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Uran ist wieder gefragt
Aus Echo der Zeit vom 23.09.2021.
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Comeback der Atomenergie? Der Uran-Preis schiesst durch die Decke

Die Nachfrage nach Uran steigt. Der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas scheint der Atomenergie Auftrieb zu geben.

Alleine in den letzten zwei Wochen wurde Uran 50 Prozent teurer – ein Pfund kostet nun 50 Dollar, so viel wie letztes Mal 2014.

Für den steilen Anstieg mitverantwortlich seien Finanzinvestoren, sagt Nick Lawson von der Londoner Handelsfirma Oceanwall. Dasselbe Szenario habe man 2006 schon erlebt. Damals schoss der Preis für Uran von 20 auf 137 Dollar pro Pfund hoch. «Die Rally hat erst gerade begonnen. 2007 wurde Uran in weniger als einem Jahr siebenmal teurer. Jetzt hat sich der Preis erst verdoppelt. Ich glaube, Uran wird noch viel teurer.»

Eine wichtige Rolle im Uranmarkt spielt die kanadische Sprott Asset Management. Sprott kauft seit dem Sommer für Anleger physisches Uran. Bereits liegen 23'000 Tonnen davon in Lagern in Frankreich, Kanada und den USA. CEO John Ciampaglia setzt auf Uran.

Legende: Jahrelang wollte niemand mehr etwas mit Uran zu tun haben. Nach der AKW-Katastrophe von Fukushima verabschiedeten sich viele Länder von der Idee, neue AKWs zu bauen, Uran-Minen wurden dicht gemacht, der Preis für Uran fiel ins Bodenlose. Doch seit August schiesst der Uranpreis regelrecht in die Höhe. Reuters

Ciampaglia geht davon aus, dass nur Nuklearenergie vorübergehend das Energieloch stopfen könne, das der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hinterlasse: «Die CO2-Ziele vieler Länder für 2050 sind aggressiv. Immer mehr Regierungen realisieren, dass Atomstrom Teil der Lösung sein muss, will man die Ziele erreichen.»

Die World Nuclear Association rechnet damit, dass wegen des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen bis 2040 fast 135'000 Tonnen Uran jährlich gebraucht werden. Heute sind es 81'000 Tonnen. Das sei schon mehr, als heute aus den Minen geholt würde, sagt der unabhängige Finanzanalyst Larry McDonald. Der Markt sei bereits jetzt unterversorgt: Grosse Anleger hätten das kommen sehen und schon vor Monaten begonnen, Uran zu kaufen.

Legende: Aus den Minen wurde im letzten Jahrzehnt viel weniger Uran herausgeholt, weil das Interesse an der Nukleartechnologie nach der Katastrophe von Fukushima stark sank. Der Uranpreis kollabierte. Minen wurden dicht gemacht. Der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas scheint der Atomenergie Auftrieb zu geben. Reuters

Weltweit sind zurzeit 54 Kernkraftwerke im Bau. Der Preisanstieg habe deshalb auch sein Gutes, sagt Lawson. Je teurer Uran, desto eher lohne es sich, geschlossene Uranminen wieder zu öffnen. Denn grundsätzlich gebe es genug Uran auf der Welt.

Auch Ciampaglia sieht steigende Uranpreise als notwendige Bedingung, um die Welt mit genügend Uran zu versorgen: «Der Preis muss steigen, damit die Minenfirmen genügend Anreize haben, mehr Uran zu fördern. Steigt der Preis nicht an, werden Rohstofffirmen weiterhin zu wenig Uran aus dem Boden holen.» Und das würde den Uranpreis erst Recht in die Höhe katapultieren, weil Angebot und Nachfrage noch stärker aus dem Gleichgewicht gerieten.

Der steile Preisanstieg in sehr kurzer Zeit ruft auch Kritiker auf den Plan, die fürchten, Finanzinvestoren könnten den Markt monopolisieren. Ciampaglia hält das für Unsinn: «Märkte brauchen verschiedene Teilnehmer. Gerade bei Rohstoffen gibt es Endnutzer, Spekulanten, Investoren, Händler. Sie alle sorgen dafür, dass Märkte liquide sind und es genug Informationen gibt.»

Atomkraftwerke müssen Uran besitzen. Es gibt keine Alternative dazu. Der Preis ist dabei fast egal.
Autor: Nick Lawson Handelsfirma Oceanwall

Auch Finanzanalyst McDonald hält es für zu einfach, mit dem Finger auf die Finanzgemeinde zu zeigen. Der Uranpreis werde vom Ausstieg aus den fossilen Energien angetrieben. In den letzten 18 Monaten sei es faktisch unmöglich geworden, für Kohle-, Öl- und Gasprojekte Kapital zu finden. Die Energieengpässe, die sich dadurch auftäten, müsse man vorübergehend mit Nuklearenergie schliessen.

Für die rund 450 Atomkraftwerke in aller Welt, die heute 10 Prozent des Stromes liefern, sind höhere Uranpreise grundsätzlich kein Problem. Das Metall nicht zu kriegen, wäre eins, sagt Lawson: «Atomkraftwerke müssen Uran besitzen. Es gibt keine Alternative dazu. Der Preis ist dabei fast egal, weil die Kosten für das Uran nur rund 5 Prozent der Betriebskosten ausmachen.»

Betriebsunterbrüche wegen fehlenden Urans hingegen würden ein Vielfaches kosten. Auch die AKW-Betreiber sind deshalb nicht ganz unglücklich über die Preisrally.

Echo der Zeit, 23.09.2021, 18:00 Uhr

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Suter  (Sut)
    Wenn ich die Kommentare lese, habe ich den Eindruck, dass die Staaten, welche die 54 Kernkraftwerke bauen, zukünftig nur Geld in den Sand setzen werden und zu bedauern sind. Vermutlich haben diese ausländischen Finanzminister nur Eigeninteresse zu vertreten und sind alle korrupt.
    Es könnte vermutlich andere Gründe haben, dass nur Deutschland und die Schweiz aus der Atomenergie aussteigt. Oder scheint die Sonne im Ausland nicht?
  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Neue AKW brauchen 30 Jahre vom Bauentscheid zum Betrieb.
    Wobei in Europa 99.99999% aller Projekte nie gebaut werden..
    Deren Strom kostet 20 Rp/kWh, plus 14 Rp für das Netz, für den Endkunden also 34 Rp/kWh.
    Die Endlagerung ist weder gelöst, noch sind deren Kosten für Unterhalt und Bewachung über 1 Mio Jahre finanziert.

    Kommerzielle PV in CH liefert für 5 Rp.

    Für NULL Zusatzkosten kann jeder Häuslebauer gratis selber mit Strom versorgen: Denn die PV ist die bessere Dachhaut.
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Die Preise aller Rohstoffe schiessen in die Höhe. Dass dies nun auch beim Uran der Fall ist, dürfte in Bezug auf die Strategien in der Energieversorgung überbewertet werden.