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Billigkultur ahoi Warum der Päckli-Boom aus China nicht nur schlecht ist

Die Schweizer bestellen so viel in China wie nie – zum Leidwesen der heimischen Händler. Der Boom kennt auch Gewinner.

Neues Ausgangskleid, passende Handtasche dazu und noch ein Handy-Lautsprecher. Alles jeweils unter 10 Franken. Ein Fingertipp in der Smartphone-App und die Ware ist schon fast auf halbem Weg nach Hause. Wie lang der Weg effektiv ist? Für viele nicht wirklich relevant.

SRF News: Was passiert, wenn die Billigkultur langfristig weiter anhält oder sich sogar verschärft?

Guido Baldi: Diese Entwicklung ist ein Teil der Globalisierung, die bei vielen Produkten zu einem deutlich höheren internationalen Wettbewerb führt. In diesem Beispiel dürfte der ohnehin schon hohe Druck auf Schweizer Händler wohl weiter zunehmen und die Lohnentwicklung in diesem Bereich weiter gedämpft sein.

Durch die Billigkultur könnte es aber auch positive Auswirkungen in der Schweiz geben.

Falls durch die tieferen Preise der chinesischen Händler die gesamte Anzahl an Paketlieferungen zunimmt, profitieren möglicherweise die Post und andere Paketzusteller und deren Beschäftigte. Zudem bleibt durch die billigeren Preise den Schweizerinnen und Schweizern mehr Geld in der Tasche, das sie dann zum Beispiel in der Schweiz für Restaurantbesuche oder anderes ausgeben können.

Wer sind denn die Gewinner beziehungsweise die Verlierer der aktuellen Entwicklung?

Die Gewinner sind neben den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten die chinesischen Lieferanten und wohl die chinesischen Angestellten. Die chinesische Mittelschicht könnte so weiter wachsen. Zwischen den Ländern – in diesem Falle Schweiz und China – verringert sich so die Ungleichheit über die Zeit, während innerhalb der sogenannten entwickelten Volkswirtschaften die Ungleichheit eher am Zunehmen ist.

Was kann man gegen diese Entwicklung tun?

Es ist wichtig, die aktuellen Herausforderungen in Bezug auf die Globalisierung und den technologischen Wandel in der Gesellschaft zu diskutieren und den Prozess zu gestalten, nicht einfach hinzunehmen. Bei diesem Beispiel ist es wichtig, dass Falschdeklarationen so gut wie möglich verhindert werden.

Die Akzeptanz für den internationalen Handel wird verringert, wenn die Leute das Gefühl haben, dass nicht alle die gleichen Regeln befolgen.
Autor: Guido BaldiMakroökonom an der Universität Bern

Die Akzeptanz für den internationalen Handel, der grundsätzlich sehr positiv ist, wird verringert, wenn die Leute das Gefühl haben, dass nicht alle die gleichen Regeln befolgen. Das Beispiel mit den billigen China-Päckli zeigt gut, wie die Globalisierung es laufend notwendig macht, gesetzliche Regelungen anzupassen.

Sollte man als Billig-Konsument in der Schweiz ein schlechtes Gewissen haben?

Ich würde keiner Person in der Schweiz einen Vorwurf machen, die von den tiefen Preisen profitieren möchte. Gerade auch, wenn diese Person selbst wenig verdient. Der internationale Handel fördert unseren Wohlstand. Wichtig ist, dass Fragen der Globalisierung und der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit laufend diskutiert werden.

Das Gespräch führte Deborah Onnis.

Zur Person

Guido Baldi

Guido Baldi ist Makroökonom an der Universität Bern und am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Zudem ist er Mitglied von «reatch», einer jungen Denkfabrik für Wissenschaft, Technik und Gesellschaft.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Solange der Transport (Schiff, Flugzeuge) nicht für die Kollateralschäden (C02) die Sie verursachen haften müssen, wird diese unseelige Entwicklung leider weitergehen.
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Aber das Gros der China-Konsumenten singt sicher im Chor der Klimahysteriker lauthals mit. Verlogener geht’s ja kaum noch. Und auch die Politik, die uns ja ohne Ende von der Klimaerwärmung vorjammert, kümmert sich einen Dreck um diesen ökologischen Unsinn. Päckli, die innert 3 Tagen in der Schweiz sind, kommen allesamt via Flugzeug - was für eine Schweinerei.
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    1. Antwort von Silvan Zellberger (vorwärtsstattstillstand)
      Es ist nicht die Politik, Achim Frill, wir alle, also unsere tolle Konsumgesellschaft ist es, welche diese Nachfrage mit all ihren negativen Entwicklungen kreiert hat.Es ist sichtlich nicht die Politik, welche die Schuld trägt. So einfach ist es eben dann auch wieder nicht...WIR Konsumenten alleine sind die Übeltäter.
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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Ich sehe dies nicht als Teil der Globalisierung. Wie kann man von Globalisierung reden wenn die sozialen Strukturen so weit auseinander sind? Ich sehe dies eher als Ausnuetzung sozialer globaler Ungleichheiten. Ich denke eine wirtschaftliche Globalisierung ohne soziale Anpassungen und Standartisierung, ist der Bezeichnung Globalisierung nicht wert.
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