Durch China geistert die Angst vor der Finanzkrise

In China brechen die Aktienkurse seit Tagen ein. Gerüchte kursieren, die grosse staatliche «Bank of China» sei zahlungsunfähig. Die Anleger sind nervös. Heute trat nun die chinesische Nationalbank vor die Medien. Was ist los in der zweitgrössten Wirtschaftsmacht der Welt?

Ein Börsenhändler hält sich den Kopf, dahinter sieht man eine Aktienlinie im Sinkflug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aktienkurse im Sinkflug: In Shanghai fiel der Index so tief wie seit vier Jahren nicht mehr. Keystone

Systemausfälle bei mehreren chinesischen Banken haben die Angst vor einer Kreditklemme in der Volksrepublik weiter angefacht. Bei Chinas drittgrösstem Kreditgeber, der «Bank of China», gab es am Montag ebenso wie bei der «Bank of Nanjing» zeitweise Störungen im Überweisungssystem.

Am Sonntag konnten Kunden des Branchenersten ICBC Berichten zufolge landesweit an Automaten kein Geld abheben. Nach Angaben der Geldhäuser waren technische Probleme der Grund für die Ausfälle. Doch Kunden befürchteten ein gravierenderes Problem im Bankensektor.

Grund für Ausfälle: Systemumstellung

In Shanghai gab es am Dienstag allerdings keine Anzeichen von ungewöhnlich langen Schlangen vor Banken oder Geldautomaten. Nach Angaben der ICBC war eine Systemumstellung für die Störung verantwortlich.

Mittlerweile laufe das Geschäft wieder reibungslos. Blogger berichteten allerdings, dass sie an einigen Automaten immer noch kein Geld abheben konnten.

Die grosse staatliche «Bank of China» sah sich genötigt, Gerüchte über ihre Zahlungsunfähigkeit zu dementieren. Die Angst vor einer Finanzkrise in China belastete am Montag weltweit die Aktienkurse.

Die chinesische Zentralbank sicherte derweil zu, die Marktzinsen wieder auf ein «vernünftiges Niveau» zu bringen. Durch ein angemessenes Liquiditätsmanagement solle ein angemessenes Kreditwachstum sichergestellt werden, sagte Ling Tao, Vize-Chef der Zentralbankfiliale in Shanghai.

Geldmarkt-Zinsen gestiegen

Zuletzt hatten die steigenden Geldmarkt-Zinsen in China für Unruhe gesorgt. Weil die Zentralbank ankündigte, den Markt nicht mehr mit Geld zu fluten, versuchten sich die Banken bei anderen Geldhäusern einzudecken. Darum gingen die Zinsen für kurzfristige Darlehen in die Höhe.

«Grund dafür ist ein potentieller Konflikt zwischen der Zentralbank, der Regierung und den chinesischen Geschäftsbanken», sagt Horst Löchel gegenüber SRF. Er ist China-Kenner und Professor an der «School of Finance» in Frankfurt.

Zu viele Kredite

Die Regierung sei unzufrieden, weil die Geschäftsbanken zu viele Kredite vergeben. Fallen diese aus, müsse dann unter Umständen die Zentralbank in die Bresche springen, erklärt Löchel. «Man muss Mittel finden, um die chinesischen Banken unter Kontrolle zu kriegen.» Und das wichtigste Mittel sei die Geldversorgung durch die Zentralbank. Und die hat jetzt klar gemacht: «So geht's nicht, wir finanzieren nicht alles.»