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Wirtschaft Coop fürchtet Einkaufstourismus in Grenzgebieten

2014 war für die Coop-Gruppe ein gutes Jahr. Da gab es den Euro-Mindestkurs noch. Doch nun sieht die Situation anders aus: Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vom Januar hält den Detailhändler im neuen Jahr auf Trab.

Zwei Fahnen mit der Aufschrift «Coop» und eine mit der Aufschrift «Preis» wehen im Wind.
Legende: Sind die guten Jahre vorbei? Coop musste bereits für über 4000 Produkte die Preise senken. Keystone

Erfreulich: Coop-Chef Joos Sutter darf an der Jahresmedienkonferenz über das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014 sprechen. Seine Gedanken aber sind längst woanders. «Das Jahr 2014 habe ich nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank schnell vergessen», sagt Sutter.

Seit dem 15. Januar ist auch Coop damit konfrontiert, dass Konsumenten vermehrt in den Nachbarländern einkaufen. Bereits jetzt verliere der gesamte Schweizer Detailhandel pro Jahr rund zehn Milliarden Franken ans Ausland. Diese Zahl werde 2015 noch zunehmen, meint Sutter.

Konkrete Zahlen aus dem laufenden Jahr fehlen zwar noch. Dennoch leide insbesondere der Kanton Tessin, so Sutter. «Vor allem am Wochenende spüren wir den Einkaufstourismus.»

Aufnahme von Coop-Chef Joos Sutter.
Legende: Coop-Chef Sutter: «2015 wird ein hartes Jahr.» Keystone

Preise von über 4000 Artikeln gesenkt

Um den Konsumentenströmen ins Ausland entgegenzuwirken, hat der Detailhändler die Preise von bald 4500 Artikeln gesenkt. Für Coop bedeute das, dass das Unternehmen diese Rabatte vorübergehend selbst tragen müsse.

Aber die Zulieferer aus dem Euro-Raum werden mit den Preisen schon noch runtergehen, ist der Coop-Chef überzeugt: «Wir sind in harten Verhandlungen und zuversichtlich, dass das nicht ein permanenter Zustand werden wird.»

Wir konnten unseren Personalbestand auch in schwierigen Zeiten immer halten.
Autor: Joos SutterCoop-Chef

Vor allem im Non-Food-Bereich seien nun die Zulieferer gefragt. Auch sie müssten Abstriche machen. Im Bereich Lebensmittel sei die Lage aber nicht vergleichbar, da Coop viele Produkte im Inland beziehe. «Wir kaufen drei Viertel in der Schweiz ein.» Der Bereich Lebensmittel sei daher nicht vom «Euro-Thema» betroffen.

Vorerst keine Entlassungen geplant

Deswegen seien auch Lohnkürzungen und Stellenabbau derzeit kein Thema. «Wir konnten unseren Personalbestand auch in schwierigen Zeiten immer halten», sagt Sutter. Bei der Neubesetzung von Vakanzen werde man aber zurückhaltender sein.

Dennoch wird der Einkaufstourismus dem Detailhändler zu schaffen machen. Das Ringen mit den Lieferanten um Euro-Preise dürfte wohl das ganze Jahr dauern. «2015 wird ein sehr hartes Jahr», sagt Coop-Chef deshalb voraus.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Dafür gibt es bald in jedem Dorf 2-4 unfreundliche Tankstellen-Shops.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Ich kaufe nie im Ausland, lieber zahle ich mehr für die bessere schweizer Ware. Aber welcher Zugewanderte denkt so? Die kommen hier her, verdienen sich eine goldene Nase und geben das Geld im Ausland aus. Die echten Schweizer haben das Nachsehen und werden ausgeblutet. Die PFZ wird uns ruinieren, wenn wir sie nicht sofort beenden!
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    1. Antwort von Achim Gerber, Aargau
      Es ist ja schön, dass Sie zu allem Ihre Meinung abgeben. Schön wäre es, wenn Sie auch bei den Tatsachen bleiben würden: Waren Sie schon mal am Samstag In Konstanz oder Waldshut oder Lörrach? Da sind 1000e Schweizer, aber sicher geht es Ihnen nur darum gegen die PFZ zu wettern und nicht um die Fakten!
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    2. Antwort von Sascha Freitag, Thurgau
      Was hat das mit der PFZ zu tun? Jeder zugezogene Mensch merkt, dass er bei Schweizer Ware für mehr Geld auch die eindeutig bessere Ware bekommt. Nur besteht der Einkaufskorb auch aus ganz vielen Sachen, die nicht in der Schweiz produziert werden und die Preise dazu mehr als abgehoben sind. Bei entsprechenden Wechselkursen in früheren Jahren mussten wir an ausländischen Tagen auch die umgekehrte Invasion mitmachen!
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    3. Antwort von Peter Knup, Muttenz
      @ M. Zelger, Sie denken CH-Schinken sei besser als der von Parma oder Serrano? Auch sind sie der Meinung, dass CH-Weine die besseren sind als die von Italien, Frankreich, Spanien etc. ? CH-Teigwaren sind wohl auch besser als Pasta von Italien. Und wie ist das z.B. mit Spargeln und vieles Andere auch? Träumen Sie doch einfach weiter Frau Zelger.
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  • Kommentar von Peter Knup, Basel
    Für mich sind die EK unserer Grossverteiler schlicht nicht zu harten Verhandlungen gegenüber den Lieferanten fähig. Anstatt sich zusammenzuschliessen und ihre Macht zu demonstrieren, geben sie sich gegenüber dem Konsumenten viel lieber kleinlaut und weinerlich. Meine Empfehlung: Schlüpft aus eurer feinen Schale, zieht die Lederjacke über und haut mal kräftig auf den Verhandlungstisch. Wenn Preissenkungen publiziert werden und ich in D trotzdem die Hälfte bezahle denken die wohl wir sind zu blöd.
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