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Boom bei Ladestationen ABB gibt bei Elektromobilität Gas

Legende: Audio Elektroautos: ABB ist führend bei Ladestationen abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
01:54 min, aus HeuteMorgen vom 19.07.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • ABB hat in den letzten Jahren das Geschäftsvolumen bei den Schnell-Ladestationen für Elektroautos vervielfacht.
  • Auch künftig will das Unternehmen in dieser Nische führend sein.
  • Zurzeit ist die Elektromobilität über weite Strecken noch ein Verlustgeschäft, dennoch sieht ABB eine Chance darin, in einem komplett neuen Geschäftsfeld künftig vorne mit dabei zu sein.

Unbekümmert losfahren, ohne an die nächste Ladestation denken zu müssen – das soll auch für Fahrer von Elektroautos zur Normalität werden. Private Unternehmen und staatliche Behörden bauen vielerorts das öffentlich zugängliche Netz mit Ladestationen zügig aus: Häufig kommt dabei eine Anlage von ABB zum Einsatz.

Wir haben es geschafft, jedes Jahr das Volumen zu vervielfachen. Und das werden wir auch in Zukunft machen.
Autor: Ulrich SpiesshoferKonzernchef ABB

Der Stromkonzern hat innerhalb weniger Jahre über 7000 Schnell-Ladestationen verkauft und ist damit Weltmarktführer. «Wir haben es geschafft, jedes Jahr das Volumen zu vervielfachen. Und das werden wir auch in Zukunft machen», sagt Ulrich Spiesshofer, Chef von ABB. Momentan stehe man in diesem Geschäftsfeld an der 100-Millionen-Grenze. Tendenz steigend. Und fügt hinzu: «Ich gehe davon aus, dass es ein Geschäft wird, das sich auch in den nächsten Jahren weiter multipliziert.»

ABB in der Schweiz

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Auch die Schweizer Standorte profitieren vom Elektro-Boom. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Dättwil (AG) werden die Ladestationen weiterentwickelt. In Turgi (AG) an der Leistungselektronik geschraubt. Und ein Genfer Team arbeitet im Bereich der Schnell-Ladesysteme an immer besseren Technologien.

Die Nachfrage ist in allen, von ABB abgedeckten, Regionen sehr hoch. Neben Europa und Amerika ist auch China ein aufstrebender Markt. Da ABB in China mit fast 20’000 Mitarbeitern und 6 Milliarden Umsatz eine starke Präsenz hat, kann sich der Konzern gut gegen die chinesische Konkurrenz behaupten. «Wir sind ein chinesisches Unternehmen in China», sagt Spiesshofer.

Vielversprechende Nische

Gemessen am gesamten ABB-Jahresumsatz von 34 Milliarden Dollar, bleibt diese Sparte vorerst eine Nische. Allerdings ist der Markt vielversprechend: Alleine in Europa sind momentan Dutzende Projekte mit insgesamt mehreren Hundert Schnell-Ladestationen geplant. Damit kann ein Elektroauto innerhalb von wenigen Minuten Strom für rund 200 Kilometer laden.

Zudem dürften in den kommenden Jahren Zehntausende an kleineren Ladestationen in Privathäusern, Einkaufszentren oder bei Parkplätzen hinzukommen, schätzt die EU.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer
Legende: Konzernchef Ulrich Spiesshofer setzt weiter auf die Elektromobilität. Keystone

Geschäftsfeld mit Potenzial

Gute Aussichten also für ABB – die Firma installiert und wartet im Auftrag von anderen Firmen Ladestationen, betreibt sie allerdings nicht selber, wie Spiesshofer sagt: «Wir werden sicherlich nicht in den Verkauf von Strom an Ladestationen einsteigen.»

Gewinnsprung im zweiten Quartal

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Dank des Sparkurses von Konzernchef Ulrich Spiesshofer konnte ABB den Gewinn im zweiten Quartal um 30 Prozent steigern. Dieser betrug 681 Millionen Dollar. Damit liegt das Resultat über den Schätzungen von Analysten. Dabei stagnierte allerdings der Umsatz: Er belief sich auf rund neun Milliarden Dollar. Das ist ein organischer Zuwachs von einem Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Der Ausblick von ABB sieht verhalten aus: Zwar wachse der weltweite Markt, obwohl die geopolitischen Unsicherheiten zugenommen hätten, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

Zurzeit lässt sich damit noch kein Geld verdienen. Die Elektromobilität ist über weite Strecken nach wie vor ein Verlustgeschäft – für die Autohersteller etwa, aber auch für die Betreiber von Ladestationen. Trotz gewisser Unsicherheiten: ABB winkt die Chance, bei einem komplett neuen Geschäftsfeldes vorne mit dabei zu sein.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Um den Strassenverkehr langsam aber stetig vom hohen Verbrauch unserer Erdöl-Produkte zu entlasten, ist das Elektro-Fahrzeug sicher eine Alternative. Nur, woher kommt künftig dieser hohe Mehrbedarf an elektrischem Strom? Wohl kaum von ein paar Windräder oder Sonnenkollektoren auf Hausdechern! Darüber äussern sich die militanten "Oeko-Ideologen" nie! Die ABB verdient mit elektrischen Anlagen schon immer viel Geld. Woher immer mehr Strom kommen wird, kann auch die ABB sicher lösen....!?
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    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Sonne, Wasser, Wind, Gezeiten... es gibt viele Quellen. Der Umstieg auf Nachhaltig muss aber gleichzeitig bei Autos und bei Stromproduktion stattfinden. Auto kann nicht einfach warten bis Strom komplett sauber ist.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Tellerwäscher)
    Ja genau, Gas Kohle und Atom werden es gemeinsam schaffen, uns den Strom zu bringen.
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    1. Antwort von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      Gewusst, dass wenn man den ganzen Strom für al(e E-Autos dummerweise aus Öl gewinnen würde (worst case), man trotzdem 2.5x weniger Öl benötigen würde? D.h. die Schweiz müsste 2.5x weniger Öl aus fragwürdigen Regionen teuer importieren. Aber real wird die Schweiz den Grossteil des Stromes für E-Autos im eigenen Land relativ sauber generieren... goldene Zeiten für unsere staatlichen Stromhersteller.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Warum immer gleich so negativ? Klar, die Politik in der CH setzt im Moment immer noch aufs falsche Pferd (die Abstimmung letztes Jahr ging wohl zu wenig deutlich aus?) Per heute sind über 50% der jährlichen Lieferung von Mühleberg mit PV abgedeckt, mit Ausbau über die letzten 6 Jahre. in dem Tempo benötigen wir bis 2024 um Mühleeberg vollständig zu ersetzen, was sicher viel zu langsam ist. Aber in 6 Jahren sind wir vielleicht auch schlauer?
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    3. Antwort von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      @Reuteler: ihr Vergleich ist Schönfärberei. Man kann mit PV allein nicht ein AKW ersetzen. Die PV Kapazität übers Jahr mit AkW Kapazität kann man machen, in der Realität ist so ein Vergleich aber sinnlos. Das alte PV Sonmerwinterproblem kann mit mehr PV Fläche nicht gelöst werden. Um Gaskraftwerke wird man kaum herumkommen. Sinnvolles Potential für PV sehe ich in Kombin. mit E-Auto. Allenfalls noch mit kleinem Stromspeicher zuhause ergänzt (mit dem Tagessolarstrom das E-Auto nachts aufladen).
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    4. Antwort von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      @Reuteler: Jahresleistung PV ≠ Jahresleistung AKW wegen Grundlast und PV Sommer Winter Problem. Speicher (Stausee, Pumpspeicher, Batteriespeicher) können etwas Gegensteuer geben, aber PV kann nie ein AKW 100% ersetzen. Als Zwischenlösung brauchts wohl sporadische Einsätze von Gaskraftwerken für Winter und Dunkelflauten (wie von Bund und Frau Leuthard schon vor Jahren vorgeschlagen).
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  • Kommentar von Pi Ru (Pi Ru)
    Ich finde es sehr gut von ABB auf diese Sparte zu setzen. Die Elektromobilität wird zu 100% kommen. Die reellen Reichweiten von Elektroautos sind ab nächstem Jahr zwischen 350-500 km.
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