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Legende: Audio Ferdinand Piëch – der grosse Patriarch der Autoindustrie ist tot abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 27.08.2019.
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Ehemaliger VW-Chef Auto-Patriarch Ferdinand Piëch ist tot

  • Der ehemalige VW-Chef Ferdinand Piëch ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
  • Dies teilte die Witwe in einer Erklärung über ihren Anwalt mit.
  • Der milliardenschwere Piëch galt lange als einer der reichsten und mächtigsten Automanager der Welt.

Mit dem Tod von Ferdinand Piëch geht für Volkswagen und die deutsche Automobilindustrie ein Ära zu Ende. Der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hat das Wolfsburger Unternehmen zu einem weltumspannenden Megakonzern gemacht. Er führte den Konzern mit eiserner Hand – von 1993 bis 2002 als Vorstandschef und bis 2015 als Aufsichtsratsvorsitzender.

Kritiker sehen in dieser Führungskultur, die von Piëchs Ziehsohn und späterem Nachfolger an der Unternehmensspitze, Martin Winterkorn, übernommen wurde, aber auch einen Grund für den Dieselskandal, der die Existenz von Volkswagen vor fast vier Jahren in Gefahr brachte.

Durch den von Piëch eingeführten Managementstil konnte nach Ansicht von Kritikern über viele Jahre ein System der Angst entstehen, in dem Ingenieure lieber manipulierten, als zugaben, dass Abgasgrenzwerte nicht eingehalten werden konnten.

Niederlage gegen Winterkorn

Seinen ersten schweren Rückschlag, von dem er sich nie richtig erholte, erlebte der Machtmensch Piëch, als er im April 2015 Zweifel an Winterkorn säte, um ihn als Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats zu verhindern. Doch sowohl der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh und die IG Metall als auch das Land Niedersachsen stützten Winterkorn.

Während sich Piëch grollend in sein Salzburger Domizil zurückzog, blieb Winterkorn zunächst im Amt. Er musste dann allerdings im September 2015 zurücktreten, nachdem die Dieselmanipulation in den USA aufgeflogen war.

Legende: Video Aus dem Archiv: Piëch unterliegt im VW-Machtkampf abspielen. Laufzeit 00:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.04.2015.

Strippenzieher und Konstrukteur

Bis zu seiner krachenden Niederlage setzte Piëch seine Pläne stets gut durchdacht und mit langem Atem durch. Das bekam auch Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder zu spüren. Der kam mit dem ruppigen Führungsstil des Patriarchen nicht zurecht. Dabei hatte Piëch Pischetsrieder selbst von BMW in München nach Wolfsburg geholt und ihm nach Einschätzung vieler Autoexperten ein wenig durchdachtes Markenportfolio vererbt.

Piëchs enormer Einfluss fußt aber auch auf seiner grossen technischen Expertise. Der gelernte Maschinenbauer startete seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Seinen Ruf als Konstrukteur erwarb er sich bei Audi in Ingolstadt, wo er Entwicklungen von der Aluminium-Karosserie in Leichtbauweise bis hin zum Audi-Quattro-Antrieb vorantrieb. 1988 rückte er an die Spitze der VW-Tochter, die er zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von BMW und Mercedes machte.

Und dann Porsche

Sein Meisterstück als Taktiker lieferte Piëch, als der VW-Aufsichtsratschef den Spiess nach der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche umdrehte und der Wolfsburger Konzern sich schliesslich Porsche als zehnte Marke einverleibte.

Seit dem Einstieg der Porsche-Holding als Grossaktionär war der Porsche-Miteigentümer Piëch indirekt auch erheblich an VW beteiligt. Sein Erbe hat er schon vor längerem über zwei Stiftungen geregelt, die seine Frau Ursula führen soll.

Piëch hatte trotz seines hohen Alters enormen Einfluss in dem Konzern. Kaum eine wichtige Entscheidung fiel ohne grünes Licht aus Piëchs Büro am Familiensitz in Salzburg. Der Vater von zwölf Kindern aus vier Beziehungen wurde in Wolfsburg regelrecht gefürchtet. Privat soll er jedoch auch ein warmherziger Familienmensch gewesen sein.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von E Hitz  (Amigo_Home)
    Einige sagen, er war jemand zu dem man aufschauen konnte während andere meinen, das er auf alle herab schaute. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      Piëch hatte eine klare Vorstellung von dem was er wollte und war als Manager sicher knallhart. Andererseits war er sich nicht zu schade, selbst zum Schraubenschlüssel zu greifen und seine Finger und den Kittel schmutzig zu machen. Piëch verstand vom Auto-Handwerk wahrscheinlich "etwas mehr" als viele andere. Öl an den Händen, Benzin im Blut und eine erfolgreiche Vorstellung mit Krawatte von dem, wie ein richtiges Auto auszusehen und zu funktionieren hat. Das war Ferdinand Piëch.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Piëch war der Letzte, der in seiner Arbeit das Richtige tat für Deutschland. Helmut Schmidt und Franz Josef Strauss waren die Vorletzten. Alle haben sich prioritär für strickte Ordnungspolitik stark gemacht und sie auch durchgesetzt. Mit dieser, dem Lavieren fern gebliebenen Spezies ist es nun vorbei. Die Folgen sind mehr als nur sichtbar.
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  • Kommentar von Hans Ochsner  (Hans Ochsner)
    Aus seinem Führungsstil den Diesel-Skandal abzuleiten ist ja weit an den Haaren herbei gezogen! Traf diese Geschichte andere Autobauer doch genau gleich!!
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