ein x-Faches von Infrastruktur-, Sozial- und Zuwanderungskosten c) Jeder Exportüberschuss erzeugt im Zielland einen Exportverlust. d.h. Export produziert Schuldner und Verlierer. Vom CO2 haben wir noch nicht geprochen. Ihre Schlussfolgerungen sind unethisch. Gewinnmaximieren ist obsolet. Export hat keine Priorität !
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    2. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Wir haben in der Tat ein Klumpenrisiko mit der EU und vor allem Deutschland. Und da in Deutschland wird's mit der Auto-Industrie nicht mehr so ring gehen. Wir haben also allen Grund das Nicht-EU-Standbein so rasch als möglich auszubauen.
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Die SNB sollte endlich neue Wege beschreiten, damit auch das Schweizer Volk statt weiteren Schaden (AHV, Pensionskassen mit Negativzins belasten) etwas davon hat: SNB finanziert in die inländische Infrastruktur und hilft bei der Finanzierung der AHV! Klar muss das vorsichtig angehen, damit man nicht zu stark in einen Abwärtsstrudel der Währung gerät.
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Hoffentlich sind die erfolgreich unterwegs beim EURO-Abstossen, solange das noch geht.
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  • Kommentar von Markus Guggisberg  (gugmar)
    Die einseitige Abhängigkeit der SNB von den "Wünschen" der "(EU-)Exportindustrie" ist glichzeitg Ihre grösste Schwäche. Schade !
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Das Wort „abhängig“ beschreibt die Situation nicht korrekt. Die SNB, wie auch die ganze Schweiz sind mit der EU, ihrer Wirtschaft, ihren Institutionen verflochten, gerade zu verwoben, was auch klar ist da die Schweiz mitten in Europa ist und ein Teil Europas ist. Je aktiver wir an Europa teilnehmen um so kleiner wird der subjektiv wahrgenommene Teil der Abhängigkeit, umso stärker kann die Schweiz auftreten.
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    2. Antwort von Markus Guggisberg  (gugmar)
      @Olaf Schulenburg: Die EU ist ein Handelsspartner wie jeder andere auch und "verflochten" ist gar nichts, schon gar nicht mit einem System das glaubt, es sei berechtigt, einem Handelspartner rechtliche und politische Vorgaben zu machen !
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