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Wirtschaft Credit Suisse: «Die Stimmung ist Bombe»

In New York rebellieren Investment-Banker gegen die Spitze der Credit Suisse. Hierzulande baut der Investment-Banking-Chef seine Abteilung weiter aus, wie er im SRF-Interview am Swiss Economic Forum sagt.

Legende: Video Marco Illy im SEF-Interview abspielen. Laufzeit 6:06 Minuten.
Vom 10.06.2016.

«Wir wachsen», sagt Marco Illy im SRF-Interview am Swiss Economic Forum. Er leitet seit Jahrzehnten das Schweizer Investment-Banking der Credit Suisse.

Erstaunlich ist diese Aussage vor dem Hintergrund der Strategie, die CEO Tidjane Thiam verkündet hatte: Die Vermögensverwaltung solle fortan im Zentrum stehen. Hingegen solle das Investment-Banking verkleinert werden. Erst am 10. Mai 2016 hatte Thiam einen 300-Millionen-Verlust für das erste Quartal 2016 verkündet. Seit seinem Amtsantritt vor knapp einem Jahr ist die CS-Aktie fast um die Hälfte gefallen.

Ein Umbau tut not, das hat die neue Führung erkannt: Die Konsequenzen davon spüren die Angestellten in New York: Die Geschäftseinheit Global Markets, fokussiert auf Handel, soll bis Ende 2018 um rund 14 Prozent verkleinert werden. Das prestigeträchtige «Machtzentrum» in New York verliert an Bedeutung. Die Zeitungen «New York Times» und «Wall Street Journal» berichteten jüngst von frustrierten Investment-Bankern, die sich scharf von ihrem CEO Tidjane Thiam distanzierten.

Vorgänge in New York «völlig normal»

«Das ist ein völlig normaler Prozess», sagt Marco Illy gelassen zu dieser Rebellion. «Das hat nichts mit der Bank zu tun. Es ist völlig gesund, dass man jedes Geschäft mal darauf prüft: Bringt es Erträge oder nicht?» Er will aber betont wissen, dass die Reorganisation nicht das gesamte Investment-Banking betreffen: «Die Geschäfte, die kundenzentriert organisiert sind, werden nicht verändert.»

Über die Investment-Banker in Zürich hat er dagegen zu sagen: «Die Stimmung ist Bombe, die Geschäfte laufen sehr gut, die Mannschaft ist sehr motiviert.» Das könnte auch daran liegen, dass die Schweizer Banker weiterhin in den Genuss hoher Boni zu kommen scheinen. Auf die Frage, ob es keine Kürzungen gegeben habe, antwortet Marco Illy: «Sagen wir mal so, sie sind auf jeden Fall erfolgreich.» Und wenn man erfolgreich sei, sei auch die Kompensation entsprechend gut.

Tidjane Thiam vertraut seinem erfahrenen Investment-Banking-Chef offenbar. «Sie delegieren sehr viel Arbeit, und das ist schon mal gut», sagt Marco Illy über die neue Führungsriege. Thiam hätte ihm sowohl mehr Verantwortung übertragen als auch mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt, «und das mag ich».