Das erhoffte Geschäft mit dem Iran kommt nicht in Gang

Mit Iran Geschäfte machen: Das wollten Schweizer Unternehmen nach der Aufhebung der Sanktionen vor einem Jahr. Doch der Weg ist steiniger als erhofft. Philippe Welti, Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-Iran, sieht den Hauptgrund im internationalen Zahlungsverkehr. Er harzt.

Eine Frau mit schwarzem Schleier zeigt ihre Tissot-Uhr, die sie am linken Handgelenk trägt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schweizer Uhr am Handgelenk einer Iranerin: Doch noch läuft das Geschäft für Schweizer Firmen harzig. Keystone/Symbolbild

Zusatzinhalt überspringen

Philippe Welti

Philippe Welti

Imago/Archiv

Er ist Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-Iran. Von 2004 bis 2009 war Welti als Schweizer Botschafter in der iranischen Hauptstadt Teheran tätig.

SRF News: Warum läuft zwischen der Schweiz und Iran wirtschaftlich noch so wenig?

Philippe Welti: Das Hauptproblem ist der internationale Zahlungsverkehr, der nicht normalisiert ist. Das gilt aber nicht nur für die Schweiz sondern für alle, vor allem westliche Parteien.

Noch haben die USA nicht alle Sanktionen gegen Iran aufgehoben. Hat das einen Einfluss auf das Geschäft der Schweiz mit Iran?

Die Amerikaner haben die eigenen, unilateralen, sogenannten primären Sanktionen noch nicht aufgehoben. Das ist generell ein Hindernis für das Geschäft mit Iran. Die Schweizer Banken sind besonders betroffen: Sie haben ein grösseres Interesse an ihrem USA-Geschäft und verzichten deshalb – aus Rücksicht auf das USA-Geschäft – auf das Iran-Geschäft.

Heisst das, Schweizer Banken geben keine Kredite für Geschäfte mit Iran, weil sie sich vor Repressionen aus den USA fürchten?

Ja, die Schweizer Banken haben Angst. Sie fürchten, dass sie sich damit in den USA Nachteile einhandeln würden. Sie sind aus Erfahrung klug, denn sie haben teils schon hohe Bussen bezahlen müssen. Das ist der Grund, weshalb sie lieber auf das Iran-Geschäft verzichten und damit den ganzen Zahlungsverkehr mit Iran wesentlich behindern.

«  Iran will von den chinesischen Banken und der chinesischen Industrie wegkommen.  »

Chinesische Banken hingegen würden Geld für das Iran-Geschäft zur Verfügung stellen. Weshalb funktioniert das nicht?

Iran möchte eigentlich gerne auf die chinesische Geschäftswelt verzichten. Die chinesischen Banken verfügen über grosse Guthaben. Sie geben sie aber nur gegen chinesische Industriegüter frei. Doch Iran will wegkommen von den chinesischen Banken und der chinesischen Industrie. Sie wollen westliche Geschäftspartner, am liebsten auch Amerikaner.

Hören Sie hier das Gespräch mit Philippe Welti

5:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.07.2016

Der Erdölpreis liegt im Keller. Hat Iran deshalb nicht genug Geld für den wirtschaftlichen Aufschwung, den Präsident Hassan Ruhani versprach?

Interessanterweise hindert der tiefe Erdölpreis die iranische Regierung nicht daran, den Verkauf von Erdöl zu fördern. Der Preis scheint zumindest politisch nicht so wichtig zu sein, wie die Tatsache, dass die Erdölförderung modernisiert werden muss. Die iranische Regierung will die Erdölförderung modernisieren. Dafür braucht sie Geld, das nur mit westlichen Partnern zu haben ist, die aber aus dem oben erwähnten Grund immer noch Angst haben, sich zu engagieren.

Bis die Geschäfte mit Iran wirklich laufen, wird es noch dauern. Kann Iran das verkraften?

Iran hat immense Reserven. Es ist ein 80-Millionen-Volk, das wirtschaftlich nur zu 25 Prozent vom Erdöl abhängt. Die Binnenwirtschaft ist gross, Iran wird und kann das noch lange aushalten – auch aufgrund seiner Führung, die strategisch denkt und die Nachteile im Moment in Kauf nimmt.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel