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Amerikaner lieben «Swiss Made» «America first» bei den Schweizer Exporten

Die USA sind aktuell wichtigster Schweizer Exportmarkt. Deutschland ist bloss noch zweitwichtigster Abnehmer.

Seit Donald Trump ins Weisse Haus eingezogen ist, fürchten sich Exporteure weltweit vor seinen Tweets: vor Ankündigungen von Sonderzöllen oder auch mal Drohungen mit Importverboten, beispielsweise gegen die chinesische Huawei. Davon offenbar komplett unbeeindruckt: die Schweizer Exportwirtschaft. Trotz sogenanntem Handelskrieg sind die USA in den letzten drei Monaten zum wichtigsten Abnehmer von Schweizer Produkten geworden.

Nicht weniger als 11.058 Milliarden Franken liessen sich US-Amerikaner Waren «Made in Switzerland» kosten. 10.908 Milliarden Franken wert waren die Schweizer Exporte nach Deutschland.

Der Blick auf die Details allerdings zeigt: Der aktuelle Spitzenwert in der Dreimonats-Statistik bei den Exporten nach den USA konzentrierte sich vor allem auf eine Branche: Pharma. Und auf einen Monat: September 2019.

Schon im Juni 2019 lagen die Exporte in die USA aber während 30 Tagen über jenen nach Deutschland. Erstmals war das im Juli 2017 der Fall gewesen.

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Aus dem Archiv: Die deutsche Wirtschaft schwächelt
Aus Tagesschau vom 14.08.2019.
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Martin Naville, Direktor der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, erstaunt der USA-Boom bei den Exporten nicht. «Die Schweiz hat keinen Handelskrieg mit den USA. Und die Wirren zwischen USA und China betreffen die Schweiz nur minimal, etwa im Bereich Aluminium und Stahl.»

Verschiebung beinahe epochal

Weil kurzfristige Schwankungen hoch sein können, lohnt sich ein Blick auf die langfristige Entwicklung. Und da scheinen die Verschiebungen in den Zahlen der Zollstatistik beinahe schon epochal. Zumindest seit 1988 – so weit zurück reicht die Analyse – war immer Deutschland auf Platz 1 unter den wichtigsten Handelspartnern für Schweizer Exporteure. Und das war wohl mehrere Jahrzehnte davor schon so.

Vor 20 Jahren betrug der Anteil Deutschlands an den Schweizer Exporten noch fast ein Viertel. Die USA waren als Abnehmer noch nicht einmal halb so wichtig: Exportanteil 11 Prozent. Handelskammer-Direktor Naville: «Die US-Wirtschaft ist in den letzten Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Und Schweizer Firmen haben grosse Anstrengungen für Ihre Exporte Richtung USA unternommen. Schliesslich ist der US-Markt nach wie vor relativ offen, trotz der Diskussionen um Protektionismus.»

Weil die Schweizer Direktinvestitionen in den USA sich innert zehn Jahren verdoppelt haben, würden auch künftig die Exporte wachsen, so Naville. Ausser es käme zu einer Rezession. Oder zu einem direkten Handelskonflikt mit der Trump-Administration aufgrund des Schweizer Handelsbilanzüberschusses bei den Gütern.

Übersee gewinnt, Nachbarn verlieren

Generell fällt auf: Länder in Übersee haben an Bedeutung für den Schweizer Export stark gewonnen, die europäischen Nachbarn ebenso klar verloren. Kauften die Nachbarn Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich der Schweiz noch vor 20 Jahren fast 45 Prozent der Exporte ab, sind es inzwischen noch 33 Prozent. Umgekehrt sind die USA, China, Japan und Hongkong zusammen heute für fast 30 Prozent der Käufe von Schweizer Exporten verantwortlich, vor 20 Jahren erst für 17 Prozent.

Die Zahlen zeigen: Die Schweizer Exportwirtschaft hat ihre einseitige Abhängigkeit von Europa seit der Jahrtausendwende stark abbauen können. Wenn die Verkäufe an die europäischen Nachbarn schwächeln, gibt es inzwischen Möglichkeiten, diese in den USA und vermehrt auch in Asien zu kompensieren.

SRF 4 News vom 19.11.2019, 12.30 Uhr

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28 Kommentare

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  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    Das ist eine sehr positive entwicklung. Die diversifzierung der export wirtschaft muss aber weiter gehen.nur so hat die schweiz chancen, auch in zukunft grösst möglich, politisch unabhängig zu sein..
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  • Kommentar von Yousef Delavar  (yousefdelavar)
    Wir sollten doch bitte die USA boykottieren. Die meinen, sie seihen die Führer der Welt und wir können gut ohne USA leben. Allie boykottieren den Iran nur wegen der USA. Die EU selber haben die Sanktionen aufgehoben aber kann man nun Geld in den Iran überweisen ? Nein, wegen der USA. Selbst die Kantonalbanken haben Angst vor der USA, obwohl sie gar nicht in der USA tätig sind. Muss jedes Mal mühsam über die Bank Melli in Hamburg Geld in den Iran überweisen. Die haben keine Angst.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Ich gewichte das Verhältnis zu den USA als zigfach wichtiger als jenes zum Iran, Ihren Ärger in Ehren.
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    2. Antwort von Yousef Delavar  (yousefdelavar)
      Das sehen aber die Firmen anders. Im Iran gibts die besten Ingenieure, einige sehr grosse Firmen und die europäischen Firmen dürfen keine Geschäfte machen, weil die alle Angst vor den USA haben. Niemand braucht die USA. Ohne Europa würde die USA in kurzer Zeit nicht mehr existieren die importieren ja alles, haben nichts made USA.
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    3. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Und an Ostern kommt der Osterhase, zumindest für die Kinder aber nur in den USA und Europa.
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    4. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Ich weiss nicht ob die "Firmen" es auch so nüchtern betrachten dass bei einer Demonstration gegen eine verdopplung des Treibstoffpreises, einfach mal schnell 120 Menschen vom Staat Iran erschossen werden.
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Das verstärkt die Abhängigkeit der Schweiz von der EU als Transitgebiet für ihre Im- und Exporte und stellt sicher, dass der Gotthart für den EU-internen Güterverkehr schön offen bleiben muss. Quid pro Quo.
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    1. Antwort von u. Felber  (Keule)
      Das pure gegenteil ist der fall. Die schweiz wird mit jedem prozent weniger export in die eu weniger erpressbar von dieser. Von Deutschland ganz zu schweigen. Das Landverkehrsabkommen mit der eu regelt den transit wie der am gotthard. Die abhängigkeit im transit beruft sich auf gegenseitigkeit.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Die Österreicher arbeiten schon seit längerem daran, mit dem Arlberg unserem Gotthard Konkurrenz zu machen. So bitte, nur zu. Ich denke, unsere Volkswirtschaft wird das verkraften, unsere Umwelt und Natur auch. Nicht zu schweigen über das Ausbleiben des Staus zu Stosszeiten.
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