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Brummender EU-Wirtschaftsmotor «Schweizer Exporteure profitieren vom Aufschwung»

Die Aussichten sind gut für das nächste Jahr – trotz zahlreicher Meldungen über Stellenabbau. Weshalb das so ist, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktor Massimo Agostinis.

Massimo Agostinis
Legende: Der ehemalige Italien-Korrespondent ist seit 2015 für die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF tätig. SRF
  • Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco ist optimistisch: Für 2018 rechnet es mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und korrigiert damit frühere Prognosen nach oben.
  • Das deckt sich nicht unbedingt mit der gefühlten Situation, denn fast täglich hört und liest man von Stellenabbau in der Schweiz: Heute bei der Postfinance – 45 Stellen werden im Rahmen eines Sparprogramms gestrichen – gestern bei Rockwell, davor bei der Ruag.

SRF News: Wie begründet das Seco seinen neuen Optimismus für 2018?

Massimo Agostinis: Das Seco schaut in die Europäische Union. Dort brummt der Wirtschaftsmotor. Sogar Italien, der kranke Mann Europas, rappelt sich langsam auf. Portugal hat vor ein paar Tagen das «Ramsch»-Rating verloren. Es ist also wieder ein Land, in das man investieren kann und soll. Und weil die Schweiz vor allem in die EU exportiert – etwa 70 Prozent aller Güter gehen dorthin –, erwartet man, dass von dem Aufschwung auch die Schweizer Exporteure profitieren werden. Hinzu kommt, als kleine Konjunkturstütze, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro schwächer geworden ist. Das heisst, dass Schweizer Firmen, die Produkte in die EU exportieren, umgerechnet mehr Franken erhalten.

Als kleine Konjunkturstütze kommt hinzu, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro schwächer geworden ist.

Trotzdem scheinen sich in letzter Zeit Meldungen über Stellenabbau zu häufen. Wie passt das zum positiven Konjunkturverlauf?

Das Seco sagt, es gebe pro Monat etwa 25'000 Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt. Das sind Personen, die ihre Stelle entweder verlieren oder selber kündigen. Solange es in diesem Rahmen bleibt, ist man beim Seco nicht alarmiert. In Bezug auf die Fälle der letzten Tage weist das Seco daraufhin, das würde auch in den besten Jahren passieren: Firmen würden manchmal einfach verschwinden, sei es wegen Missmanagement, sei es, weil gewisse Produkte nicht mehr gefragt sind, oder weil ein Unternehmen das Gefühl hat, im Ausland mehr mehr Gewinn zu machen, wie es im Fall Rockwell im Aargau der Fall ist.

Das Seco erwartet im nächsten Jahr ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Wächst dann die Zahl der Beschäftigten automatisch?

Das ist nicht immer so, aber das Seco erwartet, dass es nächstes Jahr so sein wird. Dieses Jahr verharrt die Arbeitslosigkeit bei etwa 3,2 Prozent, wird prognostiziert. 2018 soll sie dann auf 3 Prozent sinken. Das heisst, im Laufe des nächsten Jahres wird der Aufschwung auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar sein.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Letizia Stefani (Stefani)
    Was ist mit all den HR-, IT- und Buchhaltungsstellen, die von vielen grossen Unternehmen von der Schweiz ins Ausland ausgelagert wurden? Kommen diese Jobs dann wieder in die Schweiz zurück? ;-)
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Wie sollten sie? So etwas passiert nicht einfach so. Es ist wie bei Wasser. Runter läuft es von selbst. Aber sicher nicht hinauf. Da muss man es pumpen.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Wie hiess es in diesem Blog von grundsätzlich überzeugten EU Gegnern als der Wert des Franken vor einigen Monaten zu sinken begann: „Der Aufschwung der EU wird höchstens einige Wochen halten“, „die EU wird weiter untergehen“ etc. Und jetzt, einige Monate später? Gerade die Gegner der EU und des Freihandel, grösstenteils wohl neoliberal denkende Leute, soltten endlich einsehen, das die EU zwar so schwerfällig wie die Schweiz ist, wir aber ohne sie gar nicht funktionieren können.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Die Schweiz kann problemlos ohne EU funktionieren. Es sagt ja niemand dass die Schweiz ohne die umliegenden Länder funktionieren muss. Übrigens habe ich nicht viele Beiträge gesehen wo wie bei Ihnen der Wert des € und der Zustand der EU vermischt respektive verwechselt wurde. Auch ist nicht der Wert des Franken gesunken sondern der Wert des € ist gestiegen.
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