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Atomfreies Deutschland als Härtetest für Europa?
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.12.2019.
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Der grosse Nachbar geht voran Das bedeutet Deutschlands Energiewende für die Schweiz

Das AKW Mühleberg ist abgestellt und in Deutschland geht an Silvester das Atomkraftwerk Philippsburg 2 bei Karlsruhe vom Netz. Bis Ende 2022 will Deutschland keinen Atomstrom mehr produzieren. Wo kommt die Energie künftig her? Und was heisst das für die Schweiz? Antworten von SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim.

Matthias Heim

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

SRF News: Woher bezieht Deutschland den Strom, wenn nicht aus Atomkraftwerken?

Matthias Heim: Der Strom kommt immer häufiger aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Windparks. In Deutschland drehen inzwischen über 30'000 Windräder. Und die Windparks sind dieses Jahr erstmals überhaupt zur grössten Stromquelle in Deutschland aufgestiegen. Sie haben nicht nur den Atomstrom, sondern selbst die Kohle verdrängt. Diese war lange Deutschlands grösster Stromlieferant.

Deutschland will weg von Kohle- und Atomstrom. Das ist politisch so entschieden. Heisst das, die Energiewende ist auf Kurs?

Grundsätzlich ist das so. Und die Entwicklung in Deutschland ist eindrücklich: Noch vor knapp 20 Jahren hat der Strom aus Wind, Wasser und Sonne rund 6 Prozent zur Stromproduktion beigetragen. Dieses Jahr werden es gemäss Bundesumweltamt bereits 42 Prozent sein.

Windpark
Legende: Deutschland macht vorwärts mit der Energiewende. Es könnte zum Härtetest für den ganzen Kontinent werden. Keystone

Eine wichtige Frage ist allerdings noch offen: Werden die erneuerbaren Energiequellen stets genügend Strom liefern können? Jetzt stehen ja noch Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke bereit, falls die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht bläst.

Mit dem Umbau von Deutschlands Stromproduktion werden möglicherweise weite Teile Europas einem Härtetest unterzogen.

Deutschland könnte in Zukunft aber allenfalls auch auf den Strom in den umliegenden Ländern zurückgreifen: auf die Kernkraftwerke in Frankreich oder die Kohlekraftwerke in Polen.

Und was bedeutet diese Entwicklung für die Schweiz?

Deutschland hat in den vergangenen Jahren mehr Strom produziert als es benötigt. Einen Teil davon hat es exportiert. Auch die Schweiz bezieht regelmässig Strom aus Deutschland. Gerade im Winter, wenn die inländische Produktion zu gering ist. Die Frage für die Schweiz wird sein: Kann – und vor allem zu welchem Preis – sie künftig Strom in Deutschland beziehen? Vor allem, wenn dort weniger Strom produziert werden sollte, weil eben die verbleibenden sechs AKW ebenfalls vom Netz gehen. Mit dem Umbau seiner Stromproduktion wird möglicherweise nicht nur Deutschland einem Härtetest unterzogen, sondern weite Teile Europas.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

Video
Aus dem Archiv: Das Mammutprojekt der deutschen Regierung
Aus Tagesschau vom 20.09.2019.
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70 Kommentare

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  • Kommentar von Hansruedi Elsener  (Haru)
    Deutschland kann kurzfristig die Kohlekraftwerke gar nicht abschalten! Das ist Wunschdenken.
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  • Kommentar von Thomas Nordmann  (thomasnordmann)
    Die Mär vom Stromimport der Schweiz, 2019 Import 18.44 TWh, aber noch mehr Export nach Italien 20.93 TWh. Netto Export +2.49 TWh. Gleichzeitig haben wir im Jan - März sowie im Dez ein Monats Defizit von 3.87 TWh = 6.7% das CH Jahresverbrauch. Bei den Fossilen Energien & Nuklear Brennstoffen sind wir 100% Import abhängig! Niemand scheint sich daran zu stören! Das kostet 2018 6.3 Mia CHF Verlust in der aussen Handelsbilanz! (1/2 Gotthard Basis Tunnel!) Stromexport 2018 +277 Mio CHF Gewinn.
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      2020 könnte es insofern knapp kippen, so dass ein geringfügiger Importüberschuss resultiert. Es fallen ja ca. 2.8 TWh von Mühleberg weg. Aber Sie haben schon recht, wenn man es mit andern Energieformen vergleicht ist das unwichtig. Und 2021 werden wir wieder mehr exportieren als importieren, weil der Zubau an PV diese kleine Differenz wieder wettmacht.
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  • Kommentar von Martin Müller  (Nonaeol)
    1. Kein Windrad und kein Sonnenkollektor hat bisher ein Kohle- oder Kernkraftwerk verdrängt. Diese, zusammen mit Gas- und Ölkraftwerken müssen betrieben werden, um a) mit ihren riesigen drehenden Massen Frequenzschwankungen auszugleichen und das Netz stabil zu halten und b) Strom zu produzieren, wenn es zu wenig Wind und/oder Sonnenstrahlen hat. 42% Jahresdurchschnittsproduktion sagt nichts aus über die Güte einer Stromproduktionsart. Die Stromversorgung muss viertelstündlich betrachtet werden.
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Das ist natürlich Mumpitz, Hr. Müller. 42% der gesamten Produktion schleckt keine Geiss einfach so weg. Da können Sie dagegen anschreiben so lange Sie wollen. Beispielsweise müsste Ihnen auch bekannt sein, dass PV viel besser ans Tages - Verbrauchsprofil angepasst ist als Bandenergie aus AKW's.
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    2. Antwort von Martin Müller  (Nonaeol)
      Wenn es Mumpitz ist, dass ich gerne Strom nutzen möchte, wenn ich ihn brauche, dann bin ich einverstanden. Wer aber darauf besteht, Strom immer zur Verfügung zu haben, der muss die Stromlücken füllen, die durch Wind und Sonne naturgemäss immer wieder mal entstehen. Batterien taugen vielleicht als ein paar Einzellösungen, aber nicht in grossem Massstab. Also braucht es Backup-Kraftwerke. Davon dürfen in D nicht zu viele abgeschaltet werden, weil systemrelevant, siehe z. B Irsching 4 und 5.
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