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Legende: Audio Teilzeitarbeitende Männer sind rar abspielen. Laufzeit 04:27 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 20.02.2019.
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Arbeitsteilung auf Kaderstufe Fortschritt statt Machtverlust

Fast 60 Prozent der Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Bei den Männern sind es knapp 18 Prozent. Das müsste nicht so sein.

Fredy Kosak war schon immer offen für Neues. Der ehemalige Primarlehrer landete nach mehreren Weiterbildungen im Personalmanagement. Seit zwölf Jahren ist er bei der Axa Versicherung in Winterthur als Bereichsleiter tätig. Und seit einem Jahr teilt sich der 54-Jährige diese Aufgabe mit Renata Schwaninger.

Austausch auf Augenhöhe

Was mancher als Machtverlust sehen würde, ist für Kosak ein Fortschritt: «Ich schätze den Austausch auf Augenhöhe mit Renata ungemein. Ich fühle mich entlastet, muss nicht immer alles selber entscheiden. Und es ist extrem bereichernd, ihre Gedanken in die Problemlösung mit einzubeziehen.»

Ich fühle mich entlastet, muss nicht immer alles selber entscheiden.
Autor: Fredy KosakAxa

Topsharing nennt sich diese Arbeitsteilung auf Führungsstufe, in Anlehnung an Jobsharing. Auch für Schwaninger eröffnete das Modell neue Perspektiven. «Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, eine Führungsrolle auszuführen, welche ich wahrscheinlich mit meinem Teilzeitpensum allein nicht machen könnte», sagt die 45-jährige Betriebswirtin.

Frau und Mann sitzen auf einer Bank
Legende: «Viele haben Hemmungen, in das Teilzeitmodell zu wechseln», sagt Fredy Kosak. Keystone

Bei ihr und Kosak nimmt die gemeinsame Leitungsfunktion rund drei Tage die Woche in Anspruch. Dazu kommen noch Projekte, die beide je eigenständig führen. Schwaninger kommt so auf ein Pensum von 70 Prozent, bei Kosak sind es 90 Prozent.

Teilzeit wird bei der Axa zwar gross geschrieben, auf Führungsstufe sind die beiden aber die einzigen, die sich eine Stelle teilen. Entsprechend sehen sie sich als eine Art Wegbereiter: «Viele haben Hemmungen, weil sie nicht genau wissen worum es geht. Unsere Erfahrungen – auch, was nicht funktioniert – können helfen, dass wir mehr Mut geben können», so Kosak.

Die Führungsrolle könnte ich mit meinem Teilzeitpensum wahrscheinlich nicht allein machen.
Autor: Renata SchwaningerAxa

Zu diesen Erfahrungen zählt auch die Erkenntis, wie wichtig klare Ansprechspersonen sind; sowohl für die Belegschaft als auch die Vorgesetzten. Diese Unklarheiten konnten aber schnell aus dem Weg geräumt werden, indem die Aufgaben klarer abgegrenzt wurden. Entsprechend akzeptiert ist das Topsharing-Modell im Betrieb. Das dürfte auch an der offenen Kommunikation des Duos Schwaninger/Kosak liegen – gerade, wenn es sich einmal nicht einig ist. Dann werde das gegenüber dem Team thematisiert.

Sinneswandel bei den Männern

Bei der Axa werden Topsharing- und Teilzeit-Modelle aktiv gefördert. Die Unternehmenskultur sei für die Akzeptanz moderner Arbeitsformen entscheidend, ist Schwaninger überzeugt – und räumt zugleich ein: Ohne den Sinneswandel der männlichen Belegschaft wäre das Unternehmen noch nicht so weit: «Bei der Axa hat es erst so richtig funktioniert, als auch die Männer anfingen, Teilzeit zu arbeiten. Früher war das ein ‹Frauen- und Mütterthema›. Heute haben wir auf allen Hierarchiestufen Teilzeit arbeitende Männer – und das hat enorm geholfen.»

Die Hauptreaktion in meinem Umfeld ist Neid. Die meisten können schlichtweg nicht Teilzeit arbeiten.
Autor: Fredy KosakAxa

Die Axa Versicherung ist aber nur bedingt repräsentativ für andere Unternehmen. Nicht überall ist Teilzeitarbeit bei Männern derart etabliert – das zeigen auch die Reaktionen aus dem privaten Umfeld von Kosak: «Die Hauptreaktion ist Neid. Die meisten können schlichtweg nicht Teilzeit arbeiten, in handwerklichen Bereichen oder auch im Bankenbereich.» Es scheint, als sei die Gesellschaft in Sachen Topsharing und Teilzeit schon einen Schritt weiter als viele Unternehmen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Chris Portmaier  (ChrisPortmaier)
    Das einzige Problem sind die Kosten: es kostet viel mehr wenn ab einer gewissen Lohnstufe nur Teilzeit gearbeitet wird. Darum: viel die bessere Lösung ist die 35 Stunden Woche wo es möglich ist. Also 20% weniger Arbeiten aber bitte zu 25% weniger Lohn. Dort wo sowieso Überstunden an der Tagesordnung sind, geht Teilzeit sowieso nicht.
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    1. Antwort von R. Sommerhalder  (rso)
      Tatsache ist, dass in vielen Fällen, besonders im oberen Kader, pro Woche 45 oder sogar 50 Stunden und mehr gearbeitet werden, ohne Überstundenentschädigung! Mir sind sogar "Einzelfälle" bekannt, wo regelmässig ca. 60 Stunden pro Woche gearbeitet werden!
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Zudem finde ich das Argument "ich muss nicht immer alles allein entscheiden" ziemlich unangebracht von einer Führungsperson eines Grossunternehmens. Unter anderen Artikeln geht sofort die Kritikhölle los, wenn man sowas liest, denn Entscheidungskompetenz ist ein Teil der Führungskompetenz. Sobald jemand diese nicht wahrnehmen will, soll er/sie die Führung abgeben. Für Reflexion gibt es sehr viele Möglichkeiten, isb. im HR, wo man sich guten Rat holen kann. Z.B. Stellvertretung auf Augenhöhe.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Das Beispiel ist nicht repräsentativ. Die Möglichkeit von Teilzeit-Führungskräften oder Topsharing ist nämlich nicht geschlechterspezifisch. Es ist positionsbedingt. Im HR setzt sich das Modell seit eh durch (bei uns ist auch so: HR-Direktor, GL-Mitglied, 50%). Auch im IT/Medizin kenne ich etliche Männer, die ihr TZ-Pensum sehr schätzen und gerne leben, da zeitlich/fachlich/finanziell machbar. Aber z.B. auf Kundenseite ist es undenkbar, denn der Kunde verlangt 120%-Einsatz, egal, ob M/W.
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