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Wirtschaft Darum tauchen ausgerechnet die Bankaktien

An den Aktienmärkten geht es seit dem Brexit-Entscheid der Briten turbulent zu und her. Dabei fällt auf: Die Bankaktien stehen europaweit besonders stark unter Druck. Warum eigentlich? Sind Banken besonders verwundbar, wenn Grossbritannien aus der EU austritt?

Zwei Menshcen stehen vor dem Logo der Bank Credit Suisse.
Legende: Der Brexit hatte Folgen für die Bankaktien, auch für diejenige der Credit Suisse. Keystone

Die Kursverluste sind zum Teil happig. Da verlieren Bankaktien an einem einzigen Tag 10, 15 oder 20 Prozent – sowohl in Europa als auch in den USA. Und das nicht zum ersten Mal, hält Christian Gattiker, Leiter der Abteilung Aktien-Research bei der Bank Julius Bär, fest: «Das ist ein langer Weg nach unten: Seit den Höchstständen 2007 liegen die Verluste zum Teil bei mehr als 90 Prozent.»

Und jetzt schickt der Brexit-Entscheid die Bankaktien also gleich noch weiter auf Talfahrt. Christian Gattiker führt dies auf zwei Gründe zurück: «Auf der einen Seite haben die Banken mit ihrem Geschäft direkt Verluste bei ihren Kunden zu verzeichnen.» Auch beim Handel könne man von einem schwachen Geschäft ausgehen, was auf die Gewinne der Banken drücken werde. Auf der anderen Seite gibt es auch grosse Fragezeichen, wie die Zukunft überhaupt das europäische Bankenwesen mit einem Bankenplatz London ausserhalb der Europäischen Union aussieht.

Die Zinsen müssten steigen

Kommt hinzu, dass einige Banken noch immer nur ein dünnes Kapitalpolster haben, das ihnen in einer nächsten Krise als Sicherheit dienen würde. Und wenn die Konzerngewinne nicht sprudeln, wird es für manch eine Bank schwierig, frisches Kapital aufzutreiben. Wegen all diesen Unsicherheiten stossen die Investoren ihre Bankpapiere derzeit also gleich reihenweise ab.

Das dürfte sich laut Gattiker erst ändern, wenn die Zinsen wieder steigen. Erst dann könnten Banken mit ihrem traditionellen Geschäft – der Vergabe von Krediten – wieder Geld verdienen. Doch die Zinsen bleiben bis auf weiteres rekordtief.

Der Fall Credit Suisse

Wenn der Aktienkurs eines Unternehmens purzelt, stellt sich früher oder später die Frage, ob das Unternehmen zum Übernahmekandidaten wird. Also bald von einem Konkurrenten aufgekauft wird. Diese Frage könnte sich beispielsweise im Zusammenhang mit der Credit Suisse stellen: Ihre Aktien haben in letzter Zeit überdurchschnittlich an Wert verloren und kosten mittlerweile gerade mal noch rund 10 Franken.

Christian Gattiker glaubt aber nicht, dass bald das grosse Banken-Kaufen losgehen wird: «Bankaktien sind billig und von da her werden sie auch für einen übernahmewilligen Konkurrenten billig, aber erstens haben diese übernahmewilligen Konkurrenten jeweils selber wenig Kapital und zweitens sind die Aussichten sehr ungewiss.»

Derzeit wollen also die wenigsten in eine Bank investieren – weder die Aktionäre, noch die Banken selber.

Legende: Video SRF Börse vom 27.06.2016 abspielen. Laufzeit 2:22 Minuten.
Aus SRF Börse vom 27.06.2016.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Was sol das? Die CS ist schon lange keine Schweizer Bank mehr und in Fremden Händen. In Zürich ist man nur noch aus Strategischen Gründen, doch Strategien können sich ändern. An die die, so gern sich wünschen, das wir Unabhängig bleiben, Ihr Glaubt das was ein paar Ideologen mit Selbstinteresse Euch verkauft! Wenn wir mit unserer destruktiven Politik der SVP & SP weiterfahren, werden viel Schweizer auf den Boden der Tatsachen gebracht werden, und aufzeigen das nicht alles Gold ist was Glänzt!
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Die Bankenkonzentration wird genau dann beginnen, wenn die Zinsen wieder steigen. Wer dann nicht mit Vorsprung startet, wird übernommen werden. Ein weiterer Mosaikstein in der Unternehmenskonzentration und damit auch in der Finanzwirtschaft.
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    1. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      Die Zinsen werden in absehbarer Zeit nicht mehr steigen, die Wirtschaft ist zu schwach, die strukturellen Probleme zu gross und die Notenbanken würden massive Verluste einfahren auf den Anleihen die sie in den letzten Jahren gekauft haben. Die Zinspolitik schwächt jedoch Banken wie die Deutsche Bank und CS massiv, der Teufelskreis schliesst sich.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Der Zeitpunkt der Zinserhöhung ist nicht wesentlich für das Resultat, sondern allerhöchstens die Ausgestaltung/das Tempo. Führen Sie sich den in den Wirtschaftsnews aufgeschalteten Artikel "Schweizer Finanzbranche im Bann des Brexit" zu Gemüte. Darin wird von Wirtschaftselitären eine zu lange andauernde Zinsbaisse befürchtet. Damit ist bereits die Basis dazu gelegt, dieser aktiv entgegenzuwirken.
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