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Slots am Flughafen Zürich Buhlen um die begehrten Start- und Landezeiten von Air Berlin

Mit der Abwicklung von Air Berlin stellt sich die Frage, wer deren Slots am Flughafen Zürich übernimmt.

Legende: Audio Wer erhält die begehrten Slots von Air Berlin am Flughafen Zürich? abspielen.
2:17 min, aus HeuteMorgen vom 29.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird derzeit zerlegt. Bis Ende November werden neue Eigentümer für die Flugzeuge, das Personal und die Infrastruktur gesucht.
  • Neu vergeben werden dann auch die so genannten Abflug- und Landeslots, die Air Berlin bislang am Flughafen Zürich beansprucht. Interessenten dürfte es dafür geben.

Flughafen Zürich, Abflughalle eins. Vor einer grossen Anzeigetafel steht Roland Hunziker, gewissermassen der Hüter der Abflugs- und Landezeiten. «Um 10.45 Uhr zum Beispiel fliegt eine Air Berlin nach Berlin-Tegel.» Bei dieser Zeit handle es sich um den sogenannten Airport-Slot.

Für jeden Start und jede Landung wird je ein Slot vergeben. Durchschnittlich sind es über 700 pro Tag am Flughafen Zürich. Für die Zuteilung und Koordination dieser Slots ist eine neutrale Organisation zuständig, die Slot Coordination Switzerland. Dort ist Hunziker angestellt.

Interessante Slots

Air Berlin beansprucht rund 20 Slots pro Tag. «Die Fluggesellschaft verfügt über sehr interessante Zeiten», sagt Hunziker. Man könne davon ausgehen, dass auch die neuen Eigentümer ein sehr grosses Interesse an diesen Zeiten hätten.

Bis Ende November braucht Air Berlin die Slots selbst – solange sollte das Geld reichen. Und dann? Wer sind die neuen Eigentümer? Bis diese Frage geklärt ist, bleiben die Slots blockiert, wie Hunziker erklärt. «Die Slots sind Teil der Masse der Air Berlin und gehen an den neuen Eigentümer über.» Aus diesem Grund müsse seine Organisation die Slots zurückbehalten. Das ist im internationalen Luftfahrtrecht so festgelegt.

Mehrere Monate

Das gilt auch dann, wenn die Slots nicht genutzt werden. Für den Flughafen Zürich hiesse das: weniger Einnahmen, weil weniger Passagiere fliegen. Gleichzeitig würden die Infrastruktur-Kosten – etwa für die Sicherheit – unverändert bleiben.

Air Berlin verfügt über sehr interessante Zeiten, und wir können davon ausgehen, dass die neuen Eigentümer ebenfalls ein sehr grosses Interesse an diesen Zeiten haben.
Autor: Roland HunzikerSlot Coordination Switzerland

Hinzu kommt, dass die Abwicklung von Air Berlin eine komplexe Angelegenheit ist. Es dürften mehrere Monate vergehen, bis Klarheit herrsche, sagt Hunziker. «Die Erfahrung aus dem Übergang von der Swissair zur Swiss zeigt, dass sich dieser Prozess recht lange hinziehen kann.»

Das Kürzel «AB» für «Air Berlin» dürfte auf den Anzeigetafeln rasch weg sein. Bis allerdings auch die Slots übertragen oder gar neu vergeben sind, dürfte es mindestens Frühling werden.