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Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt
Aus Rendez-vous vom 09.08.2021.
abspielen. Laufzeit 02:52 Minuten.
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Arbeitslosigkeit und Pandemie Corona plagt Langzeitarbeitslose zusätzlich

Ihre Zahl hat sich fast verdreifacht: Die Pandemie hat die Lage jener verschärft, die seit über zwölf Monaten eine neue Stelle suchen.

Die Schweizer Wirtschaft hat sich rasch von den Folgen der Corona-Pandemie erholt. Das zeigt sich bei der Zahl jener Menschen, die eine Arbeitsstelle suchen. Im Juli waren es gut 128'000 Menschen. Das sind 40'000 weniger als noch im Januar auf dem Höhepunkt der Krise.

Nicht gesunken ist hingegen die Zahl der Langzeitarbeitslosen – im Gegenteil: Sie ist in den vergangenen Monaten stetig gestiegen. Diese Menschen haben Dutzende, wenn nicht Hunderte Bewerbungen geschrieben. Meist ohne Erfolg.

Über 20'000 mehr als vor der Krise

Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), bestätigt: «Die Stellensuche war erschwert, insbesondere im letzten Sommer, aber auch in den ersten drei Monaten des neuen Jahres.»

Diese Entwicklung zeigt sich deutlich in der Statistik: In der Schweiz waren im Monat Juli über 34'000 Personen als Langzeitarbeitslose erfasst. Unmittelbar vor der Corona-Krise im Februar 2019 waren es noch gut 13'000 Personen gewesen.

Seco erwartet Rückgang in den nächsten Monaten

Zürcher geht allerdings davon aus, dass auch diese Personen den wirtschaftlichen Aufschwung in den kommenden Monaten zu spüren bekommen: «Damit sollten auch der Anteil und die absolute Zahl der Langzeitarbeitslosen rasch wieder zurückgehen.»

Mit dem Aufschwung sollten auch der Anteil und die absolute Zahl der Langzeitarbeitslosen rasch wieder zurückgehen.
Autor: Boris Zürcher Leiter Direktion Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft

Nicht so optimistisch beurteilt Caritas Schweiz die aktuelle Entwicklung. Caritas engagiert sich für Menschen, die von Armut betroffen sind.

Caritas: Strukturelles Problem bleibt

Die jüngsten Zahlen seien nicht nur ein Ergebnis dieser Krise, sondern eines strukturellen Problems, betont Marianne Hochuli, Mitglied der Geschäftsleitung: «Die Langzeitarbeitslosenquote steigt seit Jahren. Immer mehr Menschen in der Schweiz müssen sehr lange suchen, bis sie wieder eine Arbeit finden.»

Die Langzeitarbeitslosigkeit steigt seit Jahren. Es ist auch ein strukturelles Problem.
Autor: Marianne Hochuli Caritas Schweiz, Geschäftsleitung

Der Bund gewährt den Langzeitarbeitslosen aktuell mehr Zeit: Er hat die Zahl der Taggelder zweimal erhöht – auf insgesamt neun Monate. Damit haben Langzeitarbeitslose längeren Anspruch auf finanzielle Unterstützung und die Chance eine neue Arbeitsstelle zu finden.

Legende: Wer seit zwölf Monaten vergeblich eine Stelle sucht, gilt als langzeitarbeitslos. Keystone

Grundsätzlich sei das begrüssenswert, aber insgesamt werde damit das strukturelle Problem nicht gelöst, so Hochuli. Aus Sicht von Caritas muss noch mehr als bisher in die Weiterbildung investiert werden, sodass die Menschen überhaupt noch Aussichten auf eine Arbeitsstelle haben.

Inwiefern sich die Lage für die Langzeitarbeitslosen tatsächlich verbessert, werden erst der weitere Verlauf der Pandemie und vor allem die wirtschaftliche Entwicklung zeigen.

