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Ausbau 5G-Verbindungen «China von Anfang an auf Augenhöhe»

Nokia? War das finnische Unternehmen nicht einst Weltmarktführer in der Herstellung von Mobiltelefonen? Doch. Inzwischen verdient der Konzern aber hauptsächlich als Netzwerk-Ausrüster sein Geld. Nokia investiert Milliarden in den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G und mischt damit im globalen Rennen um die Mobilfunk-Revolution mit. Wer als Land hier die Nase vorn hat, wird in der Digitalwirtschaft tonangebend sein.

Das ist laut Risto Siilasmaa, Verwaltungsratspräsident von Nokia, nicht zwingend Europa. Der Spitzenmanager weilte während einer Tagung in der Schweiz. «China erarbeitet sich zur Zeit einen Vorteil», so Siilasmaa gegenüber der Tagesschau von Schweizer Radio und Fernsehen.

Risto Siilasmaa

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Risto Siilasmaa ist seit 2008 im Verwaltungsrat von Nokia und ist seit 2012 Verwaltungsratspräsident. Er ist ausserdem Vorstandsvorsitzender des Verbands finnischer Technologieunternehmen. Siilasmaa gilt als einer der angesehensten und erfolgreichsten Hight-Tech Unternehmer in Finnland. Er transformierte Nokia und rettete das Unternehmen vor dem Konkurs.

SRF News: Produziert Nokia noch Mobiltelefone?

Risto Siilasmaa: Nokia hat die Mobiltelefon-Sparte an Microsoft verkauft. Diese wurde dann an eine andere Firma weiterverkauft, welche von Nokia mit aufgebaut wurde. Diese Firma hält die Lizenz an der Marke Nokia. Wir verdienen an jedem Nokia-Telefon, das verkauft wird. Es ist aber nicht mehr direkt unser Geschäft.

Wenn es nicht mehr Mobiltelefone sind, was ist dann Ihr Kerngeschäft?

Von den zwei Kerngeschäften der Neunzigerjahre, Mobiltelefone und Netzwerke, ist die Netzwerk-Sparte jetzt unser Kerngeschäft. Wir sind weltweit das einzige Unternehmen, welches ein globales ganzheitliches Betreiber-Netzwerk anbieten kann.

Wird Nokia als Unternehmen wieder so gross, wie es aus Sicht der Konsumenten einst war?

In den Köpfen der Leute ist Nokia vor allem als ein Unternehmen der Unterhaltungselektronik präsent. Wir hoffen, dass Nokia-Mobiltelefone auch in Zukunft gefragt bleiben und Nokia als Marke sichtbar bleibt. Wir spielen immer noch eine entscheidende Rolle in der globalen Kommunikationsinfrastruktur. Jedes Mal, wenn sich jemand mit dem Internet verbindet, eine Email oder SMS versendet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Software und Geräte von Nokia involviert sind. Die früheren Erfolge wollen wir nun im Netzwerk-Bereich feiern.

Nokias Geschichte

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Bis 2007 produziert und verkauft Nokia erfolgreich Mobiltelefone. Dann lanciert Apple das Iphone. Nokia's Geschäft bricht ein. Der Konzern verkauft die Handy-Sparte 2013 an Microsoft. Microsoft wiederum verkauft das Handy-Geschäft dann an das Nokia Spin-Off HMD Global. Seit 2016 produziert und vertreibt HMD Global Nokia-Handys unter Lizenz. Nokia konzentriert sich nun vor allem auf Netzwerke. Alle Schweizer Netzbetreiber sind Kunden von Nokia.

Kürzlich bekamen Sie von der EU einen Kredit über 500 Millionen Euro zugesprochen, um in die Entwicklung des 5G-Standards zu investieren. Wie viel Entwicklung ist noch nötig?

Die Mobilfunk-Generationen – 3G, 4G, 5G – haben alle eine lange Lebensdauer. Wir werden auch 2025 noch 4G-Komponenten, respektive 5G-Komponenten in 2035, verkaufen. Daher wird noch viele Jahre in Forschung und Entwicklung für 5G investiert werden.

Wie können wir – Konsumenten und Unternehmen – von der 5G-Technologie profitieren?

Die 5G-Technologie orientiert sich nicht in erster Linie am Verbraucher, sondern ist vor allem für Unternehmen notwendig. Denken Sie an autonome Roboter, welche sich frei bewegen und kabellos untereinander kommunizieren können. Diese Kommunikation muss sich auf ein stabiles Netz mit hohen Bandbreiten stützen können. 4G kann diese Stabilität nicht gewährleisten. 5G kann das.

Legende: Video Siilasmaa über die Vorteile, welche 5G für die Industrie bringen kann (engl.) abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.09.2018.

Wie weit ist China, wenn es um die Entwicklung von 5G geht?

China ist heutzutage führend in mehreren Technologie-Sektoren. Bei der Entwicklung von 5G haben die USA die Nase vorn. China wird hier aber schnell nachziehen. Europa ist etwas langsamer unterwegs, was nicht sehr positiv ist. Europa sollte China im Auge behalten und sich sputen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Wie kritisch stufen Sie die Position Europas ein?

Für die Industrie kann 5G einen grossen Produktivitätssprung bringen. Wenn Europa hier nicht genügend investiert, werden die Negativeffekte auf die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Industrie-Unternehmen substanziell sein.

Legende: Video Siilasmaa über die Position Europas im weltweiten 5G-Wettbewerb (engl.) abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.09.2018.

Das Gespräch führte Stefanie Pauli.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Die Strahlenbelastung eines 5G-Netzes auf die Menschen und ihre Umwelt wurde viel zu wenig untersucht. Wenn der Mensch beim Versenden mehr überlegt was es wirklich versenden sollte und was nicht braucht es kein 5G-Netz.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Was dabei nicht berücksichtigt wird, USA wird China nicht kampflos an sich vorbei ziehen lassen und das Versuchen sie nicht nur Zolltechnisch sondern vorallem - und hier schauen nur wenige hin- über den Dollar und die Leitzinsen die sie sukzessive anzuheben versuchen; zu bewerkstelligen. Anders als Europa haben sie ein riesen Interesse die Leitzinsen anzuheben um die Chinesische Blase Platzen zu lassen, die Frage ist nur wie hat sich China darauf vorbereitet.
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber (Nivi)
    2017 unterzeichneten über 180 Ärzte und Wissenschaftler aus 36 Ländern den so genannten «5G-Appell» und forderten ein Moratorium. Sie warnen davor, «Millionen von Menschen einem Experiment mit unklaren Auswirkungen auf die Gesundheit auszusetzen». Auch Schweizer Ärzte warnten in einer Medienmitteilung. Das Hauptproblem: Die 5G Mikrowellen haben sehr kurze Wellenlängen von nur fünf Zentimeter bis drei Millimeter Länge. Konsequenz: Die Strahlenbelastung müsste dauerhaft massiv erhöht werden.
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