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Arbeitsmarkt: Ohne Weiterbildung läuft nichts mehr
Aus ECO vom 08.06.2020.
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Arbeitsmarkt nach Corona Berufserfahrung genügt nicht mehr

Der Kampf um Stellen wird härter. Weiterbildung zählt. Denkbar wäre, diese über eine vierte Säule zu finanzieren.

Die Schweiz wird dieses Jahr rund 17 Prozent mehr Arbeitslose haben als vor Corona. Die Schätzung des weltgrössten Personalvermittlers Adecco zeigt zweierlei:

Erstens, dass viele Jobs verloren gehen. Zweitens, dass es uns besser geht als allen anderen Ländern, denn: «Im Durchschnitt aller Länder sind wir bei 30 Prozent mehr Arbeitslosigkeit», sagt Adecco-Managerin Bettina Schaller.

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Bettina Schaller: «Die Schweiz steht absolut top da.»
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17 Prozent mehr Arbeitslose – ein Teil davon in der Industrie. Der KMU-Verband Swissmechanic hat bei seinen Mitgliedern den aktuellen Stand erhoben:

  • 67 Prozent haben Kurzarbeit angemeldet.
  • 16 Prozent haben Angestellte entlassen.
  • 72 Prozent haben einen Einstellungsstopp.

Es wird weitere Branchen treffen. Andreas Rudolph weiss, was derzeit auf den Chefetagen vieler Konzerne diskutiert wird. Er leitet das Schweizer Geschäft des Personalberaters Lee Hecht Harrison. «Wir hören, dass es im dritten und vierten Quartal sicher zu Restrukturierungen kommen wird.»

Eine Mahnung an ältere Arbeitnehmer

Der Arbeitsmarkt werde nicht nur weniger Jobs haben, sondern auch andere Anforderungen. Wie verhandle ich in einer Videokonferenz? Wie führe ich ein Kundengespräch online?

Das müssten Arbeitnehmende wissen, sagt Rudolph. Oder lernen. Das sei vor allem Älteren nicht bewusst.

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Andreas Rudolph: «Es braucht ein Aufrütteln.»
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Neben ihm sitzt Corinne Hertzog. Sie musste vergangene Woche ihren Arbeitsplatz bei einem Chemie-Konzern räumen und sucht eine neue Stelle.

Sie hat in der Flugbranche gearbeitet, im Finanzwesen, in der Schmuckbranche. Aber Erfahrung alleine genüge nicht mehr.

Deshalb will sie eine Weiterbildung machen. Intuitiv wisse man zwar vieles, sagt sie. Aber besser sei es, die Technik zu beherrschen.

Idee: Hochschuldozenten in der Werkhalle

Ohne Weiterbildung wird es eng, meint auch Johnny Föhn, Betriebsleiter bei HME Maschinenbau in Einsiedeln. Wegen Corona seien die Bestellungen um 80 Prozent eingebrochen.

Trotz knapper Kasse sucht Föhn nach Möglichkeiten, seine Leute weiterzubilden. «Wir sind mit Vertretern von Hochschulen in Kontakt, die haben auch Überkapazitäten.»

Möglich seien Kurse in Spezialgebieten, um die Fachkompetenz zu fördern. Kurse in seinen Werkhallen.

Manchmal bist du innerhalb von drei Jahren schon weg vom Fenster.
Autor: Ronny MartyPolymechaniker, HME Einsiedeln

Neben Johnny Föhn steht Ronny Marty. Er hat erst vor drei Jahren die Lehre zum Polymechaniker abgeschlossen und bildet sich bereits zum Automatik-Fachmann weiter. Der Betrieb zahlt daran 10'000 Franken.

«Es ist motivierend, wenn man im Unternehmen etwas mithelfen kann, das man vorher nicht konnte», sagt Marty. Und erzählt, was er unbedingt verhindern will: «Manchmal bist du innerhalb von drei Jahren schon weg vom Fenster, weil sich die Technik so schnell entwickelt».

Eine vierte Säule für Weiterbildung

Doch der Schweizerische Verband für Weiterbildung warnt: Unternehmen investierten zu wenig in Weiterbildung – und würden wegen Corona geplante Ausgaben gar streichen.

Wer zahlt also, wenn sich Mitarbeitende mehr weiterbilden müssen? Bettina Schaller von Adecco schlägt eine vierte Säule vor. «Entweder wird sie über den Arbeitgeber finanziert wie in Frankreich. Oder, wie in Singapur, über einen jährlichen Beitrag des Staats». Denkbar sei auch, dass Arbeitnehmende miteinzahlen.

Corona macht den Kampf um Jobs härter. Und zwingt die Gesellschaft zu überdenken, wieviel ihr Weiterbildung für Arbeitnehmende wert ist.

ECO, 08.06.2020, 22.25 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Erika Gröflin-Schürch  (EGS)
    Der schlimmste Jobkiller ist leider immer noch, dass die CEO, Verwaltungsräte und Aktionäre immer mehr bekommen und dies jedes Jahr auf Kosten unzähliger Angesteller. Diesmal nimmt man die Coronakrise als Ausrede. Denn nicht die KMU, sondern die grossen Firmen entlassen noch immer am meisten Menschen. Da hilft dann leider auch keine Weiterbildung...
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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Es gibt weltweit Millionen von gut ausgebildeten Menschen, welche nie eine Stelle finden werden! Ganz einfach weil es mehr gut Ausgebildete als Arbeitsstellen hat. Siehe Italien. Vielleicht müsste man einmal an einer anderen Schraube drehen anstatt die Bevölkerung im Hamsterrad der nie endenden technologischen Diktatur rennen zu lassen. Stichwort Lebenqualität anstatt Wachstum!
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Die Gesellschaft ist daran, völlig zu "überhitzen": Immer mehr, immer schneller, immer besser, immer billiger. Dann noch etwas hat mich erschreckt. Ein Patron sagte zu seinem Lehrling: "Du muss immer besser sein als der nebenan".- Ich glaube, wir sind als Gesellschaft gehalten, unsere Lebenswerte neu zu überdenken. Wir sind m.E.nicht auf die Welt gekommen, um nur einer uns Menschen ausbeutenden Wirtschaftordnung zu dienen, sondern um der Welt ein menschliches(eres) Gesicht zu geben.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Kein Problem, nur sollte man gleich auch festlegen, auf welche staatlichen Leistungen verzichtet werden soll. Weniger Bildung, weniger Sozialausgaben, weniger Gesundheitskosten, weniger Sicherheit, weniger von was? Denn weniger Leistung heisst auch Steuern - es sei denn alle bezahlen ein bisschen mehr Steuern. Das alte Märli, dass die anderen bezahlen ist inzwischen ausgelutscht! Bezahlen werden immer alle, die einen noch mehr und die die gar nicht bezahlen, werden weniger beziehen können!
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