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Bis zu 50 Stellen bedroht Aus für den gedruckten «Le Matin»

Der Verlag Tamedia plant, «Le Matin» im Juli einzustellen. Die Mediengewerkschaft Impressum befürchtet in Lausanne fast 50 Entlassungen.

Legende: Video Aus für «Le Matin» abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 06.06.2018.

Das Aus für «Le Matin» kommt nach 34 Jahren: Die meistgelesene Bezahlzeitung der Westschweiz verschwindet voraussichtlich bereits diesen Sommer. Recherchen von «Schweiz aktuell» zeigen: der Zürcher Verlag Tamedia plant, «Le Matin» noch bis zum 22. Juli 2018 gedruckt erscheinen zu lassen. Danach wird der Titel laut Insidern nur noch im Internet geführt.

Kader von Tamedia informiert – Personal nicht

Intern hat die Direktion von Tamedia bereits einige Kadermitarbeiter über die Einstellung der Zeitung informiert – das Personal und die Öffentlichkeit sollen aber erst morgen Donnerstag informiert werden. Zuerst muss der Verwaltungsrat den Entscheid über die Zukunft von «Le Matin» formell noch absegnen. Intern sprachen Tamedia-Kader von 45 Entlassungen in Lausanne.

«Le Matin» schreibt zwar rund sechs Millionen Franken Verlust pro Jahr, hat aber in der Romandie einen hohen Stellenwert: Die Zeitung erreicht täglich 218'000 Leser und ist fester Bestandteil in jedem Westschweizer Bistro – bis zu diesem Sommer.

Gewerkschaft befürchtet bis zu 50 Entlassungen

Am Mittwoch hat die Mediengewerkschaft Impressum die Schlichtungsstelle für Arbeitskonflikte des Kantons Waadt informiert. «Wir befürchten die Kündigung von fast 50 Angestellten in Lausanne. 17 Journalisten von ‹Le Matin›, der Rest sind Fotografen, Grafiker und das Redaktionssekretariat», sagt Impressum-Zentralsekretärin Dominique Diserens.

Die Gewerkschaft fordert von Tamedia einen Entlassungstopp in den nächsten zwei Jahren. «‹Le Matin› gehört zum Erbe der Presselandschaft der Romandie. Seine Einstellung ist unverständlich», so Diserens.

Ex-Chefredaktor: «Grosser Fehler»

Verständnis dafür, dass Tamedia auch in der Romandie sparen muss, hat der ehemalige «Le Matin»-Chefredaktor Peter Rothenbühler. Er betont aber: «Tamedia macht wie viele andere Verlage einen grossen Fehler: Früher wurden Zeitungen durch Inserate querfinanziert, im Internet-Zeitalter nicht mehr. Das Ende des ‹Le Matin› ist eine grosse Sünde.»

Die Direktion von Tamedia plant laut Insidern jedoch, die Entlassungen in den nächsten Wochen bis Mitte Juli zu vollziehen.

«Le Matin» nur noch im Internet

Tamedia wollte gegenüber «Schweiz aktuell» keine Stellungnahme zu den Plänen abgeben bis der Verwaltungsrat den Entscheid über die digitale Zukunft von «Le Matin» formell abgesegnet habe. Durchgesickert ist hingegen, dass die Marke «Le Matin» im Internet weiter existieren soll. 10 der 45 Entlassenen sollen sich – so die internen Tamedia-Pläne – für Stellen für «Le Matin» online bewerben können.

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