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Online-Handel: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.07.2020.
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Boomender Handel im Internet «Man kann alles online kaufen»

Gemütlich auf dem Sofa sitzen und mit ein paar Mausklicks Schuhe kaufen, oder eine teure Uhr oder ein Trampolin. Der Online-Handel wächst jährlich um zehn Prozent. Dieses Jahr könnten es wegen des Corona-Lockdowns gar 30 Prozent werden.

Thomas Lang

Thomas Lang

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Der Betriebsökonom und Wirtschaftsinformatiker Thomas Lang ist Experte für E-Commerce, digitale Vertriebsmodelle und -strategien. Er gilt als einer der führenden digitalen Köpfe und Vordenker der Schweiz und ist Autor zahlreicher Fachartikel und -studien sowie Dozent für Onlinevertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen.

SRF News: Welches sind die grossen Player im Online-Handel in der Schweiz?

Thomas Lang: Der grösste Player auf dem Schweizer Markt ist Zalando. Mit über 900 Millionen Franken Umsatz ist das Unternehmen auch grösster Modehändler und grösser als alle Händler mit Ladengeschäften. Nummer zwei ist Digitec Galaxus mit über einer Milliarde Umsatz, wobei Galaxus auf Platz acht rangiert und separat gewertet wird. Eine grosse Nummer ist auch Amazon, der heute 25 Jahre alt wird. Dann kommen Brack und Microspot mit jährlichen Umsätzen von mehreren Hundert Millionen.

Der Online-Handel verzeichnet zehnprozentige Wachstumsraten. Wie kauft man in zehn Jahren ein?

Zehn Jahre sind lang. Ich gehe davon aus, dass es weiterhin Ladengeschäfte geben wird. Allerdings dürfte es ein hybrides Modell sein, wo man situativ Dinge im Laden oder online kauft. Wir werden vielleicht Artikel im Laden anschauen und sie uns nach Hause schicken lassen. Ansätze dazu existieren bereits und werden je nach Sortiment schon sehr erfolgreich praktiziert. Doch es wird alles noch viel enger verzahnt werden.

Die Ladengeschäfte werden wohl auf ein hybrides Modell umschwenken.
Autor: Thomas Lang

Die Ladengeschäfte bekommen eine neue Funktion. Eine Art Showroom, wo man Dinge anschauen kann und wo die Beratung wichtig ist. Vollgestopfte Regale mit Kleidern oder Büchsen dürfte es nicht mehr geben. Solche begehbaren Warenlager sind Vergangenheit. Also viel mehr Emotionalität und Erlebnis, während das Logistische im Hintergrund geschieht.

Was müssen die Läden tun, wenn sie überleben wollen?

Es gibt das Sprichwort «Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit». Tatsächlich wurden einzelne Branchen bereits hart getroffen. Etwa die Modebranche, wo in den letzten Jahren sehr bekannte Handelsketten verschwanden. Ebenso in der Elektronikbranche. Dafür kamen neue Händler wie Brack, Digitec und Microspot. So wird es auch in anderen Branchen ablaufen.

Sie sagen, die Schweiz stehe mit dem Online-Handel erst am Anfang. Was meinen Sie damit?

Es gibt bereits die reinen Online-Modelle, sogenannte Pure Player wie etwa Zalando, Digitec, Brack und dergleichen. Ganz viele andere Händler haben noch ein Dual- oder auch Omnichannel-System und stehen am Anfang. Sie machen erst zehn- bis höchstens 20 Prozent Umsatz online. Das ist zu wenig. Sie müssen Gas geben und Online-Werte von 30 bis 50 Prozent anstreben.

Die Läden müssen Gas geben. Zehn bis 20 Prozent Online-Umsatz sind zu wenig.
Autor: Thomas Lang

Das zeigt gerade die Coronakrise: Wenn ein Laden geschlossen ist, der online nur zehn Prozent Umsatz macht, kann allenfalls auf 20 Prozent verdoppeln, aber 80 Prozent fehlen. Es ist auch eine Risikobetrachtung. Wir werden uns wohl darauf einrichten müssen, dass es künftig vermutlich noch ähnliche Situationen geben wird, wie wir sie in den letzten Monaten erlebt haben.

