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Wirtschaft Bruttoinlandprodukt nach Frankenschock gesunken

Es ist der erste Rückgang seit dreieinhalb Jahren: Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) hat im ersten Quartal leicht abgenommen, um 0,2 Prozent. Dank dem Privatkonsum sind die Zahlen nicht noch stärker abgerutscht.

Legende: Video Schweizer Wirtschaft schrumpft abspielen. Laufzeit 00:41 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.05.2015.

Das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz (BIP) ging im ersten Quartal des laufenden Jahres um 0,2 Prozent zurück. Sorgen bereiten vor allem die Warenexporte.

Diese nahmen laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) um 2,3 Prozent ab. Für den Rückgang mitverantwortlich sind praktisch alle Sektoren, insbesondere der Bereich Chemie/Pharma.

Das Seco weist darauf hin, dass der Rückgang in der Schweiz mit einer besseren europäischen Konjunktur kontrastiert. Das mache deutlich, dass die Währungssituation die Konjunktur deutlich gebremst und auf die Realwirtschaft durchgeschlagen habe.

Wachstum bei den Dienstleistungen

Es gibt aber auch Lichtblicke: Die Dienstleistungsexporte nahmen im ersten Quartal 2015 um 3 Prozent zu. Noch deutlicher ist der Anstieg bei den Dienstleistungsimporten mit 7,5 Prozent. Doch nicht alle Dienstleistungsexportsektoren haben geglänzt: Das Seco bestätigte auf Anfrage von SRF News einen Rückgang von 1 Prozent im Tourismus.

Positiv entwickelt hat sich der Konsum. Er hat unter anderem verhindert, dass der starke Franken die Wirtschaftsleistung noch stärker herunterdrückte. So stiegen die Ausgaben der privaten Haushalte und Organisationen um 0,5 Prozent; die Konsumausgaben von Staat und Sozialversicherungen um 0,1 Prozent.

Auf der Produktionsseite sieht das Bild nicht einheitlich aus: Das Gastgewerbe muss einen starken Rückgang von 3,8 Prozent einstecken. Der Gesundheitssektor stieg dagegen um 1,6 Prozent, das Baugewerbe verzeichnete viele Aufträge und konnte sich um 1,1 Prozent steigern.

Wegen Frankenstärke damit gerechnet

Der Rückgang des BIP kommt nicht überraschend: Nach der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) haben Ökonomen mit einer vorübergehend tieferen Wirtschaftsleistung in der Schweiz gerechnet.

Diese ist im ersten Quartal nun aber noch tiefer ausgefallen als erwartet. Bei dem Minus von 0,2 Prozent handelt es sich um den ersten BIP-Rückgang seit langem. Letztmals gesunken war das Bruttoinlandprodukt im dritten Quartal 2011. Im ersten Quartal 2014 lag es noch 0,5 Prozent im Plus.

Für Heinz Karrer, Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, gibt die aktuelle Entwicklung Anlass zur Sorge. Der «Kostenschock» durch den Währungsentscheid der SNB sei «fatal» für den Wirtschaftsstandort Schweiz, sagt er zu SRF News.

Er respektiere aber die Unabhängigkeit der SNB. Deshalb seien jetzt Politik und Wirtschaft gefordert. «Wir müssen alles unternehmen, damit sich die Rahmenbedingungen nicht noch zusätzlich verschlechtern.»

Quartalsergebnis wenig aussagekräftig

Eric Scheidegger, Seco-Leiter für Wirtschaftspolitik, ist nicht überrascht vom BIP-Rückgang. «Nach der Frankenaufwertung von Mitte Januar musste man mit einer starken Eintrübung der Konjunktur rechnen», sagt er.

Er geht davon aus, dass dies – zumindest vorläufig – der Abschluss einer bisher guten Wirtschaftskonjunktur bedeutet.

Es handle sich aber nur um das Ergebnis eines Quartals, und Quartalsergebnisse seien immer mit Vorsicht zu geniessen, relativiert das Seco. Wie lange die negativen Währungseffekte andauern werden, sei derzeit noch unklar.

In zwei Wochen werde das Seco seine BIP-Prognosen für die Jahre 2015 und 2016 veröffentlichen. Scheidegger schickt voraus: «Wie auch immer sich die Wirtschaftsentwicklung in den nächsten Wochen und Monaten aufhellen wird, das laufende Jahr wird kein starkes Jahr sein.»

Wachstum auf tiefem Niveau

Die Aufwertung des Frankens dämpft die Stimmung. Zwar steigt das KOF-Konjunkturbarometer im Mai auf 93,1 von revidiert 89,8 Punkten im April. Die Verbesserung erfolge aber von einem tiefen Niveau aus, wie die Konjunkturforschungsstelle der ETH mittelte. Die Wirtschaft dürfte demnach in nächster Zukunft weiter deutlich unterdurchschnittlich wachsen.

Nationalbank soll eingreifen

Die angespannte Wirtschaftslage ist auch Thema an der Delegiertenversammlung des Gewerkschaftsbundes (SGB). Die Arbeitnehmervertreter sorgen sich um Arbeitsplätze und Löhne hierzulande. Chefökonom Daniel Lampart fordert von der SNB, den Franken mit einem neuen Kursziel deutlich zu schwächen: «Der Franken muss uns nützen, er darf uns nicht schaden.»

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