Rendez-vous, 09.08.2021, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Die PK Beiträge f. Arbeitgeber steigen erstmals ab dem Alter 36, das zweite mal ab 50. Gerade in der Informatik ist Wissen max. fünf Jahre wertig. Warum soll ein Unternehmen einen sehr teuren 51. Jährigen allf. ohne aktuelle Zertifikate anstellen, wenn ich daneben günstige 24. Jährige kriege mit den neusten Zertifikaten und 10Jahren Erfahrung im coden? IT ist nur extremer (Änderungen) als andere Branchen. Das problem bleibt gleich.
  • Kommentar von Erich Singer  (Mairegen)
    1.@Henchler gestern 21.01. "Welche brauchbare Innovationen hat die Schweiz den so hervor gebracht".
    Die Schweiz ist ein innovatives Land und ist in der Forschung auf diversen Gebieten führend. Wir haben sehr gute und zielführende ForscherInnen und Hochschulen die Weltspitze sind und wenn wir jetzt auch vorübergehend vom Forschungsprogramm der EU (willkürlich) ausgeschlossen sind ist dies der Beweis das wir etwas zu bieten haben. h finde es gelinde gesagt eine absolute Frechheit ihrerseits wie 2
    1. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      Die besten Universitäten sind in den USA, England und Deutschland, zumindest ist dies das Ergebnis einer google Suche. Wo waren denn die Foschungsergebnisse, als es mal darum ging schnell etwas zu entwickeln, hinsichtlich Impfstoff. Die kamen bekanntermassen genau aus diesen Ländern. Ich denke eher, dass dies eher ein weiters Beispiel für Schweizer Blasendenken ist.
    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      @Henchler: Zur Innovationskraft gibt es regelmässig Rankings. Auf diesen landet die Schweiz jedes Mal auf den Spitzenplätzen. Manchmal auf Platz eins. Die Rankings werden nicht von Schweizern erstellt.
      Es gibt hier vieles zu kritisieren, aber wie Sie bei jedem denkbaren Thema auf der Schweiz rumhacken, hat mit objektiver Kritik längst nichts mehr zu tun. Grüsse von einem Schweizer Hobby-Nestbeschmutzer.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Langzeitarbeitslosigkeit ist ein komplexes Thema. Leider spielen da Klischees auch eine Rolle. Aber was viel zu wenig Beachtung findet, das ist der markante Wandel des Arbeitsmarktes, mit dem so einige 50+ einfach nicht mithalten. Das sind die Verlierer der Internationalisierung. Im geschützten CH-Arbeitsmarkt reichte eine Lehre und 30J Erfahrung aus. Das zieht nicht mehr und manche beharren in ihrer Opferrolle und bestellen das Problem aufs Alter ab. So einfach ist es aber auch nicht.
    1. Antwort von Frank Grämiger  (Comments)
      Ihre Aussage zeigt das Problem auf. Sie sehen Erfahrung nicht als Wissen. Das ist es aber. Praktische Erfahrung. Häufig wird Hype mit neuen Methoden verwechselt, der nicht jeder mit praktischer Erfahrung bedenkenlos zu folgen bereit ist.
      Das andere ist der blinde Glaube an Zertifikate und das Leute im Besitz derselben damit automatisch besser sind. Auch laden immer mehr Kader die Ausbildung einseitig auf den Arbeitnehmer ab. Früher hatte man mehr Zeit Wissen über Erfahrung zu erwirtschaften.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Herr Grämiger, Ihre Konklusion ist falsch. Doch in der heutigen Zeit ist die Halbwertzeit von Wissen gerade mal 5 Jahre. D.h., Erfahrungswerten von höchstens 10 Jahren sind wertvoll. Darüber hinaus bringt Erfahrung einfach keinen Mehrwert. Zudem kompensieren die heutigen, komplexen Bildungsgänge einiges an Erfahrung, insb. im praxisbezogenen Fachhochschulbereich bzw. im Fachausweis. Das ist die Realität, wovon sich viele, offenbar auch Sie, verschliessen.