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Bericht zur Weltentwicklung Wenn Malaysia die USA überholt

Manche Industrieländer im Westen könnten der Digitalisierung eher zum Opfer fallen als ärmere Länder, sagt die Weltbank.

Legende: Audio Digitalisierung - eine Chance für Schwellenländer? abspielen. Laufzeit 04:23 Minuten.
04:23 min, aus Echo der Zeit vom 01.11.2018.

Der Schluss, zu dem die Weltbank in ihrem Weltentwicklungsbericht kommt, mag überraschen: Demnach sind Arbeitsplätze in den USA, Grossbritannien und Australien besonders gefährdet, der Digitalisierung zum Opfer zu fallen. Solche Länder seien schlechter auf die Digitalisierung vorbereitet, erklärt Simeon Djankov, Co-Direktor des Weltentwicklungsberichts.

Schlechter gebildet, schwächere soziale Sicherheit

Die Bevölkerung sei in den USA oder Grossbritannien viel schlechter gebildet als zum Beispiel die in der Schweiz. Auch die soziale Sicherheit sei schwach. Beides verstärke die Wahrscheinlichkeit, dass viele Leute in der Langzeitarbeitsosigkeit landeten, wenn die Digitalisierungwelle weiterrolle. Denn ohne ausreichende Grundbildung können Arbeitnehmer schlechter umgeschult werden.

Fischer spannen ihre Netze am Strand auf
Legende: Schwellenländer wie Vietnam hätten bei der Digitalisierung eine bessere Ausgangslage, meint Simeon Djankov. Reuters

In einer deutlich besseren Ausgangslage sieht die Weltbank viele asiatische Schwellenländer. Die vierte industrielle Revolution werde von Asien ausgehen, sagt Djankov. Nicht von China, sondern eher von Ländern wie Malaysia oder Vietnam.

Sie lägen im Rennen gegen amerikanische oder europäische Unternehmen weit vorn. Aus dem einfachen Grund, dass es dort vorher noch keine Industrie gab. Sie müssten also nicht erst traditionelle Arbeitnehmer umschulen, sondern könnten digital gleich in die Vollen gehen – und dann sehr schnell expandieren.

Grosse Unterschiede in Asien

Der Entwicklungsexperte Bernhard Herold vom Hilfswerk Solidar Suisse teilt die Einschätzung nur zum Teil. Der Erfolg dieser Länder dürfte extrem von deren Bildungssystem abhängen, sagt er. Und die Unterschiede seien recht gross: «Ein Land wie Vietnam mit einem sehr guten Bildungssystem wird Chancen haben, auch in einer digitalisierten Welt viele Arbeitsplätze bei sich zu behalten.»

Arbeitnehmer in Kambodscha, mit deutlich schlechterer Bildung, dürften dagegen auch viel schlechtere Chancen auf dem digitalen Arbeitsmarkt haben, sagt Herold. Die Gefahr, dass zum Beispiel in der Textilindustrie Roboter die Arbeitsplätze übernähmen, sei gross. Technisch sei es schon jetzt möglich, mit Näh-Robotern Hemden zu produzieren: «In der Textilindustrie sind hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet. Gleichzeitig wird wenig in die Bildung investiert. Deshalb sehe ich dort recht schwarz.»

Mann in einer Kleiderfabrik
Legende: Technisch wäre es bereits jetzt möglich, Kleider mit Näh-Robotern zu produzieren, sagt Bernhard Herold. Reuters

Auch der Weltentwicklungsbericht sieht das Problem – und empfiehlt den Regierungen, deutlich mehr in Bildung und in die Sozialsysteme zu investieren, damit die Arbeitnehmer digital durchstarten können.

Und auch für die nötige Finanzierung hat die Weltbank eine Empfehlung, die überraschend konkret ist: Die Regierungen sollten doch einfach die grossen Digitalkonzerne besteuern, fordert der Bericht.

Digitalsteuern – leichter gesagt, als getan

Brasilien und Südkorea hätten das zum Beispiel quasi im Alleingang gemacht, weil es international keinen Konsens über eine Digitalsteuer gäbe, sagt Simeon Djankov. Korea habe den digitalen Plattformen einfach angedroht, sie zu sperren, wenn sie nicht zahlten. Das habe gut funktioniert.

Digitalsteuern, um die Welt besser auf die Digitalisierung vorzubereiten: Das hat eine gewisse Logik. Aber das ist schneller gesagt als umgesetzt. Denn über die Besteuerung digitaler Konzerne wie Amazon oder Google diskutiert die Welt schon lange. Eine einvernehmliche Lösung ist noch nicht in Sicht.

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