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Diesel-Motoren Totgeglaubte leben länger

Die Neuzulassungen von Diesel-Autos sind seit letztem Jahr massiv eingebrochen. Hat der Diesel überhaupt noch Zukunft?

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Legende: In diesem Jahr wurden rund zwanzig Prozent weniger Diesel-Autos zugelassen als im letzten Jahr. Keystone

Die Tricksereien verschiedener Autobauer kamen sie teuer zu stehen. Über 25 Milliarden Dollar Entschädigung hat VW in den USA bis jetzt geleistet. Doch die Zeche bezahlt auch ein anderer. Das Dieselaggregat kämpft seither als Drecksschleuder mit einem argen Image-Problem.

Massive Einbrüche bei den Neuzulassungen

In diesem Jahr haben die Neuzulassungen von Dieselautos um rund zwanzig Prozent abgenommen. Vergleicht man den September 2018 mit dem September letzten Jahres sind sie sogar regelrecht eingebrochen, um rund einen Drittel.

Seit September gelten die neuen, strengeren Euro 6d-Temp Normen, die die EU als Reaktion auf den VW-Skandal ausgearbeitet hat.

Legende: Video In Zukunft wird jede Antriebsart ihre Nische haben. abspielen. Laufzeit 00:51 Minuten.
Aus News-Clip vom 12.10.2018.

Neue Normen sollen's richten

Die neuen Normen bestehen aus drei Elementen. Neu gelten neue Vorgaben für Labormessungen, die Abgasemissionen werden bei Testfahrten auf der Strasse und nicht mehr nur im Labor ermittelt, und die Hersteller müssen die Funktionen der Motorsteuerung offenlegen, die mit der Abgasreinigung zusammenhängen.

Christian Bach leitet das für Automobilität zuständige Labor des Empa, dem ETH-Institut für Materialwissenschaften und Technologie. Für ihn sind die neuen Bestimmungen mit ein Grund, wieso weniger Dieselautos in den Verkehr gesetzt wurden: «Die Umstellung auf die neuen Zulassungsnormen ist sehr aufwändig und darum noch nicht für alle Dieselfahrzeuge abgeschlossen. Die Automobilherstellen können die gewünschten Mengen noch gar nicht liefern.»

Durch den Vertrauensverlust ist die Verunsicherung bei den Kunden noch immer gross. «Erste Berichte zeigen, dass die neuen Dieselmotoren sauber sind. Bei den Kunden scheint das aber noch nicht angekommen zu sein», sagt Bach.

Diesel-Antrieb nach wie vor beliebt

Dass der Diesel noch nicht abgeschrieben ist, zeigt ein Blick auf die Occasions-Preise. Diese sind seit 2015 stabil.

Roger Kunz ist Autohändler in Wohlen, Aargau. Er verkauft zwar nur neue Autos, aber von diesen sei fast jedes zweite ein Diesel. «Wir spüren weder bei den Neuwagen noch auf dem Occasionenmarkt, dass sich die Dieseldiskussion auf den Preis ausgewirkt hat». Kunden kommen jedoch oft mit Skepsis.

Die neuen Normen bergen einen entscheidenden Vorteil: «Durch den Test auf der Strasse werden die Testergebnisse realitätsnäher». Der Kunde könne sich unter den Angaben im Büchlein auch tatsächlich etwas vorstellen, so Kunz, auch wenn die Umstände auf der Strasse variieren.

Christian Bach ist überzeugt, dass sich der Dieselmotor weiterhin behaupten wird. «Die neuen Dieselmotoren haben ihr Schadstoffproblem gelöst. Sie weisen keine erhöhten Stickstoffoxidwerte mehr auf, und behalten ihren Effizienzvorteil von zehn bis zwanzig Prozent gegenüber dem Benzinantrieb.»

Legende: Video Diesel ohne Erdöl - das ist möglich. abspielen. Laufzeit 00:39 Minuten.
Aus News-Clip vom 12.10.2018.

Die Stickstoffoxidwerte der Dieselmotoren seien denn auch gar nicht das Hauptübel. «In Zukunft viel mehr beschäftigen werden uns die Schadstoffemissionen als der CO2-Ausstoss.» Der Fokus müsse also weg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien gelegt werden. Dazu gebe es schon Technologien. Und sowieso: In Zukunft werden Autofahrer laut Bach mit Elektro- oder Hybridfahrzeugen unterwegs sein.

Legende: Video Dieselfahrzeuge – besser als ihr Ruf abspielen. Laufzeit 03:16 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.10.2018.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    In 20 Jahren werden Autos mit Verbrennungsmotoren etwa so populär sein, wie Filmkameras heute. Ausser die Politik schafft es Elektroautos zu verbieten.
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  • Kommentar von Martin Egger (Martin Egger)
    «In Zukunft viel mehr beschäftigen werden uns die Schadstoffemissionen als der CO2-Ausstoss.» Wer versteht diesen Satz?
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Technisch betrachtet ist es möglich den Treibstoff künstlich zum Beispiel mit Windstrom zu erzeugen. Allerdings ist ein Elektrofahrzeug etwa 5 mal effizienter. Russland fackelt etwa 10 mal so viel Methan bei der Ölproduktion ab, wie die Schweiz an elektrischer Energie verbraucht. Methan (Treibstoff) künstlich zu produzieren rechnet sich entsprechend noch weniger. Das Elektroauto steht praktisch alternativlos da, wenn der CO2 Austoss eine Rolle spielt.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wenn es gelingt, den Diesel mit noch mehr Hochdruck im Brennraum zu zerstäuben, fahren wir mit einem Liter Diesel das 3fache wie derzeit . Der CO2 Ausstoss ist dann gegen Null gehend. Wir könnten dann auch jeden Fettstoff als Antrieb verwenden, weil er durch die Feinzerstäubung eine riesige Brennoberfläche erhält . ( Staubexplosionen haben genau diesen Grund vorliegend )
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    1. Antwort von Lars Graf (Lars)
      Das 3 fache wird nicht möglich sein. Der Grund; der Diesel Motor arbeitet nur in einem sehr begrenzten effizient und kleine Diesel Motoren verbrennen schlecht. Abgesehen davon ist die Feinzerstäubung ein Garant für viel Feinstaub.
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