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Wirtschaft «Die Pensionskasse ist keine Gelddruckmaschine»

Die Pensionskassen können zufrieden sein: Sie erwirtschafteten 2013 durchschnittlich drei bis fünf Prozent Rendite. Einige verdienten sogar deutlich mehr. Versicherte erhalten aber oft nur einen Teil der Erträge.

Drei Rentner spazieren durch den Wald.
Legende: Versicherte erhalten weniger Gelder, als ihnen von der Pensionskasse zustehen würden. Keystone

Jahrelang rechneten Pensionskassen mit einem technischen Zins von vier Prozent. Sie nahmen an, auf den Altersguthaben der Rentner liessen sich im Durchschnitt vier Prozent Rendite erzielen. Ausgehend davon, leitete sich auch der politisch höchst umstrittene Umwandlungssatz oder die Höhe des Kapitalstocks ab. Dann kamen die Jahre mit historisch tiefen Zinsen.

Die bisherigen vier Prozent erwiesen sich damit als zu optimistisch, sagt Martin Janssen. Er ist Finanzprofessor an der Universität Zürich. «Eine Pensionskasse ist weder eine Gelddruckmaschine noch ein Zauberinstitut. Sie muss am Kapitalmarkt teilnehmen und kann nicht mehr verteilen, als sie dort erzielt», sagt er.

Die Expertenkammer der Schweizerischen Pensionskassen-Fachleute empfiehlt inzwischen einen technischen Zins von drei Prozent. Das sei immer noch zu viel, sagt Janssen. In Zeiten, da sichere Anlagen wie Bundesobligationen nur noch gerade ein Prozent Zins abwerfen, müsste der technische Zins ähnlich tief sein. Alles andere sei unseriös. «Es kann nicht sein, dass die Rentner immer schön drei oder vier Prozent Rendite auf ihrem Alterskapital haben und die Erwerbstätigen dann sanieren.»

«Drei bis dreieinhalb Prozent sind machbar»

Doris Bianchi ist Pensionskassen-Spezialistin beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Sie wirft Janssen Schwarzmalerei vor. Drei bis dreieinhalb Prozent seien realistisch und machbar, sagt sie. «Der technische Zins ist eine langfristige Zinsannahme für die nächsten 20 Jahre. Da wäre es übertrieben, jetzt auf eine ewige Tiefzinsphase zu setzen.»

Auch der Stilllegungsfonds für Atomkraftwerke rechne mit einer langfristigen Rendite von dreieinhalb bis fünf Prozent. Pensionskassen dürften deshalb ähnlich kalkulieren, ist die Gewerkschafterin überzeugt.

Pensionskassen wollen Zins senken

Allerdings geht der Trend in die andere Richtung: Viele Pensionskassen wollen lieber auf der sicheren Seite sein. Jede Vierte plant den technischen Zinssatz zu senken, wie das Resultat einer Umfrage des Beratungsunternehmens Towers Watson bei grösseren Schweizer Kassen zeigt.

Dies hat weitreichende Folgen, denn ein tieferer technischer Zins kostet zusätzliches Vorsorgekapital. Über den Daumen gerechnet muss eine Pensionskasse den Kapitalstock um fünf Prozent erhöhen, wenn sie den technischen Zins um einen halben Prozentpunkt senkt. «Für die Jüngeren heisst das höhere Beiträge an die Pensionskassen», sagt Bianchi. Das sei eine Beitragslast, die für die Leute schwer wiege.

Milliarden fehlen

Es geht um Milliarden, rechnet doch ein Drittel der privaten Pensionskassen nach wie vor mit einem technischen Zins von über dreieinhalb Prozent. Bei den Kassen mit Staatsgarantie sind es sogar zwei Drittel. Würden alle von ihnen nur noch mit drei Prozent kalkulieren, bräuchten sie in den nächsten 20 Jahren rund 15 Milliarden an zusätzlichen Vorsorgegeldern. Das schätzt der Gewerkschaftsbund.

Ein solcher Zusatzaufwand würde das System der 2. Säule in Frage stellen, sagt Doris Bianchi. «Über eine gewisse Zeit muss vielleicht ein grösserer Kapitalstock gebildet werden. Aber wenn das die längerfristige Zukunft der 2. Säule ist, dann muss man auch den Mut haben zu fragen, ob das ein zukunftsträchtiges Vorsorgemodell ist.»

Viele Pensionskassen befinden sich also in einer sehr ungemütlichen Situation. Die guten Erträge, die viele von ihnen letztes Jahr erwirtschaftet haben, überdecken die strukturellen Probleme höchstens kurzfristig.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Wie vieles hierzulande, bekommen wir nicht zurück. Egal ob Mieten, KK oder PK. Geht es mies, müssen wir sofort zahlen. Geht es gut, bekommen wir trotzdem nichts, oder müssen fast vor Gericht, um Recht zu bekommen! Das ist so typisch für die Schweiz. Komisch, warum übernehmen die Politiker da nicht EU Recht? Aha, da könnten wir Bürger ja provitieren. Es werden darum nur schikanöse EU Regeln und Gesetzt übernommen. Schweiz: kein Arbeiter-, Konsumenten-, Patienten-, Mieter-Schutz!
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    (Teil 2) Lieben Pensionskassen, kauft und investiert in die Industrie (Maschinen-, Elektro-, Software- usw). Somanche Angestellte dort sind froh wenn sie ihr Produkt/Dienstleistung nur mit 3% Rendite verkaufen müssen, dadurch preiswerter sind und ihr Arbeitsplatz erhalten wird.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    5 Prozent Rendite sind m.E. schon "sehr gut". 3 Prozent halte ich mit Rücksicht auf die Gesellschaft und Wirtschaft für nachhaltiger. Wobei entsprechen 5% heute der Realität? Die meisten Firmen "müssen" heute leider eine Rendite von 10% vorweisen um für Geldgeber interessant zu sein (siehe z.B. gerade EADS, die Leute entlassen um 10% Rendite zu erreichen). Andersfalls schrumpft ihr Aktienkapital und werden geschluckt/liquidiert.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      3% bedeutet eine Verdoppelung des Anlagevermögens ca. alle 21 Jahren, bei 5% sind es alle 14 Jahren, bei 10% alle 7 Jahren. Kein solches exponentielles Vermögenswachstum ist im entferntestens nachhaltig. Gut, ein Teil der Vermögenserträge wird verkonsumiert, aber es bleibt immer mehr Vermögen "stehen" -> expoentielles Vermögenswachstum -> kann nie nachhaltig sein.
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    2. Antwort von R.Suri, Zürich
      @Bernouli, Die Gewinne bei den PK's sind gewaltig! Sie kommen aber nicht bei den Kunden an. Röntgen Sie mal die explodierenden Lebensstandarts der PK VR's und der abzockenden Beratungsfirmen im VR Filz der PK's (v.Konkurs in 5 J. zur Villa am See). Einem privatwirtschaftlichem Finanzräptor kann kein soziales Geschäft anvertraut werden. Der Rahm wird abgeschöpft u. Sanieren darf die Masse wie UBS usw. PK's sind der Verdienst der Banken- u. Versicherungslobby in Bern = Diebstahl am Volk!
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ R. Suri: mit Ihnen voll einverstanden. PK sind für die Finanzindustrie eine Goldgrube auf Kosten der Beitragszahler. Theoretisch sollten die PK paritätisch geführt werden - aber offensichtlich klappt das mit der Kontrolle durch die Gewerkschaften/ Vertreter der Beitragszahler nicht so ganz... Trotzdem: jede exponentielle Vermögensvermehrung kann unmöglich nachhaltig sein.
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