Zum Inhalt springen

Header

Audio
Boris Zürcher tut sich schwer mit einer Prognose
Aus SRF 4 News aktuell vom 07.05.2020.
abspielen. Laufzeit 05:22 Minuten.
Inhalt

Coronakrise am Arbeitsmarkt «Die Zahl der Arbeitslosen steigt pro Werktag um 1000»

In der Schweiz waren im April über 150'000 Personen arbeitslos. Das zeigen die jüngsten Zahlen, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) publiziert hat. Das ist ein Anstieg um 43 Prozent im Vergleich zum April vor einem Jahr. Laut Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit, sind gewisse Branchen und Regionen besonders betroffen – wegen der Massnahmen des Bundesrats.

Boris Zürcher

Boris Zürcher

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Boris Zürcher ist seit 2013 Leiter der Direktion für Arbeit. Zuvor war er Chefökonom und Direktor der BAK Basel Economics AG und Chefökonom und Vizedirektor bei Avenir Suisse. Von 2002 bis 2007 war er wirtschaftspolitischer Berater der Bundesräte Pascal Couchepin, Joseph Deiss und Bundesrätin Doris Leuthard im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement. Von 1999 bis 2002 war er Ressortleiter Arbeitsmarktpolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

SRF News: Wie beeinflusst die Coronakrise die Arbeitslosenzahlen?

Boris Zürcher: Dadurch, was am 16. März passiert ist. Es wurden Betriebe geschlossen. Es kam zu einem grossen Einstellungsstopp. Die Unternehmen mussten ihre Perspektiven revidieren und haben niemanden mehr eingestellt. Leute mussten hinten anstehen, vor allem jüngere, die neu in den Arbeitsmarkt eintraten. Sie stehen nun sprichwörtlich vor geschlossenen Toren. Und im ersten Moment war es sicher auch so, dass die flexibel angestellten Personen, die Arbeit auf Abruf leisten, befristete Angestellte, temporäre, aber auch saisonal Angestellte entlassen wurden.

Das Bündnerland, das Wallis und das Berner Oberland sind deutlich stärker betroffen von der Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Wir haben zudem einen abrupten Abbruch der Skisaison erlebt. Viele Leute, die in diesen Bereichen in den Bergkantonen angestellt waren, wurden praktisch von einem Tag auf den anderen entlassen. Wir sehen das in den regionalen Zahlen. Das Bündnerland, das Wallis und das Berner Oberland sind deutlich stärker betroffen von der Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Wir haben die Zahlen vom 30. April: 3.3 Prozent. Ist die Zahl der Arbeitslosen jetzt, eine Woche später, weiter gestiegen?

Ja, die Zahl steigt im Moment um etwa knapp 1000 Personen pro Werktag. Aber das ist eine Halbierung jenes Anstiegs, den wir unmittelbar nach dem 16. März feststellen mussten. Dann waren es teilweise sogar über 2500 Anmeldungen pro Tag auf den RAV. Der Anstieg verlangsamt sich allmählich.

Neben den Tourismusregionen sind auch die Westschweiz und das Tessin besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen...

Ja. Die Betroffenheit korreliert mit der Verbreitung der Covid-Erkrankungen. Das Tessin und die Westschweiz waren deutlich stärker von diesem Virus betroffen. Dort sehen wir entsprechend auch eine stärkere Zunahme der Arbeitslosigkeit. Von daher gibt es schon ein sehr konsistentes Bild.

Nach Branchen betrachtet, wo sind die Zahlen besonders gestiegen?

Die branchenmässige Verteilung widerspiegelt auch die Massnahmen des Bundesrates, darunter die Schliessungsbefehle, aber auch die erschwerten Umstände, unter denen gearbeitet wird. Von daher ist auch das kein wirklich überraschendes Bild. Bei der Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche, der Gastronomie und Hotellerie sind die Zahlen deutlich stärker gestiegen.

