Zum Inhalt springen

Das heilige Vermögen Des Papstes Immobilien in der Schweiz

Der Vatikan besitzt in der Schweiz ein Dutzend Wohnhäuser. Doch die Mieter kennen ihren wahren Vermieter nicht.

Legende: Video «ECO Spezial»: Der Vatikan, sein Geld und seine Probleme abspielen. Laufzeit 30:00 Minuten.
Aus ECO vom 05.06.2018.

Ein unscheinbares Wohnhaus im Genfer Quartier Eaux-Vives. Eine Anwohnerin kommt aus der Eingangstür. Sie ist Mieterin, kennt aber ihren Vermieter nicht.

Auch der Sicherheitsmann, der mit seinem Hund rund um die Häuser zieht, hat keine Ahnung, wem das Gebäude gehört.

Beide wissen nicht: Die formelle Hauseigentümerin – «SI Rieu-Soleil SA» – hat einen einzigen Aktionär: den Vatikan.

Nebst dem Wohnhaus in Genf besitzt der Vatikan rund ein Dutzend Renditeliegenschaften in Lausanne.

Wie der Vatikan zu seinem Geld kommt

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Es gibt keine offiziellen Zahlen über das Vermögen des Vatikans. Schätzungen reichen bis zu 12 Milliarden Euro. Eine der wenigen Zahlen, die der Vatikan dazu veröffentlichte: Alleine 2014 nahm das Vermögen um 939 Millionen Euro zu.

Einnahmequellen sind nebst den Miet- und Pachteinnahmen der Peterspfennig: Damit drücken die Gläubigen immer Ende Juni ihre Verbundenheit mit dem Papst aus. Das bringt gut 60 Millionen Euro ein.

Bistümer in aller Welt – vor allem in Deutschland und den USA - bezahlten gemäss neusten Zahlen – 24 Millionen Euro nach Rom.

Einträglich sind auch die Museen im Vatikan: Die Eintritte spülen jedes Jahr einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Kasse.

Der Vatikan hat eine eigene Bank, die Vatikanbank.
Sie liefert ihren Gewinn – zuletzt 32 Millionen Euro – an den Heiligen Stuhl ab.

Hinzu kommen Spenden, Einkünfte aus dem Verkauf von Briefmarken, Münzen und Souvenirs sowie Filmrechten.

Legende: Video Die Einnahmen und Ausgaben des Vatikans abspielen. Laufzeit 3:19 Minuten.
Aus ECO vom 04.06.2018.

Bereits in den 30er-Jahren hat der Vatikan in Genf und Lausanne Boden und Liegenschaften gekauft.

Doch für Aussenstehende ist dies nicht einfach erkennbar. Hinweise finden sich nur vereinzelt in Dokumenten im Handelsregister.

In Lausanne besitzt der Vatikan ein Dutzend Wohnliegenschaften.
Legende: In Lausanne besitzt der Vatikan ein Dutzend Wohnliegenschaften. SRF

Gekauft hat der Vatikan die Immobilien in der Schweiz mit Geld von Italiens Ex-Diktator Benito Mussolini.

Die Lateranverträge

Über Hunderte von Jahren sammelte die katholische Kirche Ländereien an. Sie war ein eigener Staat, der bis an die Adria und nach Frankreich reichte: der Kirchenstaat.

1870 wurde er vom Königreich Italien annektiert. Erst 60 Jahre später wurde der Vatikan von Diktator Benito Mussolini für diese Enteignungen entschädigt.

1929 tritt der Heilige Stuhl in den Lateranverträgen seine einst riesigen Gebiete offiziell an Italien ab und anerkennt Rom als Hauptstadt Italiens.

Im Gegenzug bezahlt Mussolini dem Vatikan 1,75 Milliarden Lire, rund 1 Prozent des damaligen Bruttosozialprodukts Italiens. Das sind gemessen am heutigen Bruttosozialprodukt rund 18 Milliarden Franken.

Mit diesem Geld ging der Vatikan auf Einkaufstour – nicht nur in der Schweiz.

In Paris gehören ihm Wohnhäuser mit luxuriösen Wohnungen an bester Lage.

In London gehört dem Vatikan unter anderem eine Immobilie an einer teuren Einkaufsstrasse. Mieter ist ein Luxusgüterkonzern.

Bei keiner der Gesellschaften, die formell Eigentümerinnen dieser Immobilien sind, ist nach aussen ersichtlich, wer wahrer Besitzer ist.

Legende: Video «Undurchsichtigkeit ist das Rückgrat des Systems» abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Aus ECO vom 04.06.2018.

Für den Investigativjournalisten Gianluigi Nuzzi wenig erstaunlich. Er hat mehrere Enthüllungsbücher zum Papst und dem Vatikan geschrieben.

Er sagt: «Undurchsichtigkeit ist das Rückgrat dieses Systems. Deshalb finden Sie nichts über Investments, Immobiliengesellschaften in der Schweiz, Spanien, Frankreich.»

Der Vatikan habe eine ganze Gruppe von Firmen, Aktiengesellschaften, undurchsichtigen Unternehmen.

Eine solche Vatikan-Gesellschaft hat ihren Sitz in Fribourg. Sie dient als Investitionsvehikel und hält Aktien, unter anderem an UBS, an Roche und am Dufthersteller Givaudan.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Felix (Pragma)
    Ich sehe das Problem nicht, dass hier viele Kommentarschreiber/-innen haben. Ist es verwerflich, Immobilien zu besitzen und diese zu bewirtschaften? Und wenn man das Vatikan-Staatvermögen mit den reichsten Privatpersonen der Schweiz vergleicht, ist das im Bereich der Familie Blocher (gemäss «Bilanz» Ranking) und würde vielleicht knapp in die Top 10 reichen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Die röm. kath. Kirche (Vatikan/Klerus) ist schon seit Jahrhunderten eine wirtschaftliche Finanzmacht. Die Vatikanbank war/ist, wie andere Banken auch, durch und durch korrupt! Man sehe sich nur mal all die Skandale in der Vergangenheit an! Die meisten Kirchenabspaltungen geschahen auf Grund der Selbstbereicherung des Vatikans (Zöllibat, Ablass, Unfehlbarkeit des Papstes)!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Mal nachschauen wieviele Hoefe der Vatikan in Einsiedeln besitzt... und bewirtschaften laesst...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen