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Digitaler Fortschritt stockt Post bricht Tests mit Lieferrobotern ab

Legende: Audio Post-Sprecherin Léa Wertheimer zum Zwischenfall abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
03:56 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.03.2019.
  • Die Post hat ihre 2016 begonnenen Tests mit selbstfahrenden Lieferrobotern in Schweizer Städten vorerst abgebrochen.
  • Grund dafür ist laut der Post das Gesetz, wonach die Roboter nur in Begleitung eines menschlichen Aufpassers durch die Stadt fahren dürfen.

«Das ergibt keinen Sinn für uns, deshalb haben wir die Tests ausgesetzt», sagte Claudia Pletscher, Leiterin Entwicklung und Innovation bei der Post, in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

Die Post stehe mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) im Austausch, um «bessere gesetzliche Rahmenbedingungen» zu schaffen. Seit Januar 2018 fanden keine Versuche mit Selbstfahrrobotern mehr statt.

Zwischenfall auf Fussgängerstreifen

Daneben gab es laut dem Schlussbericht der Post vereinzelt aber auch Praxisprobleme. So hätten die Roboter ohne Hilfe teilweise die Strasse nicht rechtzeitig überqueren können.

Legende: Video Aus dem Archiv: Die Post experimentiert mit neuen Technologien abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.08.2017.

Auf einem Fussgängerstreifen in Zürich kam es zu einem Zwischenfall, der ohne Eingriff des Aufpassers «zu einer gefährlichen Situation hätte werden können»: Die Ampel für Autos stand bereits auf Grün, als der Roboter den Fussgängerstreifen noch nicht fertig überquert hatte.

Weitere Tests im Indoor-Bereich

Roboter auf Trottoirs sind teilweise auch Fussgängern ein Dorn im Auge. Der Verband Fussverkehr Schweiz reichte 2018 eine Petition beim Bundesrat ein. Darin forderte der Verband getrennte Wege für Fussgänger und Velofahrer sowie einen Verzicht auf Spass- und Transportfahrzeuge mit Motor auf den Trottoirs.

Die Post will nun vorerst Lieferroboter bei sich im Indoor-Bereich weiter testen. In grossen Gebäuden, bei denen längere Strecken zurückgelegt werden müssten, könnten diese eine gute Lösung sein, sagte Claudia Pletscher von der Post im Interview.

Testphase mit Lieferrobotern

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Die Post hatte die sechsrädrigen Lieferroboter des estnischen Marktpioniers Starship Technologies als eines der ersten Unternehmen in Europa getestet.

2016 absolvierten diese in Bern, Köniz BE, Biberist SO und Zuchwil SO auf rund 200 Zustelltouren 1000 Kilometer – unfallfrei. Danach folgten 2017 und 2018 Tests ebenfalls ohne Unfälle in Zürich und Dübendorf mit gegen 200 Fahrten und 800 Kilometern.

Ursprünglich rechnete die Post mit ersten kommerziellen Einsätzen der Lieferroboter frühestens 2019.

Bei der Post werden derzeit rund 17 Millionen Sendungen pro Tag aufgegeben. Das Unternehmen will Roboter in kleinen Nischen einsetzen. Es steht laut eigenen Angaben von Konkurrenten nicht nur aus der Logistik, sondern auch aus dem Technologiesektor unter Druck.

Erst im Januar hatte der US-Konzern Amazon angekündigt, sechs Lieferroboter ebenfalls der Firma Starship Technologies in der Innenstadt von Seattle fahren zu lassen.

Verzicht auf Transportdrohnen

Vorübergehend verzichtet die Post ebenfalls auf Einsätze bei ihren Transportdrohnen. Der Flugstopp erfolgte, nachdem im Januar einer der fliegenden Roboter beim Transport einer Blutprobe zwischen einem Spital und einem Labor aus unbekannten Gründen 200 Meter vom Ufer entfernt in den Zürichsee gestürzt war.

Legende: Video Aus dem Archiv: Taucher bergen abgestürzte Transportdrohne abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 28.01.2019.

Es habe sich um eine kontrollierte Notlandung gehandelt, sagte die Post-Innovationschefin der NZZ und berief sich auf einen Vorbericht zum Unfall. Alle Sicherheitselemente hätten funktioniert, wie sie sollten.

Dass noch alle Drohnen am Boden seien, bis die definitiven Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, sei eine freiwillige Vorsichtsmassnahme. Die Postdrohnen absolvierten bisher in Lugano, Bern und Zürich über 3000 erfolgreiche Flüge.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Meinrad Daniel Jnglin (HouliMouli)
    Da gibt es Juristen im Bundesamt für Verkehr, im Bundesamt für Justiz und auch in der Post. Und doch hat keiner gemerkt dass es gesetzlich nicht erlaubt ist Roboter ohne Begleitperson auf die Strasse zu lassen. Und wenn man es gemerkt hat, warum wurde der Test trotzdem gemacht und sehr viel Geld aus dem Fenster geworfen? Den Verantwortlichen sollte man den Betrag vom Lohn abziehen.
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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Der Post-Führung gehört auch langsam einen Aufpasser vor die Nase. Denn die dortige Riege macht auf mich auch den Eindruck als arbeite sie im "autonomen Modus" und provoziert immer wieder kritische Situationen und Zwischenfällen...
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  • Kommentar von Thomas Brand (tomcomm)
    Das verwundert mich keineswegs. Schon beim Start war klar: wenn jemand nebenher laufen muss hat das keine Zukunft. Nun kann man argumentieren, dass die Post im Verteilwesen neue Technologien ausprobieren sollte. Bei manchen Sachen könnte man annehmen, dass bereits vom Schreibtisch aus klar ist: es ist zu unreif, zu früh, bietet keinen Mehrwert. Dann bleibt es eine Entscheidung vom Marketing: wollen wir als innovativ wahrgenommen werden? Eine total andere Frage.
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