Anfang Woche hat das Seco mitgeteilt, dass 1.9 Millionen Personen Kurzarbeit angemeldet haben. Haben Sie schon erste Erkenntnisse darüber, ob diese Anmeldungen auch alle ausgelöst werden?

Das können wir im Moment noch nicht sagen. Eine Prognose, wie sich das weiterentwickeln wird, ist sehr schwierig. Ich gehe davon aus, dass sehr viele Unternehmen sich vorsichtshalber schon mal angemeldet haben.

Es ist dem Betrieb überlassen, wie stark er aus dieser Kurzarbeit auch Nutzen zieht.

Das ist ja auch der Sinn der Kurzarbeit. Man kriegt eine Bewilligung. Man kann Kurzarbeit einführen. Dann ist es dem Betrieb überlassen, wie stark er aus dieser Kurzarbeit auch Nutzen zieht. Beispielsweise im Gastgewerbe wird es nahe bei 100 Prozent sein, dort konnte effektiv nicht mehr gearbeitet werden. In anderen Branchen wird sich das erst zeigen, wenn wir allmählich die Abrechnungen der ausgefallenen Arbeitsstunden verarbeiten können.

Das Gespräch führte Dario Pelosi.

Video
Arbeitslosenquote in der Schweiz steigt auf 3.3 Prozent
Aus Tagesschau vom 07.05.2020.
abspielen

SRF 4 News, 07.05.2020, 11:05 Uhr;

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Das die durch den Bundesrat eingeleiteten Massnahmen im Zusammenhang mit COVID-19 zu einer massiven Zunahmen der Arbeitslosenzahlen führen würde war eigentlich von Anfang an klar. Entscheidend ist nun, dass so schnell wie möglich wieder ein normaler Alltag einkehren kann und dann wird die Zahl der Arbeitslosen wieder sinken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    "wir sind auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen" wurde uns anlässlich des Abstimmungskampfes zur Personenfreizügigkeitsinitiative und der Zuwanderungsinitiative eingehämmert. Das Stimmvolk liess sich blenden. Jetzt haben wir die vielen Eingewanderten, von denen ein grosser Teil ebenfalls arbeitslos ist und von unserem Sozialsystem unterstützt wer4den müssen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @zelger. Die ausländischen Arbeitskräfte haben wie jeder Arbeitnehmer ihre Beiträge abgeführt. Somit steht Ihnen das Arbeitslosengeld auch zu.
      Punkt!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jörg Frey  (giogio)
      Jetzt haben wir viele Eingewanderte, dank denen unser Wirtschaft überhaupt funktioniert und Gewinne abwirft. Sie zahlen die ALV, AHV, EO, Steuern wie alle anderen auch. Übrigens sind die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem hervorragenden Gesundheitswesen "Ausländerinnen und Ausländer". Die Mehrheit des Stimmvolkes weiss dies sehr wohl und glaubt nicht den verdrehten Ideologien der SVP und Ewiggestrigen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      @Frey, eine verdrehte Scheuklappenideologie haben vor allem die Linken. Es stimmt zwar, dass wir im Gesundheitswesen auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind, aber das sind ja bei weitem nicht alle. Ich weiss von vielen Ausländern, die hier arbeiten, aber keine Einzahlungen in die Sozialversicherungen tätigen. Sie kennen offenbar die Parallelgesellschaften nicht und was da alles abläuft.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ich selber ging mit meinen halb-Landsleuten ziemlich hart ins Gericht, aber jetzt bin daran, meine Meinung zu ändern. Jeder will nur überleben. Offenbar störten z.B. die Abertausenden von Sans Papiers niemanden, vor allem, dass diese offenkundig von Schweizern schwarz beschäftigt werden, jahrelang. Also Schweizer profitieren vom System auch. Also warum sollten PFZ-ler nicht die gleichen Möglichkeiten haben? Mir kommt nur zugute, insb. jetzt, wenn ich nur 40 Fr. für einen tollen Haarschnitt zahle
      Ablehnen den Kommentar ablehnen