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CO2 absaugen und recyceln Klimaschutz: Schweizer Technologie spielt vorne mit

Zu sehen sind die Ventilatoren der Firma Climeworks, die CO2 aus der Luft aufsaugen und an eine Gärtnerei weiterleiten.
Legende: Die Ventilatoren-Anlage in Hinwil/ZH, die CO2 aus der Luft aufsaugt und an eine Gärtnerei weiterleitet. ZVG
  • CO2 aus der Luft herausfiltern und als Rohstoff wiederverwerten: Diese Technologie hat eine Firma mit Sitz in Hinwil/ZH entwickelt.
  • Das abgesaugte CO2 wird in ein benachbartes Gewächshaus geleitet und sorgt dort dafür, dass angebautes Gemüse schneller wächst.
  • Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Doch Klimafachleute attestieren ihr grosses Zukunftspotential.

Den Ausstoss von CO2 zu reduzieren, reicht allein nicht, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Dazu braucht es neue Technologien mit dem Ziel, das CO2 aus der Luft abzusaugen. In Hinwil/ZH ist seit dem Frühjahr 2017 eine Anlage in Betrieb, die mit Ventilatoren CO2 nicht nur herausfiltert, sondern auch an Kunden zur Weiterverwendung verkauft. Betrieben wird diese Anlage von der Firma Climeworks, ein Spinoff-Unternehmen der ETH Zürich.

Die Anlage steht auf dem Dach einer Kehrrichtverbrennungsanlage, von der sie Strom und Wärme bezieht. Über eine Leitung gelangt das CO2 in eine nahegelegene Gärtnerei und sorgt dafür, dass das Wachstum der dort angebauten Pflanzen wie Tomaten oder Salat erhöht wird. Als potentielle Kunden kommen für die Firma auch Getränkehersteller in Frage, die mit dem zurückgewonnenen CO2 den Sprudel in ihre Durstlöscher bringen könnten.

Der Beitrag, den die Anlage an den globalen Klimaschutz leistet, ist noch sehr gering. Heute werden rund 900 Tonnen CO2 pro Jahr aus der Luft gefiltert. So viel, wie 150 Schweizer im Schnitt ausstossen. Valentin Gutknecht, Sprecher von Climeworks, ist überzeugt, dass sich diese und auch andere Technologien in den nächsten Jahren weiter ausbreiten.

Unser Ziel ist es, bis 2025 ein Prozent der jährlichen globalen Emissionen einzufangen.
Autor: Valentin GutknechtClimeworks

In fernerer Zukunft könnte, so die Vision von Climeworks, auf jedem Haus ein CO2-Ventilator stehen, vorzugsweise gleich neben der Photovoltaik-Anlage. Doch dazu müsste die Technologie noch günstiger werden.

Die Ventilatoren der Zürcher Firma haben auch an der Klimakonferenz in Bonn zu reden gegeben. Auch dort attestierten Fachleute dieser Technologie grosses Zukunftspotential.

Climeworks hat eine interessante Technologie zur Filterung von CO2 aus der Umgebungsluft entwickelt, die in den nächsten 20 der 30 Jahren eine wichtige Rolle spielen wird.
Autor: Brad PageCEO des Global Carbon Capture and Storage Institute, Docklands (Australien)

Umweltschützer aber warnten in Bonn davor, zu stark und zu schnell auf die CO2-Ausscheidungstechnologien zu setzen.

Wir sollten uns erstmals um das Potential natürlicher Lösungen kümmern. Es gibt eine sehr bewährte Methode, CO2 aus der Atmosphäre zu holen. Das ist die Photosynthese.
Autor: Christoph ThiesWald- und Klimaexperte bei Greenpeace

Jeder Baum holt CO2 aus der Atmosphäre, sagt der Wald- und Klimaexperte Christoph Thies von Greenpeace. Deshalb sollten in erster Linie neue Bäume gepflanzt und leidende Wälder renaturiert werden. Das stärke auch die Artenvielfalt.

Technologien zur Filterung von CO2 sind nicht neu. Heute gibt es weltweit 17 grosse Anlagen, die CO2 von Kohle- und Gaskraftwerken oder der Schwerindustrie ausscheiden. Dieses CO2 wird aber nicht weiter verwendet, sondern verdichtet und Kilometer tief in den Boden gepumpt. Neu ist, das herausgefilterte CO2 für die Produktion von Kraftstoffen weiterzuverwenden und so den Kohlestoff-Kreislauf zu schliessen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Der Mensch, ein abstruses Wesen! Zuerst die Welt zerstören und dann mittels Milliarden künstlich regenerien = weitere "Übelbekämpfung" ....??Ohne Mensch und dessen Ausbeutungs- Vergiftungs- Verstrahlungs = Zerstörungswut, würde das Ökosystem auf der ganzen Welt funktionieren!! Die Verursachung dieses Desasters weltweit, ist der "homo sapien",auch genannt "Mensch"! Ein Denk-Prozess, könnte zur "Einsicht" führen - bei sich selber beginnen!
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Es ginge auch deutlich einfacher und effizienter: Zuwanderung bzw. Bevölkerungsexplosion dämpfen und dafür mehr Bäume!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Mit der Eindämmung der Bevölkerungszunahme auf dem Planeten bin ich mit Ihnen einig. Sie schreiben dieser Massnahme aber eine einfachere Umsetzung zu. Da bin ich gespannt auf Ihre konkreten und v.a. EINFACH realisierbaren Vorschläge; meine Fantasie reicht dazu nicht aus. (Geschlossene Landesgrenzen, wie sie hier so gerne als EINFACHE Lösung propagiert werden, verändern das Fortpflanzungsverhalten jedenfalls nicht.)
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Stellt euch mal vor, Climeswork hätte den Baum erfunden! Der Baum bindet CO2, ist gut für den Wasserhaushalt im Boden, wirkt im Sommer als Klimaanlage, ist Lebensraum für Vögel und Insekten und das Beste zuletzt: braucht keinen Strom!! Bingo! Hätte Climeswork den Baum erfunden, dafür gäbe es den Nobelpreis, man würde Wälder aufforsten und wäre total stolz auf das Wunderding. Leider hat Climeswork nur den CO2-Ventilator entwickelt....
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    1. Antwort von David Brunner (db)
      Das Wunderding Baum wurde eben schon lange vor dem Climedings erfunden. Nur schätzen wir es zu wenig!
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