Worum geht es? An den Finanzmärkten läuft derzeit eine gewaltige Wette auf künstliche Intelligenz (KI). Fast alle Investoren gehen davon aus, dass KI die nächste grosse Revolution auslöst. Diese Hoffnung treibt die Kurse grosser Technologiekonzerne wie des Software-Giganten Microsoft, der Google-Mutter Alphabet und des Chipherstellers Nvidia nach oben. Die entscheidende Frage ist, ob sich diese hohen Erwartungen erfüllen. Daran gibt es berechtigte Zweifel.
Zu viel Euphorie? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer möglichen Überhitzung. Sie spricht zwar ausdrücklich nicht von einer KI-Blase, erinnert aber daran, dass grosse Technologiesprünge oft übertriebene Erwartungen schürten. Bei der Eisenbahn oder dem Internet wurde zeitweise viel mehr investiert, als sich wirtschaftlich rechtfertigen liess. Deshalb liegt auch der Vergleich mit der Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre nahe. Damals wurden viele Internetfirmen an den Börsen sehr hoch bewertet, obwohl sie kaum Umsatz und keine Gewinne erzielten. Das ist heute anders, denn die Unternehmen sind profitabel. Das Risiko ist weniger die Technologie selbst – sondern, dass die Börsen, allen voran die US-Börse, zu euphorisch reagieren.
Weshalb haben Aktienkurse so stark zugelegt? Anleger setzen darauf, dass gerade diese Unternehmen als Sieger der KI-Revolution hervorgehen. Jede KI-Anwendung verlangt riesige Rechenzentren, leistungsstarke Chips und enorme Mengen Strom. Firmen wie Nvidia und Microsoft stellen genau diese Infrastruktur bereit. Deshalb investieren diese Technologiekonzerne so viel wie nie zuvor. Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle stecken dieses und nächstes Jahr gemeinsam weit über eine Billion Dollar in KI. Das ist historisch einmalig. Zudem liefern sich die Konzerne ein spektakuläres Wettrennen. Niemand will den KI-Zug verpassen. Deshalb investieren alle gleichzeitig und in einem Tempo, das wir bisher kaum erlebt haben.
Wo liegen die grössten Risiken für KI-Unternehmen? Die grossen Technologiekonzerne stecken so viel Geld in KI wie nie zuvor. Vor wenigen Jahren flossen – je nach Unternehmen – etwa 14 Prozent ihres Umsatzes in diesen Bereich. Heute liegt der Anteil bei fast 50 Prozent. Das sind gewaltige Summen. Amazon und andere finanzieren diese Ausgaben teils über den Anleihemarkt, teils mit Risikokapital, Bankkrediten oder sogar über Schattenbanken, die weniger streng reguliert sind. Kurz: Sie setzen auf Fremdkapital. Platzt die Blase, hinterlässt sie riesige Schulden – und das flächendeckend im gesamten Finanzsystem. Diesen Schuldenberg abzutragen, könnte Jahre dauern.
Müssen Anleger mit einem Crash rechnen? Einen Crash kann niemand seriös vorhersagen. Klar ist aber, dass immer mehr KI-Firmen an die Börsen drängen, auch Open AI plant den Börsengang. Wenn sich zeigt, dass Unternehmen weniger Geld mit KI verdienen als erwartet, oder Anwendungen verzögert auf den Markt kommen, dürften die Börsen sehr schnell korrigieren. Weil so viel Kapital im Spiel ist, dürften diese Ausschläge nach unten sehr heftig sein. Letztlich geht es nicht darum, ob sich künstliche Intelligenz durchsetzen wird. Sondern, welche Unternehmen die astronomischen Investitionen am Ende tatsächlich in Gewinne umwandeln können – und welche überhaupt überleben werden.