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Wirtschaft «China hat Afrika Hoffnung gegeben»

Afrikas Wirtschaft wächst dank Milliarden aus dem Ausland, vor allem aus China. Noch profitieren längst nicht alle Afrikaner vom Aufschwung, und das chinesische Engagement ist umstritten. Dennoch sieht der Basler Soziologe Elisio Macamo darin mehr Segen als Fluch.

Seit der Jahrtausendwende erlebt die Wirtschaft Afrikas einen markanten Aufschwung, der Kontinent gehört zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen der Welt.

Für Elisio Macamo, Professor am Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel, ist dies in erster Linie der gestiegenen Nachfrage aufstrebender Länder – wie Brasilien, Indien und China – nach Rohstoffen zu verdanken: «Der Ressourcen-Hunger Chinas ist entscheidend», sagt der Soziologe aus Mozambique. Mit seinen riesigen Investitionen habe China «dem afrikanischen Kontinent Hoffnung gegeben».

Intransparente Deals mit afrikanischen Machthabern und teils schlechte Arbeitsbedingungen seien zwar Schattenseiten des Engagements, unter dem Strich sei es aber eindeutig ein Segen.

Legende: Video Elisio Macamo über europäische Überheblichkeit abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus ECO vom 20.01.2014.

Kritische Stimmen sehen in Chinas Engagement eine Art Neo-Kolonialismus eines autoritären Regimes, das Menschenrechte ignoriere. «Das hindert Frankreich, Deutschland oder die Schweiz nicht daran, Geschäfte mit China zu machen», entgegnet Macamo.

In der Vergangenheit seien mehrere korrupte Regimes in Afrika von europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten gestützt worden – etwa jenes im Kongo, wo Mobutu von 1965 bis 1997 herrschte. Insofern «haben westliche Gesellschaften kein Copyright auf die Achtung von Menschenrechten».

Einkommen sehr ungerecht verteilt

Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs wächst in vielen der 54 Volkswirtschaften Afrikas zwar eine Mittelschicht heran. Von den ausländischen Investitionen profitieren die Bewohner jedoch ganz unterschiedlich.

Grafik zur Einkommensverteilung
Legende: Erhebliche Ungleichheit: Bis zur Hälfte des gesamten Einkommens geht in Afrika an die reichsten 10 Prozent. SRF/Weltbank/African Progress Report

Im Senegal etwa verdienen die ärmsten zehn Prozent nur 2,5 Prozent des gesamten Einkommens, den reichsten zehn Prozent dagegen fliessen 30 Prozent zu. Noch ungerechter ist die Verteilung gemäss dem African Progress Report in Ghana: 2 Prozent für die Ärmsten, 33 Prozent für die Reichsten. Und in Südafrika kommt den ärmsten zehn Prozent nur rund ein Prozent des gesamten Einkommens zu, den reichsten dagegen über die Hälfte.

«Wir sind nicht am Ende des Prozesses, also können wir heute auch nicht sagen, dass am Schluss nur wenige profitieren», ermahnt Elisio Macamo jene, die in der ungerechten Verteilung Indizien für einen nicht nachhaltigen Aufschwung sehen. Auch in Europa seien die Einkommen vor 70 oder 80 Jahren viel ungerechter verteilt gewesen als heute.

Legende: Video Elisio Macamo zum Thema Umverteilung abspielen. Laufzeit 00:52 Minuten.
Aus ECO vom 20.01.2014.

Damit künftig eine breitere Schicht vom Aufschwung profitiert, müsse die Bevölkerung von den Regierungen mehr Umverteilung verlangen, fordert Macamo – und das geschieht in seinen Augen zunehmend: «Das gesellschaftliche Bewusstsein für richtiges Regierungshandeln ist enorm gewachsen in den letzten Jahren». Es sei heute nicht mehr so, dass Regierungen einfach Entscheide treffen könnten, ohne sie vor der Bevölkerung vertreten zu müssen.

«ECO»-Serie Afrika

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Aufschwung, Abenteuer, Ängste: In drei Teilen berichtet das Wirtschaftsmagazin «ECO» über Schweizer Unternehmer in Afrika. Vom 20.1. bis 3.2. – immer montags.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Die suedafrikanische Textilindustrie zB ist unterdessen praktisch Inexistent... weil billig aus China.. Die Arbeitsvertraege sind schlecht (Chrommine Lydenburg Mpumalanga SA wurde zB an die Chinesen verkauft..., wird aber trotz Gesetzen toleriert weil eben China..) Aber das will niemand hoehren... stoert den Wirtschaftsfrieden...
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Elisio Macamo ist ein sehr sympathischer Typ und das lässt doch hoffen für Afrika. Zu hoffen bleibt auch, dass das so in diese Richtung weitergehen kann. Und das da mit der sog. "Europäischen Ueberheblichkeit", da hat er ja nüchtern betrachtet auch wirklich völlig recht. - Hoffentlich zerstören die "Kolonialmächtigen" diesen hoffnungsvollen Anfang nicht einfach wieder, damit sie den sog. Zugriff auf die Rohstoffe sich aneignen können.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Interessant. Die ruchlosen Chinesen, die Afrika schröpfen wie die Heuschrecken, werden als Heilbringer gefeiert, aber die Weissen, die dort über die Jahrzehnte Milliarden an Entwicklungshilfe locker gemacht haben, werden als Ausbeuter dargestellt.
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    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Die Chinesen machen es raffinierter als die Europäer, die schicken gleich die eigenen Leute hin, um die finanzierten Projekte auszuführen. So wird verhindert, dass die "Entwicklungshilfe" nicht in die falschen Hände fliesst und für Waffeneinkäufe verwendet wird. Und als Gegenleistung bekommen sie Rohstoffe. Offensichtlich haben die Asiaten aus den Fehlern der Weissen gelernt...
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Björn Christen in Bern, beachten Sie einfach mal die "Geschichte", nur zB. die Geschichte der letzten 100 Jahre der Europäer in Afrika ! - Dann haben Sie plötzlich ein AHAAA-Erlebnis und begreifen sofort, dass das natürlich vor Ort da "massive Flurschäden" hinterlassen hat, die nicht so einfach verheilen können. - Also ich würde da nicht so "herren-rassen-arroganz-mässig" ausrufen. Da wurde sehr viel verbockt, zu viel um es einfach vergessen zu können, oder es unter den Teppich zu kehren.
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