Ehrgeizige Pläne: Der reichste Mann der Welt, Elon Musk, hat die Fusion seiner beiden Firmen SpaceX und xAI angekündigt. SpaceX dominiert mit seinen Raketen den Transport von der Erde in den Orbit. Zum Unternehmen gehören mehr als 9000 Satelliten, die unter dem Programm von Starlink die Erde mit Internet und Kommunikation versorgen. xAI wiederum erforscht Künstliche Intelligenz und setzt diese um.
Eine Million Satelliten: Im Zusammenhang mit der Fusion hat Elon Musk seine Weltraum-Pläne offengelegt und bei den zuständigen Behörden in den USA die Bewilligung für den Betrieb von einer Million zusätzlicher Satelliten beantragt. Musk will in einer Höhe von 500 bis 2000 Kilometern über der Erde ein Netz von Satelliten aufbauen sowie etliche Datencenter, ausgerüstet mit Solarenergie und künstlicher Intelligenz.
Vertrag regelt Grundsätze: Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wem die Umlaufbahn der Erde gehört. Die kurze Antwort: Niemandem. Eine längere: Es gibt zwischen den Staaten der Welt einen Vertrag aus dem Jahr 1967, der die Grundsätze für die Nutzung des Weltraums festlegt. Die Schweiz hat diesen Vertrag damals mitunterzeichnet. Der zwischenstaatliche Vertrag zur Nutzung des Weltraums wurde in einer Zeit geschlossen, als die Raumfahrt ganz am Anfang stand. Deshalb gab es kaum Einschränkungen: «Allen Staaten steht es frei, den Weltraum einschliesslich des Mondes und anderer Himmelskörper ohne jegliche Diskriminierung zu nutzen», so der Grundsatz.
Keine Einschränkung, aber Haftung: Der Vertrag von 1967 schränkt die Nutzung der Erdumlaufbahn zwar nicht ein, aber es gibt eine Haftpflicht: «Jeder Vertragsstaat, der einen Gegenstand in den Weltraum startet oder starten lässt, haftet völkerrechtlich für jeden Schaden, den ein solcher Gegenstand oder dessen Bestandteile einem anderen Vertragsstaat ... zufügen». Das heisst, wenn die Satelliten von Elon Musk Schaden anrichten, dann haften die USA, so steht es zumindest auf dem Papier.
Platz im Orbit ist beschränkt: Die zunehmende Kommerzialisierung bereitet den Experten Sorgen: «Der Orbit ist nicht unendlich gross. Satelliten teilen sich bestimmte Höhenbänder, und viele sind bereits überfüllt», schreibt Luc Piquet, Chef der Firma Clear Space auf Anfrage. Das Unternehmen aus Lausanne entwickelt ein Programm zur Beseitigung alter Satelliten im Orbit. Jede Orbitalebene könne nur eine bestimmte Anzahl von Satelliten sicher aufnehmen und gleichzeitig genügend Abstand für eine zuverlässige Kollisionsvermeidung gewährleisten. Mit zunehmendem Verkehr verringert sich der Spielraum für Fehler, so Piquet.
Müll als Risiko: Raumfahrtexperte Piquet warnt zudem vor dem zunehmendem Müll in der Umlaufbahn: «Weltraumschrott besteht aus ausgedienten Satelliten, verbrauchten Raketenstufen und Fragmenten vergangener Kollisionen, die sich mit Geschwindigkeiten von bis zu 28'000 Kilometern pro Stunde bewegen. Selbst ein nur wenige Zentimeter grosses Stück kann ein funktionsfähiges Raumfahrzeug zerstören», so Piquet. Wenn sich Weltraumschrott ungehindert ansammle, könne dies zu Kettenreaktionen von Kollisionen führen und bestimmte Umlaufbahnen über Jahrzehnte unbrauchbar machen. «Dies ist kein theoretisches Risiko, sondern eine zunehmende operative Realität», schreibt Luc Piquet.