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Christoph Brand, Axpo: «Im schlimmsten Fall würde eine Zahlungsunfähigkeit drohen»
Aus News-Clip vom 06.09.2022.
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Christoph Brand im Interview Axpo-CEO: «Ein zu grosses Erdbeben erschüttert jedes Fundament»

Der Energiekonzern Axpo hat beim Bund um Hilfe gerufen. Sein Chef sagt: Die Versorgungssicherheit sei sonst in Gefahr.

Axpo hat um Hilfe gerufen, und der Bund hat das Unternehmen erhört. Der Bundesrat hat einen Rettungsschirm über dem Energie-Unternehmen aufgespannt. Nun kann Axpo beim Bund kurzfristig nachrangige Darlehen von bis zu vier Milliarden Franken abrufen. Bisher hat der Stromkonzern den Kreditrahmen nicht aktiviert.

Im Interview rechtfertigt Axpo-Geschäftsführer Christoph Brand diesen Schritt in Zeiten, in denen Stromkonzerne gutes Geld verdienen.

Christoph Brand

Geschäftsführer Axpo

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Seit Mai 2020 führt Christoph Brand das Energieunternehmen Axpo. Zuvor war der Konzern interimistisch von Verwaltungsrats-Präsident Thomas Sieber geleitet worden, nachdem Andrew Walo das Unternehmen verlassen hatte.

Vor seinem Antritt bei Axpo hatte der Ökonom mehrere CEO-Posten bei digital ausgerichteten Unternehmen wie TX Markets, Adcubum, Sunrise oder Bluewin inne.

SRF News: Wieso wurde dieser Rettungsschirm nötig?

Christoph Brand: Ob er dann wirklich nötig ist, wissen wir noch nicht. Aber wir waren – dem Vorsichtsprinzip gehorchend – der Meinung, dass wir nicht ausschliessen können, dass es noch einmal massive Erschütterungen an den Energiemärkten gibt, welche uns kurzfristig vielleicht überfordern könnten, punkto Liquidität.

Was heisst das konkret?

Wenn wir den Strom, den wir in der Schweiz produzieren, verkaufen, machen wir das Jahre im Voraus. Davon profitieren die Kunden, so wie jetzt. Sie haben den Strom in der Vergangenheit zu viel günstigeren Konditionen eingekauft, als sie heute auf dem Markt bezahlen müssten.

Im schlimmsten Fall würde eine Zahlungsunfähigkeit drohen.

Wir müssen gemäss den Börsenregulatorien Sicherheiten hinterlegen. Und wenn die Preise steigen, müssen wir immer mehr Sicherheiten hinterlegen. Nun haben sich die Preise innerhalb von ganz kurzer Zeit verzehnfacht.

Wie gravierend ist die Situation?

Zwischen Mitte August und Anfang September sind die Ausschläge hoch geworden, in sehr kurzer Zeit. Wenn wir uns das noch zwei oder drei Mal schlimmer vorstellen – jedes Fundament wird irgendwann einmal von einem Erdbeben erschüttert, wenn es zu gross wird. Für diese Eventualität wollten wir gerüstet sein, auch im Interesse der Versorgungssicherheit der Schweiz.

Was würde ohne diesen Kredit geschehen?

Im schlimmsten Fall könnten wir unsere Verpflichtungen gegenüber den Leuten, die uns den Strom abgekauft haben, oder gegenüber der Börse, nicht erfüllen. Dann würde eine Zahlungsunfähigkeit drohen.

Sie machen einerseits Gewinne und brauchen trotzdem dieses Geld. Können Sie das erklären?

Das ist der Unterschied zwischen Profitabilität und Liquidität. Steigende Strompreise sind für einen Produzenten von Strom a priori gut – auch wenn sich das bei uns erst mit Verzögerung einstellen wird.

Die Liquidität ist eine kurzfristige Manövriermasse. Diese Sicherheiten, die wir hinterlegen müssen, sind ähnlich wie ein Mietzins-Depot. Und wenn sie plötzlich jeden Tag Mietzins-Depots hinterlegen müssen von Hunderten Millionen oder schlimmstenfalls von mehr als einer Milliarde Franken in einem Tag, dann haben sie vielleicht tolle Aussichten, aber sie haben kurzfristig einen Liquidität-Engpass.

Das Gespräch führte Harry Stitzel.

Heute Morgen, 6.9.2022, 6:00 Uhr ; 

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