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Frauenquote in Teppichetagen «Der Druck auf die Unternehmen wird steigen»

So viel steht fest: Politisch wird es der Vorstoss des Bundesrats für eine Frauenquote schwer haben. Wirtschaftsprofessorin Gudrun Sander stellt sich hinter die Regierung – für sie ist die unverbindliche Quote kein blosser Aktionismus.

Es braucht jetzt im Gesetz eine Vorgabe, zumal sie sehr moderat ist. Es ist ein Verfassungsauftrag, dass beide Geschlechter in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten vertreten sind.
Autor: Simonetta SommarugaBundesrätin

Für die bürgerlichen Parteien beschneidet der Bundesrat die Freiheit der Wirtschaft. Der Arbeitgeberverband spricht von einem «Schlag ins Gesicht».

Trotz Kritik an der Frauenquote: Der Bundesrat will den Unternehmen vorschreiben, dass sie den Frauenanteil in der Teppichetage vergrössern müssen.

Gudrun Sander
Legende: Mehr Fairness und Druck auf Unternehmen: auch eine unverbindliche Quote kann wirken, sagt Gudrun Sander. Universität St. Gallen

Konkret heisst das: 30 Prozent Frauen in Verwaltungsräten, 20 Prozent Frauen in Geschäftsleitungen.

Dafür gibt der Bundesrat den Unternehmen zehn Jahre Zeit, um die Vorgaben zu erfüllen. Wer das nicht schafft, muss sich erklären – wird aber nicht bestraft.

Gudrun Sander ist Wirtschaftsprofessorin an der Universität St. Gallen und leitet das Rückkehrer-Programm für Frauen: «Women back to Business», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Sie ordnet die Pläne des Bundesrats ein – und sagt, warum der sanfte Druck des Bundesrats tatsächlich wirken könnte:

  • Die Aufmerksamkeit für das Thema wird weiter steigen, Unternehmen werden gezielter suchen – der Druck auf Headhunter nimmt zu, intern wird sorgfältiger nach fähigen Frauen gesucht.
  • Trotz fehlender Sanktionsmittel: Wer er es nicht schafft, die Quoten zu erfüllen, steht gegenüber der erfolgreichen Konkurrenz in der Branche schlecht da
  • Eine höhere Frauenquote in Verwaltungsräten macht Sinn: Denn diese sind meist divers zusammengesetzt und erfordern nicht in jedem Fall eine «astreine Branchenkarriere», etwa eine vorgängige Kaderposition
  • Im Gegensatz dazu erfordert der Aufstieg in die Geschäftsleitung eine «ausgewiesene Branchenerfahrung», also spezifisches Know-how und langjährige Expertise in einem Fachbereich. Hier dürfte es in manchen Branchen schwierig sein, die 20-Prozent-Quote zu erfüllen
  • Die Vorteile der Geschlechterdurchmischung an der Unternehmensspitze: Vielfältigere Perspektiven in den Diskussionen und damit innovativere Lösungen; gleiche Chancen für alle heisst mehr Fairness und Durchsetzung des Leistungsprinzips

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Esther Siefert (E.S. (parteilos))
    Nun, die "Frauenquote" mag ja gut gemeint sein - aber sie hat einen schalen Beigeschmack: Man kann dann immer mit dem Finger auf sie deuten und sagen, sie sie bloss auf dieser Position wegen der Quote und nicht wegen ihres Könnens - nein, danke, das würde ich nicht wollen...
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  • Kommentar von Hans Anreiner (Hans.Anreiner)
    Wollen wir Konkurrenzfähig bleiben, wäre es sinnvoll wenn wir es schaffen die Menschen an die Positionen zu bringen, wo sie ihre Stärken voll ausspielen können. 2 Dinge sind notwendig: 1. Anforderungsprofil und Gewichtung. 2. Erfüllungsgrad der Kandidaten auf das Profil. Problem? Anfoderungsprofil ungenau, Gewichtung subjektiv, wie misst man einen Kandidaten objektiv und aussagekräftig? Lösung: Würde man allgemeingültige Kriterien und Mechanismen schaffen, wäre die Geschlechterfrage unnötig.
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    Nach der Inländerempfehlung extralight jetzt auch noch die Frauenempfehlung. Selten so gelacht. Am Schluss macht die Wirtschaft wie immer nur das, was ihr gerade passt. Abgesehen davon ist eine Frau an der Macht wirklich keine Garantie, dass es gut heraus kommt, im Gegenteil (siehe Merkel, Sommaruga, etc.).
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    1. Antwort von Karl Müller (KaMü)
      Haben Sie schon zum Islam konvertiert oder sind Sie noch im Zweifel? Dort finden Sie nämlich die Frauen, welche 2 Meter hinter Ihrem Ehemann trotten, keine anderen Männer ansehen dürfen, etc.
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    2. Antwort von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
      Einverstanden, und zudem bin ich der Meinung dass der Leistungsausweis vieler Frauen - insbesondere in der Politik - bedenklich ist. Da braucht man sich über Konsequenzen bei der Frauenquote nicht zu wundern. Gleichberechtigung bedeutet meines Erachtens eben nicht 'gleiche Arbeit, gleicher Lohn ' sondern 'gleiche Leistung am selben Job, gleicher Lohn'.
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    3. Antwort von Kurt E. Müller (KEM)
      @Karl Müller: Ja, ich bin noch im Zweifel. Etwa darüber, ob Sie meine Zeilen überhaupt verstanden haben, oder hier einfach vorgefertigte Stellungnahmen als Frauenförderer abgeben wollen. Mit Islam hat das Ganze nun wirklich rein gar nichts zu tun. Und ich bin selbstverständlich nicht gegen Gleichberechtigung. Frauen sollen durchaus auch Führungspositionen besetzen, aber sicher nicht staatlich verordnet, sondern wenn sie beruflich überzeugen. Der oder die Beste wird eingestellt, ganz einfach.
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