- US-Präsident Donald Trump hat für die Einfuhr patentgeschützter Medikamente in die USA massive Zölle von bis zu 100 Prozent angekündigt.
- Für Schweizer Pharmaexporte soll ein reduzierter Zollsatz von 15 Prozent gelten, wie aus einem vom Weissen Haus veröffentlichten Dekret hervorging.
- Der Bundesrat bezeichnet die Einführung der Zusatzzölle als «eine zusätzliche Belastung».
Trump habe Zölle von bis zu 100 Prozent auf patentierte Arzneimittel und deren Wirkstoffe beschlossen, hiess es in der Mitteilung der US-Regierung. Ziel der Zölle ist es laut dem Weissen Haus, die inländische Produktion zu stärken und Abhängigkeiten von Importen zu reduzieren. Für Länder mit Handelsvereinbarungen – darunter die Schweiz und Liechtenstein – gelte jedoch der deutlich tiefere Satz von 15 Prozent.
Bundesrat spricht von «zusätzlicher Belastung»
Der Bundesrat bezeichnet die Einführung von Zusatzzöllen als «eine zusätzliche Belastung für die exportierende Schweizer Pharmaindustrie», wie es beim Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hiess.
Die USA hielten sich mit einem länderspezifischen Zusatzzollsatz von maximal 15 Prozent für Pharmazeutika aus der Schweiz an ihre Zusage im Rahmen der gemeinsamen Absichtserklärung vom 14. November 2025. Bis anhin seien indes keine US-Zusatzzölle auf pharmazeutische Produkte erhoben worden. «Die zuständigen Departemente analysieren zusammen mit den betroffenen Interessensgruppen die konkreten Auswirkungen dieser Massnahmen», so das WBF weiter.
Die nun angekündigten Zollmassnahmen sollen in 120 Tagen für grosse Unternehmen und in 180 Tagen für kleinere Firmen in Kraft treten. Die genauen Auswirkungen für die Schweizer Pharmabranche waren zunächst unklar. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Pharmafirmen.
Unternehmen können die Zölle den Angaben zufolge reduzieren oder ganz vermeiden, wenn sie – wie bereits früher durch Trump angekündigt – Produktionskapazitäten in den USA aufbauen und Preisvereinbarungen mit den Behörden abschliessen. In solchen Fällen können die Abgaben vorübergehend entfallen oder deutlich gesenkt werden – teils bis Anfang 2029.
Roche und Novartis mit Deal
Die US-Regierung hat bereits mit mehr als einem Dutzend grosser Pharmafirmen entsprechende Vereinbarungen getroffen. Diese verpflichteten sich, Medikamentenpreise in den USA stärker an internationale Vergleichsniveaus anzupassen und im Gegenzug Investitionen in Milliardenhöhe in den USA zu tätigen. Insgesamt summieren sich die zugesagten Investitionen laut US-Regierung auf mehrere hundert Milliarden Dollar.
Bereits im Dezember 2025 hatten die Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis eine entsprechende Einigung mit der US-Regierung erzielt. Dabei verpflichtete sich etwa die Roche-Tochter Genentech, den Preis für ihr Grippemedikament Xofluza für Direktkäufer über die staatliche Plattform von 168 auf 50 US-Dollar zu senken. Novartis wiederum reduzierte den Preis für sein Multiple-Sklerose-Medikament Mayzent für entsprechende Patienten von 9987 auf 1137 Dollar.
Im Gegenzug wurde beiden Konzernen eine Befreiung von Zöllen auf Pharmaprodukte in den USA für drei Jahre in Aussicht gestellt. Gleichzeitig kündigte Roche Investitionen von rund 50 Milliarden Dollar an, während Novartis in den kommenden fünf Jahren etwa 23 Milliarden Dollar in den Ausbau von Forschung und Produktion in den USA investieren will.