Gibt es Produkte, die sich im Online-Handel nie durchsetzen?

Ich verfechte die These, dass man alles online kaufen kann. Vor zehn Jahren hat noch niemand geglaubt, dass das mit Schuhen geht, weil sie anprobiert werden müssten. Gleich klang es vor fünf Jahren bei Möbeln, weil man sich aufs Sofa setzen wolle. Auch bei Schmuck und Uhren wurde das Gegenteil bewiesen. Aktuell ist sogar der Online-Autokauf gross im Trend. Die Grenze liegt da, wo die Dinge nicht versendet werden können. Etwa eine Creme-Schnitte, die ich zwar online kaufen kann, aber der Transport von A nach B ist ein bisschen schwieriger.

Das Gespräch führte Manuel Ramirez.

SRF 4 News, 16.07.2020, 10:15 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Die Entwicklung alles im Onlineshop zu bestellen ist schlecht. Vergessen werden die vielen Arbeitsplätze am Standort in der Stadt/Dorf. Wie viele davon bestellen Online die eben einen Arbeitsplatz am Wohnort haben? Es werden Milliarden ins Ausland verlocht anstatt unsere Wirtschaft mehr zu unterstützen wo doch alle ihren Lohn in der Schweiz verdienen. Unsere Wohlstandsgesellschaft ist faul und bequem geworden, alles muss per Klick stattfinden, was nicht passt wird retourniert. Und die Umwelt?
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    1. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Ersetzen Sie "Onlineshop" durch "Warenhaus" und schon sind wir in den 1960ern, als die Warenhäuser für einen Kahlschlag bei den kleinen lokalen Geschäften gesorgt haben.

      Digitec Galaxus zeigt m.E
      gut, dass es nicht immer ein ausländischer Anbieter sein muss.
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  • Kommentar von Henriette Rub  (Sylou)
    Gratuliere, wir schaffen das. Bitte Bargeld abschaffen, bitte Kreditkarte benutzen, bitte folgt mir überall hin, wo ich gehe und stehe. Bitte gebt mir auch den Biometrischen Pass, dann kann ich damit ich Alles erledigen. Bitte, so habe ich viele Vorteile, solange ich Regimetreu bin. Anderseits wird es schwierig, dann werde ich nämlich ausgegrenzt.
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  • Kommentar von Patrick Steiner  (vb22)
    Ein Loblied auf den Online-Handel.
    Gratuliere allen, welche mit der Zeit gehen und sich immer mehr Ware nach hause liefern lassen.
    Vorreiter sind ja vornehmlich die Jüngeren.
    Nur etwas geht vergessen. Ich bestelle Kleider, Elektronik und Schuhe online. Das sind drei Lieferungen.
    Ich gehe in die Stadt und kaufe alles vor Ort. Das ist eine Fahrt, vielleicht sogar noch ÖV.
    Will die Jugend wirklich diese Entwicklung?
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    1. Antwort von Roland Wenger  (Roland T. Wenger)
      Abgesehen von den viel tieferen Preisen und der riesengroßen Auswahl online, ist es auch viel bequemer und Nerven schonender. Keine vollen Geschäfte, keine langen Wartezeiten an der Kasse und kein zum Teil unfreundlichen Personal.
      Früher hatte es bei Elektrischen Geräten Sinn gemacht im Fachhandel einzukaufen. Heute fällt auch das weg. Fragt man was spezifisches, dass nicht am Gerät angeschrieben ist, heißt es oft, dass kann ich ihnen nicht sagen.
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    2. Antwort von Daniel Stutz  (ElMathador)
      Der Lieferwagen der Post transportiert doch in einer Fahrt hunderte von Paketen, nicht nur Ihre drei?!
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